Schweinfurt

Schicksalhafte Vergänglichkeit

Ein opulenter Abend mit Musik von Peter Tschaikowsky, mit Romeo und Julia, der Schicksalssymphonie und Bildern des Fotografen Tobias Melle
Carlos Dominguez-Nieto dirigierte die Philharmonie Südwestfalen im Theater Schweinfurt. Foto: Tobias Melle

Was Carlos Domínguez-Nieto veranlasst hatte, zu Beginn seines Konzertabends mit der Philharmonie Südwestfalen im Theater Schweinfurt einen Ersatztaktstock auf dem ersten Cellopult zu deponieren, erklärte sich schnell: Nach kurzen Eindrücken konnte man den Schluss ziehen, dass der jugendlich ungestüm auftretende spanische Dirigent aufgrund seiner exaltierten Bewegungsfreude wohl seine Erfahrungen gemacht haben musste. Das Geländer am Dirigentenpodest machte jedenfalls Sinn.

Ein opulenter Abend mit Musik von Peter Tschaikowsky, mit Romeo und Julia, der Schicksalssymphonie, dazu eine reichhaltige "Symphonie in Bildern" des Fotografen und Musikers Tobias Melle – dass dennoch viele Plätze im Theater frei blieben, ist schwer zu begreifen. Melle jedenfalls kann sich an die Fahnen heften, auch Menschen für seine Projekte zu begeistern, die nicht unbedingt zum klassisch-traditionellen Konzertpublikum zählen.

Er verbindet klassische Musik und Fotografie, verschmilzt seine visuellen Impressionen mit live gespieltem sinfonischem Geschehen auf der Bühne. Diesmal also Tschaikowskys Symphonie Nr. 5 e-Moll, die "Schicksalssymphonie". Die Fotos für seine Projektion auf eine Großleinwand hat Melle im europäischen Teil von Russland aufgenommen; so wird der Abend quasi zur Interpretation eines Landes.

Impressionen aus Moskau und Sankt Petersburg

Über dem gesamten Verlauf hängt die Botschaft einer fragilen und schicksalhaften Vergänglichkeit: Egal ob Mensch oder Natur, ob Prunk und Protz, Pracht-, Nutz- oder Industriebauten, alles wird den Lauf aller Dinge gehen. Melle zeigt Impressionen aus Moskau und Sankt Petersburg, die Holzkirche auf Kishi in Karelien, die Mutter-Heimat-Statue in Wolgograd, einen Soldatenfriedhof und "Stalinfingerhäuser". Klöster und Kirchen dürfen ebenso nicht fehlen wie die Verbindung der grazil-eleganten Musik des Allegro moderato mit dem goldenen, durchaus auch bröckelnden Glanz von Palästen, dann wieder von Panzern mit der heroisch auftrumpfenden Musik des Finalsatzes.

Tobias Melles Umsetzung der Musik ist nachvollziehbar und angenehm zu verfolgen. Bei all den vielfältigen visuellen Eindrücken könnte man leicht in Gefahr geraten, dem Orchester zu wenig differenzierte Aufmerksamkeit zu schenken. Die Philharmonie Südwestfalen liefert an diesem Abend eine solide Leistung, auch bei Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüre nach Shakespeare "Romeo und Julia" zur Eröffnung.

Vor allem auf die lyrische Komponente legten Musiker und Dirigent großen Wert, aber auch die schwelgerisch-romantischen Bestandteile wussten sie exzessiv zu nehmen. Manch flotten Streicherlauf hat man allerdings schon klarer und präziser gehört, einen Alleingang bei den 1. Violinen konnte der Dirigent einfangen, der Finalsatz der Symphonie hätte insgesamt weniger Oberflächlichkeit verdient gehabt. Als Gesamteindruck des Abends bleibt der einer niveauvollen Unterhaltung.      

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