SCHWEINFURT

Rückert radiert

Es ging ein Mann ins Syrerland, führt ein Kamel am Halfterband. Das Tier mit grimmigen Gebärden, urplötzlich anfing, scheu zu werden (...). So beginnt eine Parabel des berühmten Schweinfurter Dichters, Denkers und Orientalisten Friedrich Rückert.

Im Rahmen der Ausstellung „Rückert radiert“ im Rückertjahr 2016 hat sich die Künstlerin Felice Casper mit dem poetischen Text auseinander gesetzt und ihn illustriert. Farbenfroh zeigt ihre Radierung einen jungen Mann und sein Kamel - im Hintergrund ein Berberdorf. Gleich dreimal - in verschiedenen Farbvarianten - kann der Besucher sie bewundern. Die Künstlerin selbst ist eine Globetrotterin und war auch schon in Syrien und Jordanien auf Reisen. „Genauso wie auf meiner Radierung sehen die Dörfer dort wirklich aus“, erzählt die 77-Jährige.

17 Künstler stellen aus
Mit ihr stellen derzeit 16 weitere Künstler der Schweinfurter Radierwerkstatt ihre Radierungen bis zum 14. Juli im Museum Otto Schäfer aus. Es sind keine Illustrationen im klassischen Sinne, sondern Bilder, die die Stimmung einzelner Gedichte oder Textpassagen Rückerts einfangen, heißt es in der Einladung zur Ausstellung. So zum Beispiel aus Werken wie „Kindertotenlieder“, „Sieben Bücher Morgenländischer Sagen“, „Östliche Rosen“, „Liebesfrühling“ oder „Gedichte von Rom“.

Ein Porträt des Dichters nach dem Stahlstich von Carl Barth für den Deutschen Musenalmanach 1834 ergänzt die rund dreißig Arbeiten.

Ein großes Dankeschön an die Künstler gab es bei der Vernissage vom Vorsitzenden der Museumsstiftung, Otto G. Schäfer: „Sie haben nicht nur aus künstlerischer Hinsicht eine äußerst vielfältige Präsentation geschaffen, sondern sich der unterschiedlichsten Tiefdruck- und Mischtechniken bedient.“ So sind neben Farbradierungen, Weichgrundätzungen (Vernis mou), Strichätzungen und Kaltnadelradierungen auch Heliogravüren (ein fotografisches Edeldruckverfahren) sowie freie Arbeiten vertreten.

Dem Mangel an Illustrationen wird Abhilfe geschaffen
Dass es in Verbindung mit Friedrich Rückert nicht an Gedichten fehle, steht außer Zweifel, bemerkte der Historiker und Vorsitzende der Rückert-Gesellschaft, Rudolf Kreutner: „Etwa 25 000 davon sprechen nicht nur eine eigene, sondern sind fast schon eine eigene Sprache.“ Auch Kompositionen Rückertscher Gedichte gebe es an die 2000. „Bisher mangelte es aber an Illustrationen zu seinem Werk.“ Umso mehr freue es ihn, dass diesem Mangel nun Abhilfe geschaffen werden kann. Erstaunlich sei die Bandbreite der illustrierten Gedichte und Werke, würdigte Kreutner die Ausstellung.

Etwa 200 Besucher bei der Vernissage
An die 200 Besucher waren zur Vernissage gekommen und ließen sich gern von dem ein oder anderen Künstler in dessen Radierung entführen. So beschäftigte sich Joachim Greschner mit den Kindertotenliedern. Diese schrieb Rückert unter dem Eindruck des Todes seiner Kinder Luise und Ernst, die an Scharlach erkrankt waren. In vier nebeneinander aufgereihten Radierungen zeigt Greschner den Übergang vom Leben in den Tod, ein Irrlicht begleitet das Geschehen. Durch das Projekt habe er sich das erste Mal intensiv mit dem Werk Rückerts beschäftigt. „Nun habe ich einen ganz anderen Zugang zu seinen Texten“, sagt der 66 Jahre alte Künstler aus Werneck. Er war es auch, der bei der Organisation der Ausstellung als Ansprechpartner für Museumsleiter Georg Drescher diente.

Die Künstlerin Barbara Kuhn hingegen pflegt schon eine lange Beziehung zu Rückerts Werken. In ihren Radierungen „Farbvariationen“ beschäftigt sie sich mit Rückerts „Liebesfrühling“ und stellt die Liebe in einem Prozess dar: von der Hoffnung auf die große Liebe, der Leidenschaft und „dann das Abkühlen der Liebe über mehrere Jahrzehnte hinweg“.

Interessant die etwas abstrakte Darstellung der Liebe in Kreisen. „Die Liebe ist für mich rund, nicht eckig“, so die Künstlerin, die in Schwebheim wohnt. Ihre Mitstreiterin aus der Radierwerkstatt, Gisela Prager, wird mit ihrer Darstellung einer Rose eher konkret, was die Liebe angeht. „Rose, Meer und Sonne sind ein Bild der Liebsten mein, die mit ihrer Wonne, fasst mein ganzes Leben ein“, heißt es da auch bei Rückert ganz konkret.

Dauerausstellung ergänzt
Für die Ausstellung der Radierwerkstatt wurde zudem die Dauerausstellung „Druck, Schrift, Bild“ ergänzt, erklärt Otto G. Schäfer. „Und zwar um eine Auswahl aus der Dürersammlung, die mein Vater in knapp 50 Jahren zusammengetragen hat.“ Nicht nur alle drei Meisterstiche sind darin enthalten - auch Beispiele aller Drucktechniken, die der Nürnberger Meister beherrschte. Das sind neben dem Kupferstich und dem Holzschnitt auch die Kaltnadel- und Eisenradierung.

Die Ausstellung „Rückert radiert“ läuft bis zum 14. Juli 2016 im Museum Otto Schäfer. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 17 Uhr. Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 2 Euro.

Mehr Informationen gibt es unter:

www.MuseumOttoSchaefer.de

Radierwerkstatt

Die Schweinfurter Radierwerkstatt geht zurück auf eine Gruppe Kunstinteressierter um die iranische Künstlerin Eschrat Tellert (1928 bis 2006). Seit 1980 leitete sie 25 Jahre lang die Radiergruppe, - damals noch im Rahmen der Volkshochschule Schweinfurt. Heute nennt sich die freie Arbeitsgemeinschaft von siebzehn Künstlerinnen und Künstlern Schweinfurter Radierwerkstatt. Sie arbeiten in einer gemeinsamen Werkstatt mit ihrem Werkstattleiter Hans-Georg Schmidt und gehen doch ganz individuelle Wege der künstlerischen Umsetzung der Radiertechnik.

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