Obbach

Schlossgut Obbach: Beispiel für Wertschöpfung in der Region

Die halbautomatische Absackung an der Getreideaufbereitungsanlage des Schlossguts Obbach demonstrierte Betriebsleiter Bernhard Schreyer den bayerischen Öko-Modellregion-Managern. Foto: Silvia Eidel

Es sind die ideenreichen und begeisterten Menschen, die in den 27 bayerischen Öko-Modellregionen etwas bewegen wollen. Ganz im Sinne der bayerischen Staatsregierung, die die steigende Nachfrage nach Bioprodukten stärker aus heimischer Erzeugung gedeckt sehen will. Weshalb sie die Modellregionen auch fördert und die Projektmanager in ihrer Arbeit begleitet. Diese holten sich bei ihrem jüngsten bayernweiten Treffen in Werneck auch Impulse aus der Arbeit am Biobetrieb des Schlossguts Obbach.

In zwei Wettbewerben waren 2013 und 2014 zusammen zwölf Gemeindeverbünde in Bayern zu staatlich anerkannten Öko-Modellregionen (ÖMR) erkoren worden, darunter auch die Allianz Oberes Werntal. Im Mai dieses Jahres kamen 15 weitere Regionen hinzu, um das Staatsziel – eine Verdoppelung der Bio-Produktion in Bayern bis 2020 – annähernd zu erreichen.

Zahlen aus dem Oberen Werntal zeigen: Zwischen 2016 und 2019 stieg der Anteil ökologisch wirtschaftender Betriebe von 9,5 auf 14,8 Prozent. Aktuell gibt es dort 60 Öko-Betriebe, die 20,7 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche bewirtschaften.

Bewusstsein der Verbraucher für heimische Lebensmittel stärken

Die 27 bayerischen ÖMRs belegen inzwischen ein Drittel der Fläche des Freistaats. Bei den jährlichen Treffen der Projektmanager, koordiniert durch Katharina Niemeyer vom Bereich Zentrale Aufgaben (BZA) und Christian Novak von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), werden der Austausch gefördert und Lösungsansätze für Projekte gezeigt. Auch über aktuelle Themen aus der Öko-Branche wird informiert. Cordula Rutz von der Landesvereinigung für den Ökologischen Landbau (LÖV), berichtete in Werneck unter anderem auch über die Umsetzung des Bienen-Volksbegehrens.

Zwar ist jede Öko-Modellregion anders und die Bandbreite an Projekten groß: von der Streuobst-Wertschätzung im Oberen Werntal über die Vermarktung von Bio-Weidefleisch im Miesbacher Oberland bis zum Bio-Bier aus heimischer Braugerste am Waginger See oder die Öko-Milch-Verwertung im Ostallgäu. "Aber die Fragen, etwa wie das Bewusstsein der Verbraucher für regionale Kreisläufe und heimische Lebensmittel gestärkt werden kann, sind überall die gleichen", weiß Niemeyer. Oder wie die biologische Landwirtschaft auch für konventionelle Landwirte attraktiver werden und ihnen eine Perspektive bieten kann.

Mit dem Umbau des Kuhstalls zum Getreidelager sowie dem Neubau einer Getreideaufbereitungsanlage tätigte das Schlossgut ... Foto: Silvia Eidel

Wie eine Vernetzung der Akteure – Erzeuger, Verarbeiter, Verbraucher – gelingt und die Wertschöpfung in der Region bleibt, erläuterte am Schlossgut Obbach das Betriebsleiterehepaar Bernhard Schreyer und Petra Sandjohann den alten und neuen ÖMR-Managern. Die 2018 eröffnete Aufbereitungsanlage mit Lager für Bio-Getreide ermöglicht unter anderem die Zusammenarbeit mit "Zwergenwiese Naturkost". Für das Unternehmen in Norddeutschland baut das Schlossgut Bio-Schälsonnenblumen an. Bislang kommen diese ausschließlich aus Osteuropa und China. Weil auch 35 weitere Bio-Landwirte, überwiegend aus der Region, die Trockenheit liebende Frucht mittlerweile produzieren und in Obbach aufbereiten lassen können, wird jetzt der Bedarf an Schälsonnenblumen hier in der niederschlagsarmen Region gedeckt.

Für den Erfolg des Hofladens am Schlossgut als Teil der Wertschöpfungskette spricht laut Petra Sandjohann zum einen die lange tägliche Öffnungszeit von 8 bis 20 Uhr mit Selbstbedienung. "Das Vertrauen in die Ehrlichkeit der Kunden ist dabei noch nie enttäuscht worden", berichtete die Landwirtin.

In der Aufbereitungsanlage für Bio-Getreide am Schlossgut Obbach informierten die Betriebsleiter Bernhard Schreyer und P... Foto: Silvia Eidel

Zum anderen lockt ein breites und teils exotisches Angebot die Kunden: etwa Aprikosen aus eigenem Anbau oder das eigens gebraute Bio-"Guts Bier" in Kooperation mit regionaler Mälzerei und Brauerei oder der spritzige Apfel-Cider oder selbst erzeugte, unverpackte Kichererbsen und Belugalinsen. "Jedes Jahr ein bis drei neue eigene Produkte" ist das Ziel des Hofladens, der auch mit heimischen Bio-Gärtnern, -Bäckern und -Imkern kooperiert.

Nicht nur der Ideenreichtum am Schlossgut und die Vernetzung innerhalb der Ökomodellregion begeisterten die bayerischen Besucher. Es war "die Aufbruchsatmosphäre", wie es Marlene Berger-Stöckl von der ÖMR Waginger See-Rupertiwinkel ausdrückte. "Man muss die Leute zeitgemäß ansprechen", sagte sie. "Der Erfolg basiert auf guten Beziehungen zwischen den Menschen und auf einem Umgang auf Augenhöhe", resümierte Florian Timmermann von der ÖMR Ostallgäu für sich.

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