SCHWEINFURT

SKF: Prozesse verbessern statt Kündigungen

Viereinhalb Stunden hat – einschließlich der Unterbrechungen und Beratungen zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat – die höchst turbulente Betriebsversammlung bei der SKF GmbH am Montagmorgen in Schweinfurt gedauert. Dann erst war der Plan der Konzernzentrale in Göteborg, über mehrere Jahre hinweg ein Viertel der gut 4000 Arbeitsplätze in Schweinfurt abzubauen und gleichzeitig Löhne zu kappen, vom Tisch – vorerst zumindest.

Kippes: „Da war Thermik im Haus“

Darüber äußern sich einen Tag danach auf Anfrage Arbeitnehmervertreter sehr erleichtert. „Das waren ja furchterregende Zahlen“, sagt IG-Metall-Chef Peter Kippes über den vom Vorsitzenden der Geschäftsführung, Martin Johannsmann, angekündigten Personalabbau. Auch der Plan, zur Renditeverbesserung Lohnbestandteile zu kappen, hätte bei vielen ein Drittel des Entgelts ausgemacht. „Da war Thermik im Haus“, sagt Kippes. Johannsmann habe dies 2000 Beschäftigten erklären müssen.

„Total stolz“ ist Kippes, der ab Mittwoch auch dem SKF-Aufsichtsrat angehören wird, auf die Belegschaft. Es sei gut, dass sie sich gewehrt habe. Sie sei zwar aufgebracht gewesen, habe aber sachlich aufgezeigt, an wie vielen Stellen bei SKF Arbeitsprozesse optimiert werden könnten, um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Johannsmann habe er klar gesagt, wenn er 1000 Kollegen mit Entlassungen bedrohe, bedrohe er damit alle Beschäftigten.

Firsching: „Erfolg des Betriebsrats“

Gegen Mitarbeiter, die „seit Jahren der Hochkonjunktur rödeln wie die Bekloppten, einen Streit vom Zaun zu brechen, der ihre Existenz bedroht, ist unverantwortlich und fahrlässig“, sagt der IG-Metall-Chef. Das Ergebnis der Versammlung sei „ein großer Erfolg des Betriebsrats“. Der Arbeitgeber habe erkannt, dass seine Kündigungs- und Lohnkürzungspläne Folgen haben könnten, die er nicht mehr im Griff habe.

DGB-Regionsgeschäftsführer Frank Firsching ist „sehr froh, dass erst mal nach anderen Möglichkeiten gesucht wird, um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern“. Nicht von ungefähr habe der SKF-Betriebsratsvorsitzende Norbert Völkl bei seiner Rede zum Tag der Arbeit am 1. Mai betont, dass er von Schweinfurter Betrieben ein Bekenntnis zum Standort erwarte. Dass Göteborg mehr Produktivität und höhere Margen von SKF Schweinfurt erwarte, sei nicht neu. Der Konzern habe es aber der hiesigen Geschäftsführung überlassen, wie sie dieses Ziel erreichen will. Die Aussetzung von Kündigungen und Lohnkürzungen für ein Jahr sein ein großer Erfolg des Betriebsrats.

Hartlaub: „Die Leute werden gebraucht“

Auch Betriebsseelsorger Peter Hartlaub war bei der SKF-Betriebsversammlung zugegen und ist erleichter, „dass man sich Zeit verschafft hat, sich die Dinge in Ruhe anzuschauen“. Die Konjunktur sei gut, „die Leute werden gebraucht“. Wenn jetzt Angst vor Arbeitsplatzverlust umginge, führe das zu großer Unsicherheit und könnte bedeuten, dass sich Beschäftigte von SKF verabschieden.

Es sei richtig, über Maßnahmen nachzudenken, mit denen die Wirtschaftlichkeit verbessert werden könne, ohne betriebsbedingte Kündigungen oder Lohnkürzungen ins Auge zu fassen, sagt Hartlaub. Und: „Es wird noch viel Arbeit nötig sein, um die dunklen Wolken, die über dem Standort hängen, wieder zu vertreiben.“

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