SCHWEINFURT

Schlangen, Schleier, Kulleraugen

Schlangenbeschwörung: Rückerts Orient in Tanz und Ton lieferte die Tanzgruppe des Kulturvereins „PakBann“ in der Rathausdiele. Foto: Elke Tober-Vogt

War das spannend: Gebannt und atemlos starrten die Besucher in der Rathausdiele auf die Dame in leuchtendem Gelb, unter deren Kopfschleier sich tatsächlich eine lebende Boa schlängelte. Unter beschwörenden Bewegungen entnahm Sohira von der pakistanischen Tanz- und Theatergruppe des Kulturvereins „PakBann“ aus Frankfurt ihrem Korb eine zweite, um sich anschließend in einem orientalischen Tanz durch akrobatische Bewegungen mit beiden zu verwinden. Ein mutiger Zuschauer durfte schließlich alles wieder entwirren - ein opulenter Höhepunkt der Veranstaltung „Rückerts Orient von damals bis heute, in Tanz und Ton“.

Bürgermeisterin Sorya Lippert als profunde Kennerin ihres Heimatlandes Pakistan war geradezu prädestiniert, abwechselnd mit Amir und Salma Mansoor durchs Programm zu führen. Neben kleinen Informationen über Sprache, Geschichte, Traditionen und Kultur des Landes lieferte sie auch einige der Rückertschen Gedicht-Übersetzungen. Als Koranübersetzer und Orientalist habe dieser, so Lippert, „Die Poesie der Völker“ erkannt.

Mit den Trommelinstrumenten Tabla und Dholak, dazu dem indischen Harmonium und Gesang gestaltete eine kleine Musikgruppe den musikalischen Teil des Abends. Während der erste Liedbeitrag von Melodik und Fluss her noch an das Palästinalied von Walther von der Vogelweide erinnert hatte, entwickelten sich im weiteren Verlauf charakteristische orientalische Klänge, mit vielen Schnörkeln und feiner Rhythmik. Entweder über einem Bordun oder um einen Grundton kreisend konnten sich ausdrucksstarke, schön und klar gesungene Abläufe entfalten. Über die Inhalte der Lieder erfuhr man leider nichts; es blieb dem Hörer überlassen, Stimmungen aufzunehmen und zu interpretieren.

Sieben Tänzerinnen und ein Tänzer präsentierten dazwischen eine bühnenstarke Show: Modernere Poptitel mit Seitenblick nach Bollywood wechselten mit traditionellen Tänzen aus den vier Provinzen Pakistans und semiklassischem Tanz. Streckenweise wehte ein leichter Hauch der Improvisation durch den Saal, was dem Augenschmaus jedoch keinen Abbruch tat. Gold- und silberglänzende, prächtige Gewänder gab es zu bewundern, in bunte Borten eingearbeitete Spiegelplättchen, Tücher in leuchtenden Farben.

Lebensfrohe, strahlende Kulleraugen, hier ein koketter Blick, dort eine schwingende Hüftbewegung, wirbelnde Drehungen, elegante Finger- und Handbewegungen: Amir und Salma Mansoors Tanztruppe wurde dem gerecht, was Sorya Lippert als „mystisches Element des indisch geprägten Islam“ bezeichnet hatte: die immerwährende Verehrung Gottes in Tanz, Musik und Kunst. Auch hier gab es lediglich ein paar Hinweise auf charakteristische Kleidung und Schmuck der Provinzen, wenig jedoch über die Tänze - schade, denn die Eindrücke hätten sich dadurch verstärkt. Starkem Applaus für „PakBann“ folgte ein großes syrisches Buffet zur Abrundung eines stimmungsvollen Abends. Elke Tober-Vogt

Eine kunstvolle Kulturbrücke zwischen zwei Ländern: Rückerts Orient in Tanz und Ton lieferte die Tanzgruppe des Kulturvereins „PakBann“ in der Rathausdiele. Foto: Elke Tober-Vogt
Eine kunstvolle Kulturbrücke zwischen zwei Ländern: Rückerts Orient in Tanz und Ton lieferte die Tanzgruppe des Kulturvereins „PakBann“ in der Rathausdiele. Foto: Elke Tober-Vogt

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