SCHWEINFURT

Schädlingsbekämpfung: Hubschrauber verspritzen Insektengift

Raupe des Schwammspinners
Eine nahezu ausgewachsene Raupe eines Schwammspinners krabbelt auf einem Blatt. Foto: Landesanstalt für Wald und Forst

An diesem Freitag steigen Hubschrauber auf über dem westlichen Landkreis Schweinfurt. An Bord haben sie Tanks mit Insektengift. Der Grund: In der Region droht Eichenwäldern erneut der Kahlfraß durch Schwammspinnerraupen. Daher will die Bayerische Forstverwaltung in Unter- und Mittelfranken etwa 1400 Hektar Eichenwälder mit einem Pflanzenschutzmittel besprühen – eine Fläche so groß wie 2000 Fußballfelder. Zuerst im Landkreis Schweinfurt, später auch in den Landkreisen Haßberge, Kitzingen, Würzburg und im mittelfränkischen Neustadt an der Aisch.

Zum Einsatz kommt dabei Mimic, ein Pflanzenschutzmittel, das bislang nur im Obst- und Weinbau eingesetzt wurde, wie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt mitteilt. Bei passenden Witterungsverhältnissen ohne Regen und bei Windruhe dauere die Bespritzung laut der Behörde voraussichtlich zwei bis drei Tage. Doch es formiert sich Widerstand.

BN: „Letztendlich werden alle Insekten getötet“

Der Bund Naturschutz (BN) kritisiert die Pläne und fordert „die Begiftung der artenreichen Eichenwälder auszusetzen, weil sie nicht notwendig ist, aber in der Natur großen Schaden anrichtet“, so die Naturschützer. Das Mittel unterscheide nicht zwischen Schädling und Nützling. „Letztendlich werden so alle Insekten getötet“, sagt Steffen Jodl, Geschäftsführer des BN in Würzburg. Auch Tiere, die Insekten fressen, bekämen die Auswirkungen solch einer Bespritzung zu spüren, weil ihr Nahrungsangebot verschwinde. „Das ist vor allem für die Vögel verheerend, denn ihnen fehlt es dann an Nahrung.“

Die Raupe eines Schwammspinners beim Laubfraß. Foto: Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft widerspricht: Aus Sicht der Behörde ist eine Bekämpfung des Schwammspinners „unverzichtbar“, so Vizepräsident Kurt Amereller. Denn es drohe ein „nicht nur einmaliger Kahlfraß der Eichenbestände“ und dann „wäre ein flächiges Absterben von Eichenbeständen in den Folgejahren mit höchster Wahrscheinlichkeit zu erwarten“. Dies hätte nicht nur eine massive Beeinträchtigung der Interessen der Waldbesitzer zur Folge, so Amereller: Die Schädlingsbekämpfung diene auch dem Erhalt der Eichenwälder „als Lebensgrundlage zahlreicher geschützter Arten“.

Der BN hält mit einem Beispiel dagegen: Im Landkreis Neustadt an der Aisch gebe es einen Wald, der 1993 vom Schwammspinner kahlgefressen, aber damals von der Behandlung mit Insektengift auf Initiative des Waldbesitzers ausgenommen wurde, so der BN. „Trotz anderslautender Prognosen ist dieser Eichenwald aber nicht abgestorben“, erklärt Jodl.

Mehrere Sprühaktionen für kommende Woche geplant

Der Schaden, den der Schwammspinner anrichtet, wird durch die Raupen verursacht. Raupen bleiben nach dem Schlupf erst einige Tage in Nähe des Nestes oder Schwammes. Danach beginnen sie, in die Baumkronen zu ziehen, wo sie anfangs in junge Blätter Löcher fressen. Mit zunehmendem Alter und Größe verzehren sie die Blätter nahezu vollständig. „Viele der geschädigten Bäume ergrünen wieder, wenn die Raupen Ende Juni den Fraß einstellen“, erklärt Jodl. Nur vereinzelt würden insbesondere Eichen sterben.

Die Behörden bleiben unterdessen bei ihrem Plan, betroffene Wälder per Hubschrauber mit Mimic zu besprühen. Nach der Aktion im Landkreis Schweinfurt soll es am Montag – wenn das Wetter mitspielt – im Landkreis Würzburg weitergehen. In den Bereichen Ochsenfurt, Frickenhausen, Sulzfeld und Kirchheim sollen 95 Hektar Wald besprüht werden. Kommende Woche stehen neben Gebieten um Riedbach und Hofheim (Lkr. Haßberge) auch 30 Hektar Waldfläche um Kaltensondheim und Biebelried (beide Lkr. Kitzingen) auf dem Programm. Ab 4. Mai ist zudem im Bereich des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Uffenheim die Bekämpfung des Schwammspinners im Bereich Sugenheim und Bad Windsheim (beide Lkr. Neustadt an der Aisch) vorgesehen. Betroffen sind hier insgesamt rund 400 Hektar Waldfläche.

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