REGION GEROLZHOFEN

Rettungsleitstelle bei Unwettern am Limit

Die Integrierte Leitstelle in Schweinfurt koordiniert die Rettungs- und Feuerwehreinsätze in der Region Main-Rhön. Die schweren Unwetter der vergangenen Tage haben das Personal stark gefordert. Foto: ILS Schweinfurt

Schwere Unwetter häufen sich. Dies sorgt für überflutete Straßen, Hangrutsche, umgestürzte Bäume und nasse Keller. Gleichzeitig sorgt das extreme Wetter aber auch für Hochbetrieb bei der Integrierten Rettungsleitstelle (ILS) in Schweinfurt.

Die Leitstelle koordiniert die Rettungsdienste in der Region Main-Rhön, also in der kreisfreien Stadt Schweinfurt und in den Landkreisen Schweinfurt, Haßberge, Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen. In der Einsatzzentrale in der Schweinfurter Friedrich-Gauß-Straße werden von der ILS alle Notrufe angenommen und abgearbeitet, die über die Nummer 112 eingehen. Nach der Aufnahme des Sachverhalts alarmieren die Disponenten bei medizinischen Notfällen dann Rettungswagen und bei Bedarf einen Notarzt, bei Unfällen oder Unwettern die nächstgelegenen Feuerwehren oder das Technische Hilfswerk.

Mit dem Entgegennehmen der Anrufe und der Alarmierung der passenden Einsatzfahrzeuge alleine ist es aber nicht getan. Auch der laufende Einsatz wird von der ILS noch gesteuert und koordiniert. Bei der Leitstelle laufen über Digitalfunk die Informationen zusammen, wann welches Fahrzeug ausrückt, wann es an seinem zugewiesenen Einsatzort eintrifft und wann es wieder abrückt. Die Leitstelle organisiert bei Bedarf auch Betten und Intensivplätze in den Krankenhäusern und stellt auf Anforderung der Feuerwehren auch Kontakt zu Energieversorgern und Straßenbaubehörden her.

Internes Alarmierungssystem

Die derzeitigen Unwetter sorgen – neben den weiterhin eingehenden „normalen“ Notrufen nach medizinischen Ausnahmesituationen – für eine erhebliche Zunahme von Anrufen, in denen Hausbesitzer um die Hilfe der Feuerwehr bitten. Alleine am Samstagabend, als ab 17 Uhr die aus Richtung Osten anziehende Gewitterfront besonders Unterspiesheim und Schwebheim heimsuchte, nahm das Team der ILS rund 440 Notrufe entgegen.

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Unwetter bei Schweinfurt

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Für solche Ausnahmesituationen gibt es bei der ILS ein internes Alarmierungssystem. Relativ kurzfristig kann damit der Personalstand hochgefahren werden, indem Mitarbeiter der Rufbereitschaft als zusätzliche Disponenten aktiviert werden. Außerdem werden ehrenamtliche, speziell ausgebildete Kräfte der so genannten ILS-Unterstützungsgruppe als Telefonisten nach Schweinfurt gerufen. Die Alarmierung erfolgt meist schon, wenn der Deutsche Wetterdienst die ersten Warnungen vor schweren Unwettern für die Region Main-Rhön herausgibt.

Der Notruf ins Leere?

Bei Unwettern wie am vergangenen Samstag kann es passieren, dass trotz Vollbesetzung der ILS dort nicht alle eingehenden Anrufe sofort entgegengenommen werden können. Die konkrete Folge: Wenn man die 112 wählte, klingelte es durch und keiner ging ran. Mehrere Leserinnen und Leser haben die Redaktion auf diesen Umstand hingewiesen – zugleich aber für die Überlastung der Leitstelle auch Verständnis gezeigt.

Thomas Schlereth, der Leiter der ILS, bestätigt, dass es durchaus vorkommen kann, dass manche Notrufe nicht sofort entgegengenommen werden können. Der entscheidende Faktor sei hier die Zahl der zur Verfügung stehenden Annahme- und Abfrageplätze. In der Schweinfurter Leitstelle könnten bei hochgefahrenem Personalstand maximal 16 Mitarbeiter die eingehenden Telefongespräche annehmen, den geschilderten Sachverhalt aufnehmen und dann an die Disponenten weiterleiten. Diese 16 Telefonplätze sind quasi der Flaschenhals, durch den die Notruf-Flut durch muss. Und dabei kann es eben zum Anrufer-Stau kommen.

Problem ist erkannt

Chef der Integrierten Rettungsleitstelle in Schweinfurt ist Thomas Schlereth. Foto: Hans Friedrich

Das Problem ist bei der ILS erkannt. Weil die Zahl der Telefonistenplätze nicht weiter erhöht werden kann, versuche man nun, die Gesprächsdauer bei den eingehenden Notrufen deutlich zu verkürzen, erläutert Thomas Schlereth. Denn je schneller das eine Telefonat beendet sei, umso früher kann der Telefonist schon den nächsten Notruf entgegennehmen. Man bespreche derzeit intern, wie die Gesprächsführung am Telefon aussehen müsste, um ohne Zeitverschwendung in möglichst kurzer Zeit alle notwendigen Informationen vom Anrufer zu erhalten, sagt Schlereth.

Außerdem werde an einer weiteren technischen Lösungsmöglichkeit gearbeitet, so der Leitstellen-Leiter, um den Notruf-Stau möglichst zu verhindern: Wenn die Leitstelle durch eine Vielzahl von Anrufern überlastet ist, soll es möglich sein, dass ein Teil der Notrufe umgeleitet, von einer anderen Leitstelle in Bayern abgearbeitet wird, bei der gerade Normalbetrieb herrscht und die deshalb freie Kapazitäten hat. Die Integrierten Leitstellen in Bayern sind schon jetzt untereinander über ein eigenes Datennetz verbunden. Sollte eine Leitstelle aus welchen Gründen auch immer einmal ausfallen, so können die Disponenten einer anderen Leitstelle die Aufgaben vollständig übernehmen.

„Es immer weiter versuchen“

Was aber sollte ein Anrufer tun, der im Notfall die 112 wählt und keinen Anschluss bekommt? Wenn beispielsweise nach einem Unwetter die Hilfe der Feuerwehr benötigt wird und es dabei nicht um Leben oder Tod geht, kann man auch selbst zum örtlichen Feuerwehrhaus fahren, das in der Regel dann schon besetzt ist. Hier wird einem sicher geholfen.

Anders sieht es aber aus, wenn es sich um einen medizinischen Notfall handelt oder erhebliche Sachschäden drohen: Dann rät Thomas Schlereth davon ab, irgendwohin zu fahren, um Hilfe zu holen. Dann sei es eindeutig besser, es immer wieder über die Notrufnummer am Telefon weiter zu versuchen, bis jemand das Gespräch entgegennehme. „Denn in diesen vier, fünf Minuten, die man beim Autofahren verliert, würde der Notruf auf jeden Fall entgegengenommen werden.“

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