SCHWEINFURT

Schöne Füße – ein Geschenk der Natur

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Hallux valgus: Meist hilft nur eine Operation. Foto: Thinkstock

Die Füße? Die laufen so mit. Denken wir. Bis die Füße eines Tages erkranken und mit Einschränkungen und Schmerzen gegen ihre oft stiefmütterliche Behandlung protestieren.

Dr. Matthias Blanke, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Leopoldina-Krankenhauses, warb deshalb mit einem Goethe-Zitat für eine höhere Wertschätzung unserer Füße: „Ein schöner Fuß ist ein großes Geschenk der Natur.“ Blanke behandelte im zweiten Teil seines Leo-Seminars das Thema „Moderne Fußchirurgie“.

Als Fußzentrum zertifiziert

Nicht ohne Stolz erwähnt der Chefarzt, dass seine Klinik es Anfang des Jahres geschafft habe, von 27 Krankenhäusern in Deutschland das Zertifikat zum Fußzentrum zu erhalten. Dies sei nur durch entsprechend hohe Fallzahlen an operativen Eingriffen im Fußbereich sowie durch hohe Qualifikation seiner Mitarbeiter möglich gewesen.

Er sei mit seinen Oberärzten regelmäßig Gast bei renommierten Fußchirurgien im In- und Ausland, um neueste Methoden wie die minimal invasive Fußchirurgie weiter zu erlernen und sie im Leopoldina zu etablieren. Seit 2015 ist die Klinik auch als Endoprothetik-Zentrum zertifiziert.

Häufig: Hallux valgus

Die häufigste und bedeutendste Zehenfehlstellung ist der so genannte „Hallux valgus“, die Abweichung der Großzehe in Richtung der anderen Zehen. Dabei tritt der Großzehenballen am Fußinnenrand deutlich hervor. Dort können sich schmerzhafte Schleimbeutelentzündungen bilden, verursacht durch den Schuhschaft. Etwa 12,5 Prozent der deutschen Bevölkerung leidet an Hallux valgus, Frauen sind viermal so oft betroffen wie Männer. Als Hauptursache gilt ein Spreizfuß, weiter nennt Blanke falsches Schuhwerk. Ab einer gewissen Abweichung verstärken die Beugesehnen noch diese Fehlstellung.

Ein Blick des Arztes genügt eigentlich zur Diagnose, Röntgenbilder im Stand bestätigen sie. Da Schienen, Bandagen und Einlagen meist nur zu einer kurzfristigen Besserung führen, kann eine dauerhafte Heilung nur durch eine Operation erreicht werden. Blanke erläutert verschiedene Verfahren, beschreibt dann die von ihm und seinem Team gern praktizierte innovative Operationsmethode nach dem Wiener Orthopäden Dr. med. Rudolf Stoffella.

Bei der Stoffella-Operation werden die Kräfte, die bei der Belastung des operierten Fußes auftreten, zur Stabilisierung der Knochenverbindung eingesetzt. Dazu wurde ein minimal invasives Implantat zur elastischen inneren Schienung entwickelt. Die Methode erlaubt eine frühzeitige volle Belastung im Konfektionsschuh theoretisch direkt am Tag nach der Operation, in der Regel spätestens 14 Tage danach. Die Belastung des Fußes ist ein Teil der Nachbehandlung, zu der auch Bewegungsübungen und Hochlagerung des Fußes gehören. Bei traditionellen Operationsmethoden muss für sechs Wochen ein Vorfuß-Entlastungsschuh getragen werden.

Hammer- und Krallenzehen

Bei Hammer- und Krallenzehen handelt es sich um Fehlstellungen, von der meist die zweite bis vierte Zehe betroffen ist. Ursachen: Das Tragen von zu engen oder zu kleinen Schuhen mit hohem Absatz, Spreizfüße, genetische Veranlagung. Meist ist ein Hammer- oder Krallenzeh schmerzlos, erst bei Fortschreitung bilden sich extrem schmerzhafte Druckstellen (Hühneraugen). Auch hier erläutert Blanke konservative und operative Therapiemöglichkeiten.

Der „Hallux rigidus“ ist die Bezeichnung für den Gelenkverschleiß (Arthrose) des Großzehengelenks, der zu einer zunehmenden und schmerzhaften Versteifung des Gelenks führen kann. Dabei ist die Großzehe die entscheidende Struktur zur Abrollbewegung des Fußes. Dieses Abrollen ist jetzt schmerzhaft, die Schmerzen können bis in den Unterschenkel ziehen. Blanke beschreibt Abhilfe durch Schuhzurichtungen, erwähnt Möglichkeiten durch Operation und rät zur Vorsicht bei der Implantation eines künstlichen Großzehen-Grundgelenks. Hier seien die Langzeitresultate eher enttäuschend, die Haltbarkeit von 15 bis 20 Jahren wie bei einem Kniegelenk könne man nicht in Aussicht stellen.

Arthrose-Eigenblut-Doppelspritze

Aber auch hier kann Blanke – wie bei der Arthrose des Daumensattel-Gelenks – eine durch Studien belegte innovative Therapie anbieten: die sogenannte Arthrose-Eigenblut-Doppelspritze mit heilenden Wachstumsfaktoren (ACP-Therapie). Dazu wird dem Patienten etwas Venenblut aus der Armbeuge entnommen. Mittels einer Zentrifuge werden in einem Trennverfahren die Blutplättchen gewonnen, die nach der folgenden Injektion in dem von Arthrose betroffenen Großzehengelenk Wachstumsfaktoren (Proteine) freisetzen. Mit dieser „echten Alternative zur operativen Therapie“ hat Blanke bei mehr als 1000 Patienten sehr gute Erfahrungen gemacht.

Auch beim Fersensporn, einer schmerzhaften Verknöcherung am unteren, selten am oberen Fersenbein, kann die ACP-Injektion helfen, ebenso orthopädische Einlagen oder die Stoßwellentherapie. Als letzte Möglichkeit bleibt eine Operation, die schnell beschwerdefrei macht.

Information: Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie, Hand- und Wiederherstellungschirurgie im Leopoldina-Krankenhaus. Hand- und Fußsprechstunde: donnerstags, Anmeldung unter Tel. (0 97 21) 720 34 80 www.orthopaedieratgeber

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