Schonungen

Schloss Mainberg: Bausünden am "architektonischen Kartenhaus"

Das Dachstuhl-Trio ist instabil: Architekt Friedrich Staib erläuterte die Schäden hinter den Stufengiebeln der Hauptburg. Foto: Uwe Eichler

"Bei Schloss Mainberg ist es nicht fünf vor Zwölf, sondern schon eine Sekunde nach Zwölf": Bei der Infoveranstaltung über die Notsicherung des "Neuschwansteins Frankens" wiederholte Friedrich Staib, Architekt aus Sommerhausen, ein früheres Bonmot. Rund 130 Besucher kamen auf Einladung des Landratsamts ins Schonunger Pfarrheim.

Bevor die Abstützung eingebaut wurde, zeigte auch die Vorburg deutliche Risse. Foto: Büro Friedrich Staib

Man wolle längerfristig mehr als nur die Gebäude-Sicherung betreiben, stellte Bürgermeister Stefan Rottmann zur Begrüßung fest. Es sei wichtig, dass das (in Privatbesitz befindliche) Schloss "eine Perspektive und eine Nutzung" bekomme. Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) sieht im Erhalt nicht nur eine Aufgabe der Gemeinde Schonungen: "Das betrifft uns alle in der Region Schweinfurt." Seit fast 15 Jahren sei die Politik mit dieser "einmaligen Situation" befasst, es gehe bislang um fast zwei Millionen Euro staatlicher Gelder.

Es krankt an vielen Stellen

Landrat Florian Töpper (SPD) sprach vom Erhalt als einer echten Herzensangelegenheit, und forderte die Akteure auf, "das zu schützen, was schützenswert ist". Stellvertreterin Christine Bender stand am Eingang und verteilte Werbematerial für den Förderverein. Gerade eben hat Kultus-Minister Bernd Sibler  910 000 Euro aus dem bayerischen Entschädigungsfonds in Aussicht gestellt, nach einer ersten Stütze von 700 000 Euro vor zwei Jahren.

Wollen zusammen Schloss Mainberg vor dem Verfall retten: Innenstaatssekretär Gerhard Eck, Architekt Friedrich Staib sowi... Foto: Uwe Eichler

"Wo krankts?" Das wollte Architekt Staib wissen, als er sich den "Patienten Schloss Mainberg" angeguckt hat. Laut seinem Vortrag krankt es an vielen Stellen. Schon in der Vorburg drohen Wände aufgrund von Rissen einzustürzen. Sie werden jetzt abgestützt. Im Laufe der Geschichte haben sich weitere Bausünden angesammelt. Los ging es mit Gräfin Margarete von Henneberg, die in den 1480er Jahren eine alte Burg kurzerhand zum Schloss umbaute, im heutigen, luftigen Dreigiebel-Look. Von nachfolgenden Generationen wurde ähnlich sorglos losgemörtelt und zugemauert. An manchen Stellen entstand ein architektonisches "Kartenhaus" (Staib). An der Südseite etwa habe sich ein Turmrest hinter einer bröseligen Mauer versteckt, die nur als Blende vorgesetzt worden war. Die frühen Ansichten, auf einer Karte von 1570 sowie auf dem Kupferstich von 1648, sind Anhaltspunkte, wie der Prachtbau einmal ausgesehen hat. Zu den späteren Besitzern zählten auch die Industriellen Wilhelm Sattler und Ernst Sachs.

Eingebaute Notsicherung im "Dachgraben" zwischen Haus 2 und 3. Foto: Büro Friedrich Staib

Den aktuellen Zustand "einfrieren"

Den aktuellen Zustand "einfrieren", darum geht es dem Experten, der gerade mit dem Häuser-Trio der Hauptburg befasst ist: wo es das Schloss durch ungünstige Statik regelrecht zu "zerreißen" drohe. Bei den Umbauten im Inneren sei einfach eine Wand über die andere gestellt worden, ohne Rücksicht auf die Grundrisse der Geschosse, die oft nicht mehr deckungsgleich sind: "Niemand hat sich so richtig mit dem Skelett des Patienten beschäftigt." Von oben geben gleichzeitig die morschen Dachbalken nach und ihre Last ans Mauerwerk weiter, über wertvollen Gemächern. So am zuerst gesicherten Haus 3, an der Main – oder Südseite. Als das "Bischofszimmer" darunter geschaffen wurde, habe sich keiner um die verfaulte alte Decke gekümmert, moniert Staib. Da die Geschosse darunter statisch unzuverlässig sind, konnte die Last nicht einfach mit Stempeln abgefangen werden: Der Architekt behalf sich mit einem "Hängewerk" im Dachgeschoss. Der Eckturm unterm Stufengiebel hatte bereits begonnen, sich zu spalten.

Statisches Harakiri

Aktuell ist beim "Grabendach" der Dachstuhl des mittleren Hauses 2 an der Reihe: "Statisches Harakiri" nennt Staib die zwischen Nachbardächern eingeklemmte Konstruktion, die sich in den letzten 450 Jahren um 25 Zentimenter abgesenkt hat. Das Dach lag nicht richtig auf, und wurde notgesichert.  Feuchtigkeit drang von oben ins Mauerwerk ein, demnächst wird abgedichtet. Eine "Sisyphusarbeit", sagt der Architekt, eine Situation führe zu nächsten. Als Berufskollege Franz Rank Anfang des 20.Jahrhunderts das Schloss für Ernst Sachs umgestaltete, ging es mehr um späthistoristische Opulenz als um historische Beständigkeit. Zwischen Haus 2 (Mitte) und Haus 1 (Nordseite) wurde eine Balustrade unter die Decke geklemmt, für eine Musikkapelle: "Sieht wunderbar aus - statisch ist es eine Katastrophe"

Die Vorburg wurde abgestützt. Foto: Büro Friedrich Staib

Wenn etwas einfällt, dann fällt es weit

Die Altane an der Mainseite und manch Nebendach sind schadhaft. Dazu kommen große Risse in der nördlichen Außenwand, wo wieder einfach nur eine neue Mauer vor die alte gesetzt worden ist, ohne richtige Gründung: wohinein das Dach von Haus 1 "rutscht". Man rede, im Falle eines Einsturzes, von Wänden so hoch wie ein Kirchturm, warnte der Fachmann: "Das fällt dann weit." Im nächsten Jahr soll dieser Bereich stabilisiert werden. "Wir haben nur Notsicherung", meinte Staib in der Debatte, bei einer Nachfrage zur künftigen Nutzung (die noch unklar ist). Erst wenn 2020 das aktuelle Paket abgearbeitet ist, werde über kommende Maßnahmen entschieden werden. Auch die Gesamtkosten seien offen, sagte Staib: "Dass es weitergeht, weiß ich auch."

Auch an Haus 3 nagte sichtlich der Zahn der Jahrhunderte.  Foto: Büro Friedrich Staib
Den kleinen Eckturm von Haus 3 drohte es regelrecht zu spalten.  Foto: Büro Friedrich Staib

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