OBERSCHWARZACH

Saitkick rockt das Schlossfoyer

Musste zwei Zugaben spielen: das starke Zupfensemble Saitkick mit (von links) Gast-E-Gitarrist Dominik Hahn, Julia Lubschik, Maximilian Zink, Katharina Blaurock, Moderator Benedikt Behringer, Dirigent Simon Krapf, Laura Nüßlein, Marco Götz, Heidi Siepak-Roth, Christian Hillenbrand und Sophia Kundmüller sowie (vorne) Mario Heilmann (Percussion). Foto: Guido Plener

Zum Auftakt seines als „Schlosstour“ titulierten Programms gastierte das Zupfensemble Saitkick in Oberschwarzach. Der Förderverein des Schlosses hatte dazu ins Foyer eingeladen. Vorsitzender Dietmar Herold stellte in seinen einführenden Worten das elf Musiker umfassende Orchester vor, das ohne Dirigenten auskommt.

Die Instrumente der Zupfmusiker, die sich einmal pro Woche in der Volkshochschule Gerolzhofen zur Probe treffen, sind insbesondere Mandolinen, die die Obertöne besonders hervorheben, Gitarren und E-Gitarren mit Metallica-Spielart. Sie werden gegebenenfalls durch Percussion und Querflöte ergänzt.

Gerade das breite Repertoire aus Klassik, Folklore und Pop bis Rock dokumentiert die besondere Leistung des Ensembles. Das letzte größere Konzert „North meets South“ in der Erlöserkirche Gerolzhofen war ein Höhepunkt im Kulturprogramm der Stadt.

Zu Beginn stimmten die Musiker ihr Publikum mit dem „Earth Song“ von Michael Jackson ein. In „Indian Summer“ weckten sie Emotionen, indem sie im einfühlsamen Saiten-spiel herbstliche Akzente setzten, wie etwa durch die musikalische Interpretation der Melancholie im Rückblick auf den vergangenen Sommer oder Naturerlebnisse wie das Fallen der Blätter, das durch den Einsatz von Percussion noch akzentuierter wirkte.

Im Anschluss folgte das Concerto Nr. 3 des schwedischen Komponisten Olof Näslund. Im Larghetto erzeugte Saitkick eine nachdenkliche Grundstimmung mit vielen akzentuierten Zwischentönen. Dabei zogen in den vier Sätzen vor allem die Gitarrensoli von Simon Krapf und Christian Hillenbrand die Zuhörer in ihren Bann. Sie führten zeitweise eine Art Dialog mit mitreißenden Allegros.

Moderator Benedikt Behringer erklärte dem Publikum die anschließend zu hörende Bearbeitung der ersten Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg auf das Schauspiel „Peer Gynt“ von Henrik Ibsen. Der Satz „Ases Tod“ malt eine traurige Stimmung, in „Anitras Tanz“ hingegen herrschen trippelnde, hüpfende Bewegungen in sinnvollen Tempovariationen vor. Verschiedene Untergruppen des Zupfensembles streuen zudem Rubati-Effekte ein. Einen fulminanten Schlusspunkt setzte das Ensemble, das den Ausflug der Hauptfigur ins mythische Reich der Trolle und Dämonen gekonnt interpretierte, mit dem Crescendo im letzten Satz „In der Halle des Bergkönigs“. Hier zeigte sich bei einigen voluminösen Klängen, Bässen und Halleffekten, dass das Schlossfoyer auch beim Einsatz von E-Gitarren eine hervorragende Akustik besitzt. Die Ensemblemitglieder Simon Krapf und Maximilian Zink hatten die Sätze der Suite arrangiert.

Während der 30-minütigen Pause lud der Förderverein zu einem kleinen Imbiss im Eingangsbereich ein. Im zweiten Teil des Konzertes standen folkloristische Töne im Vordergrund. Die Mandolinen und Gitarren verbreiteten zunächst mit der „Rumba Flamenca“ südamerikanisches Flair. Nun folgte „Down by Sallys Garden“, ein irischer Folk-Song, der sehr lebhaft gespielt wurde.

In den fünf Sätzen von „Tänkeplatsen“, auf Deutsch Denkmal, von Olof Näslund, die Unheimliches, Futuristisches erzählten, brillierten die Zupfmusiker mit perfekten Anschlägen. Sie zogen die Zuhörer mit schillernden, teilweise perlenden Tönen in ihren Bann. Im letzten Satz löste sich die Spannung auf, die Mandolinen traten vor die Bassgitarre.

Saitkick wechselte zu russischer Folklore. In „Taiga“ wurde ein Naturerlebnis mit Klängen ähnlich einer Balalaika zum Ausdruck gebracht, in „Ziganka“ ertönten feurige, sich im Tempo steigernde Zigeunerweisen.

Es folgte erneut ein Ausflug nach Südamerika. Das Volkslied „El arbol y la hoja“ (Der Baum und das Blatt) aus Peru wurde mit Unterstützung der Querflötistin Katharina Blaurock sehr stimmungsvoll und überzeugend vorgetragen, mit wechselnden Einsätzen und Trommelklängen.

Jetzt wurde es rockig. Dominik Hahn ergänzte mit der E-Gitarre das Ensemble beim letzten Song „Evil ways“, einem Latino-Rockstück von Sonny Henry, bekannt gemacht von Santana. Sehr fetzig steuerten die Musiker auf das Finale zu, und wurden durch das rhythmische Klatschen der Zuhörer angetrieben, ihr Crescendo aufzubauen. Harte Beats und Riffs von Benedikt Behringer auf der E-Gitarre sowie die Trommel als Gegenpol wirkten imposant. Das Foyer bebte beim Schlussakkord. Nach lang anhaltendem, donnerndem Applaus forderte das Publikum eine Zugabe. Die Gruppe spielte das Stück „Peter Gunn“ aus „Blues Brothers“, getragen durch den E-Bass von Christian Hillenbrand. Als zweite Zugabe folgte der „Cancan“ von Jacques Offenbach.

Jeder, der heute ins Schlossfoyer nach Oberschwarzach gekommen war, bereute seinen Weg nicht, denn er hatte ein Zupfensemblekonzert auf höchstem Niveau erlebt.

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