SCHWEINFURT

Rückblick: Schaeffler will Geißinger nicht mehr

2010 noch ein Herz und eine Seele. Maria-Elisabeth Schaeffler und Jürgen M. Geißinger in Schweinfurt bei der Verleihung des FAG Awards. Foto: Fuchs-Mauder

Es war zwar schon seit Monaten darüber gemunkelt worden, die Nachricht kam doch überraschend, als Schaeffler am 4. Oktober bekanntgab, sich vorzeitig vom Vorstandsvorsitzenden Jürgen M. Geißinger (54) zu trennen und die Geschäfte vorübergehend dem Finanzchef Klaus Rosenfeld (47) anzuvertrauen.

Von einem zerrütteten Verhältnis zwischen dem Manager, der seit 1998 in Diensten des Unternehmens stand, und den Eigentümern, Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler, war die Rede. Dabei soll es um die Zukunftsstrategie Differenzen gegeben haben – spekuliert wird unter anderem über den Gang an die Börse.

Eigentlich war 2013 für Schaeffler ein ziemlich gutes Jahr. Zwar stotterte das Industriegeschäft, das von Schweinfurt aus gemanagt wird, der Bereich Automotive machte dies aber mehr als wett. Während dieser Bereich um rund sieben Prozent wuchs, brach der deutlich kleinere Industriebereich um zwölf Prozent ein, unter dem Strich blieb in Plus von zwei Prozent.

Im Lauf des Jahres hat sich die Finanzsituation entspannt. Durch Umschuldung und den Verkauf von Conti-Aktien wurde die Verschuldung auf neun Milliarden Euro (zeitweise waren es 12 Milliarden) reduziert.

Bedeutend für den Standort Schweinfurt war die Einigung zwischen dem Betriebsrat und der Geschäftsleitung über die Verlagerung der Produktion von Radlagern in die Slowakei. Sie kommt nicht 2015, sondern erst 2016. Außerdem bleiben rund 430 Arbeitsplätze im Bereich Automotive erhalten. Der Abbau von rund 400 Stellen soll ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden. Im Juni hatte der Betriebsrat betont, er werde die Verlagerung nicht akzeptieren und ein externes Beratungsinstitut beauftragen, Konzepte zu prüfen, um die Produktion der Radlager in Schweinfurt zu halten. Das Ergebnis war eindeutig. Das Institut habe keine Alternativen aufzeigen können, wie die Lager hier künftig wirtschaftlich gefertigt werden könnten, schrieb der Betriebsrat in einer Pressemitteilung.

„Der Betriebsrat hat eine Neuausrichtung der Sparte durchgesetzt“, betonte Betriebsratsvorsitzender Norbert Lenhard. Das heißt, Vertrieb, Anwendungstechnik, Konstruktion und Qualitätssicherung weltweit bleiben in Schweinfurt. Auch Magnetlager werden hier gefertigt. Außerdem soll zum Jahreswechsel 2014/15 die Produktion des Wankstabilisators anlaufen. Dieses komplexe elektromechanische System verbessert die Kurvenstabilität bei Geländewagen. Schweinfurt soll der einzige Standort werden, an dem der Stabilisator gebaut wird. Automotive-Vorstand Wolfgang Dangel sprach von 85 Arbeitsplätzen und betonte: „Auch bei weiteren Projekten wird Schweinfurt als bevorzugter Standort in Erwägung gezogen.“

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Karl-Heinz Körblein
  • Autobranche
  • Betriebsräte
  • Klaus Rosenfeld
  • Norbert Lenhard
  • Produktion und Herstellung
  • Vorstandsvorsitzende
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!