SCHONUNGEN

Sattler-Altlast: Das Gift ist raus

Am Mittwoch hat sich in der Schonunger Sattler-Straße der riesige Bohrer ein letztes Mal in den Boden gefressen und die letzten Kilogramm mit Schwermetallen verseuchter Erde gehoben. 15 Jahre nach ihrer Entdeckung ist damit die Altlast Geschichte. Die Bauarbeiten gehen bis mindestens Herbst weiter. Dann soll das Areal ein schmuckes Wohngebiet sein.

"Ohne großes Aufsehen", so das Landratsamt in einer Mitteilung, ist am Mittwoch um 10.30 Uhr die letzte Bohrung vorgenommen worden. Beobachtet nur von den Mitarbeitern der Bauunternehmen und einigen Anwohnern. Damit sei der Austausch des Bodens sechs Wochen früher beendet worden als geplant. Insgesamt sind rund 166 000 Tonnen belastetes Erdreich ausgehoben worden, davon allein in den vergangenen Monaten im Bereich des mit einem doppelten Altlastenschaden belegten Areals der ehemaligen chemischen Reinigung rund 21 000 Tonnen.
 
Derzeit wird laut Landratsamt das Großbohrgerät abgebaut, um es für den nächsten Einsatz abzutransportieren. In den nächsten Wochen soll auch die weiterhin sichtbare, große Grundwasserreinigungsanlage verschwinden.

In den nächsten etwa fünf Monaten sollen die abschließenden Baumaßnahmen stattfinden, so zum Beispiel die städtebauliche Neugestaltung. Ebenso sollen weitere Arbeiten erledigt werden, die der Altlastensanierung nachlaufen, wie die abschließenden Vermessungen. Mit dem Bauende rechnet das Landratsamt Ende September.
 
Landrat Florian Töpper freute sich über die „letzte Bohrung“. Sein Dank gelte insbesondere den Anwohnern, die zum Wohle aller die teilweise nicht einfache Situation mit Belastungen durch Lärm und Erschütterungen, aber auch vielfältigen Verkehrsbeeinträchtigungen mitgetragen hätten. Der Landrat würdigte aber auch die Mitarbeiter der Baufirmen.

Die Verseuchung in Schonungen stammte aus der Farbenproduktion von Wilhelm Sattler im 19. und 20. Jahrhundert. Auf dem ehemaligen Fabrikgelände sind danach Wohnhäuser gebaut worden. Bis 2000 wusste man nicht, dass die Erde mit Arsen, Blei und anderen Giften durchsetzt ist. Die aufwändige Sanierung war daher notwendig. Dazu wurden mit einem Großbohrer metertief Erde geborgen und die Löcher mit frischem Boden verfüllt. Im Zuge der Sanierung mussten sechs Wohnhäuser weichen, nur eines wird wieder neu gebaut. Wenn das Gelände nun auch offiziell für altlastenfrei erklärt wird, erhalten auch die Grundstücke ihren Wert zurück.

Die Gemeinde hat die Sanierung auch dazu genutzt, das Areal an der Sattler- und Werlingstraße städtebaulich umzugestalten. Unter anderem ist das Flüsschen Steinach weitgehend von seinen Betonmauern befreit worden; ein Seniorenheim, das Bürgermeister Stefan Rottmann auf der Agenda hat, soll den Bereich zusätzlich attraktiv machen.

Für den Städtebau erhält die Kommune EU-Fördermittel. Um sie zu bekommen, muss der Umbau bis Jahresende 2015 beendet sein, sonst verfallen die Ansprüche. Deswegen stand das Großprojekt von Beginn an unter großem Zeitdruck. Trotz verschiedener Schwierigkeiten scheint das Bauende in diesem Jahr nicht gefährdet zu sein.

Ganz vorbei ist die Altlast-Zeit dennoch nicht. Grundstücke, die nur schwach belastet sind, werden im so genannten "Monitoring" in den nächsten Jahren beobachtet. Auch eine Grundwasserreinigungsanlage bleibt in Betrieb.

 

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