Sömmersdorf

Robert König: Emotionaler Abschied vom Passionsspielverein

Die letzten Stunden einer großen Ära: Robert König kandidierte nicht mehr als Vorsitzender des Passionsspielvereins. Wie geht es weiter? Der Verein hat ein neues Konzept.
Er spielte alle Rollen: Auf der Bühne den Pilatus, hinter der Bühne den Helfer, im Verein den Vorsitzenden, für die Gemeinde den Botschafter. Jetzt tritt Robert König ab.  Foto: Silvia Eidel

Es ist wie bei Uli Hoeneß: Alle erheben sich, klatschen minutenlang Beifall, erweisen ihren Respekt für die große Leistung ihres Vorsitzenden. Es waren die letzten Stunden einer großen Ära: Robert König kandidierte nicht mehr als Vorsitzender des Passionsspielvereins. Seine Nachfolge traut sich keiner alleine anzutreten. Künftig leitet ein Dreierteam den Theaterverein. Und das holt sich als Verstärkung noch sechs Stellvertreter ins Boot. Der Vorstand wächst damit von 16 auf 21 Köpfe an.

Standing Ovations: Minutenlang applaudieren die Mitglieder des Passionsspielvereins dem scheidenden Vorsitzenden Robert König und erweisen ihm Respekt für seine Leistung. Foto: Irene Spiegel

Der große Saal der Robert-Seemann-Halle ist brechend voll. Über 100 Mitglieder sind zur Jahresversammlung gekommen. Nicht nur, weil die letzte schon fast drei Jahre zurückliegt, sondern auch weil es die letzte ihres Vorsitzenden Robert König ist. Schon vor fünf Jahren hatte er angekündigt, nicht mehr zu kandidieren. Aus gesundheitlichen Gründen. "Es geht nicht mehr." Schon damals ging es eigentlich nicht mehr. Aber der Bau der neuen Überdachung für die Freilichtbühne war schon in die Wege geleitet. Und die Abwicklung dieses größten Bauprojekts in der Geschichte des Vereins wollte er niemanden "zumuten". Es hat auch ihn an die Grenzen gebracht, viel Kraft, Engagement, Nerven und Zeit gekostet.

Sein letzter Auftritt: Robert König zieht bei der Jahresversammlung des Passionsspielvereins Bilanz. Foto: Irene Spiegel

"Es war eine anstrengende Zeit", resümiert König, "auch für unsere Anwohner." Die Belastung durch den Baulärm sei groß gewesen. "Ich habe mich mehrmals entschuldigt." Aber: "Es ist gut geworden." Vor allem weil so viele mitgeholfen haben. Robert König bedankt sich aufrichtig bei allen Helfern, bei seinem Vorstandsteam, bei den Zuschussgebern, bei allen Unterstützern und Fürsprechern, die sich für "die Marke Sömmersdorf" stark gemacht haben.

Drei gleichberechtigte Vorsitzende leiten den Verein

Doch erst einmal bleibt Robert König formell – noch ist er Vorsitzender und Gastgeber bei der Jahresversammlung mit obligatorischer Begrüßung, Totengedenken, Rückblick, Kassenbericht und Satzungsänderung, die nötig ist, um den Weg frei zu machen für die Wahl des neuen Führungstrios mit drei gleichberechtigten Vorsitzenden. Das sind Dieter Mergenthal für den Bereich Finanzen, Johannes Gessner für Allgemeines und Organisation sowie Norbert Mergenthal für Marketing und Organisation. Jeder von ihnen hat zwei Stellvertreter. Michael Wolz und Joachim Kress unterstützen im Bereich Finanzen, Sabine Nöth und Christoph Selzam bei der Organisation sowie Dieter Müller und Elisabeth Trott beim Marketing. Neu ist Schriftführerin Tina Büdel, sie übernimmt das Amt von Hubert Rüth, der ebenfalls nicht mehr kandidiert. Und die Kasse führt künftig Margit Büttner, nachdem Dieter Mergenthal ins Führungstrio aufgerückt ist. Unterstützt wird das Team von neun Beiräten und Pfarrer Markus Grzibek als Präses. Alle übernehmen erst einmal nur für zwei Jahre Verantwortung. Dann wird wieder gewählt. 

Das neue Führungstrio mit dem scheidenden Vorsitzenden (von links): Dieter Mergenthal, Robert König, Johannes Gessner und Norbert Mergenthal. Foto: Irene Spiegel

Robert König übergibt der neuen Crew ein gut bestelltes Haus, auch wenn der Neubau der Überdachung das Vereinskonto ins Minus gebracht hat. Wäre alles nach Plan gelaufen, wäre man auf Null rausgekommen. Doch das Projekt verteuerte sich von 2,1 auf 2,7 Millionen Euro, weil statt 98 Tonnen Stahl am Ende 164 Tonnen für die Statik des Daches verbaut werden mussten. Für die halbe Million Euro Mehrkosten konnten bislang keine Fördergeldern rekrutiert werden. Dank der guten Einnahmen bei den letztjährigen Passionsspielen ist das Minus inzwischen aber auf nurmehr 94 000 Euro geschrumpft. "Und das werden wir auch noch schaffen", ist Robert König optimistisch angesichts des großen Engagements aller im Verein. 

"Ihr habt super gewirtschaftet", stellt Kassenprüfer Egbert Pfeuffer fest und hebt zu einer ausgedehnten Laudatio auf das Vorstandsteam mit Robert König an der Spitze an. "Wahnsinn, was die ehrenamtlich leisten." Da ärgert es ihn, dass der große Sömmersdorfer Gemeinschaftsgeist von einigen Anwohnern konterkariert wird und die von ihnen erwirkten Lärmmessungen dem Verein zusätzlich Geld kosten.

"Ihr seid ein Riesenleuchtturm, der für die ganze Region strahlt."
Bürgermeister Arthur Arnold

Apropos Lärm: Ein Schallbegrenzer ist inzwischen eingebaut. Was aus den Boxen vor der Bühne rauskommt, ist fix geregelt. Tagsüber sind es mehr Dezibel, ab 20 Uhr weniger, und ab 22 Uhr wird noch einmal runtergedreht. Und es kann auch nicht manipuliert werden. Die Anlage ist verplombt. Was noch aussteht, ist das Ergebnis der Lärmmessungen des Landratsamtes während der vergangenen Veranstaltungen. Das wird entscheidend sein, welche Veranstaltungen künftig auf der Bühne stattfinden können. Für 2020 ist deshalb noch nichts in trockenen Tüchern. Gleichwohl liegen Anfragen von Konzertveranstaltern vor. 2021 ist dann die Aufführung von Robin Hood als Eigenproduktion mit maximal zehn Veranstaltungen geplant, 2023 dann wieder die Passion mit 18 Aufführungen und im Jahr 2022 dazwischen eine Verschnaufpause mit Konzerten oder Shows von Fremdanbietern. Bis zu sechs Veranstaltungen sind hier möglich. 

Bürgermeister sagt Unterstützung aus dem Rathaus zu

Bürgermeister Arthur Arnold sichert den Sömmersdorfern jegliche Unterstützung aus dem Rathaus zu. "Ihr seid ein Riesenleuchtturm, der für die ganze Region strahlt." Dies gelte es für die Zukunft zu sichern, "da lassen wir uns auch nicht kirre machen". Nein, das tun die Sömmersdorfer nicht. Denn Jörg Kampe schwört sie mit einer leidenschaftlichen Motivationsrede noch einmal auf den beispielhaften Zusammenhalt und Gemeinschaftsgeist ein. "Das müssen wir bewahren und pflegen." 

Dann, nach über drei Stunden Reden und Ansprachen ist er da, der große emotionale Moment. Und Robert König tritt ganz bescheiden ab. Statt großer Worte sagt er "danke, dass so viele liebe und gute Menschen mich unterstützt haben". Es falle ihm schwer aufzuhören, "ihr habt mir so viel gegeben". So manchen kommen die Tränen. Alle im Saal stehen jetzt auf und applaudieren. Und Robert König bedankt sich nach 23 Jahren Vorstandsarbeit, davon 13 Jahre als erster Vorsitzender, mit den Worten: "Ihr seid eine tolle Gemeinschaft." 

Breiter aufgestellt hat sich der neue Vorstand des Passionsspielvereins. Auch acht Frauen sind im Team, sie wurden mit Blumen begrüßt. Foto: Irene Spiegel

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