Hergolshausen

Schon wieder Ärger wegen der Kläranlage

Trügerische Idylle: Unter Verwendung der drei vorhandenen Teiche soll in Hergolshausen eine vollwertige und energieeffiziente SBR-Kläranlage entstehen. Dafür wurden bereits alle Bäume und Büsche rund um die bisher eingegrünte Anlage gerodet. Foto: Gerald Gerstner

Ein Jahr ist es her, dass die Hergolshäuser bei der Bürgerversammlung mit Applaus ihre Zustimmung zu den Planungen für die Ertüchtigung ihrer maroden Teichkläranlage signalisierten. Ausführlich erläutert hatte da Reinhard Müller vom Planungsbüro Akut, was für den Ausbau zu einer genehmigungsfähigen SBR-Teichanlage ("Sequencing Batch Reactor" ist ein Belebtschlammverfahren) mit integrierter Mischwasserbehandlung notwendig ist. Die Kosten bezifferte er basierend auf einer Schätzung aus dem Jahr 2016 mit 1,3 Millionen Euro. Doch wegen des Baubooms seien die Zahlen unter großem Vorbehalt zu sehen.

Bei der jüngsten Bürgerversammlung, in der Reinhard Müller jetzt die ausgearbeitete, und bereits beim Wasserwirtschaftsamt auf dem Tisch liegende Genehmigungsplanung vorstellte, wollten einige Wortführer das Erreichte wieder über den Haufen werfen. Mit nicht nachvollziehbaren Behauptungen und Zahlen ließen insbesondere Dieter Steinlein und Gottfried Zull die Stimmung im zum Bersten vollen Gastraum des Sportheims hochkochen.

Vor den Kopf gestoßen fühlten sich die Gemeinderäte, von denen einige mit der Beherrschung rangen. Laut wurde in der Folge wieder der Ruf nach der "günstigsten Alternative" für das 580 Einwohner zählende Dorf. Die zu finden sei Aufgabe der Gemeinde, meinte Steinlein unterstützt von Andrea Köhler und Jürgen Petz. Bisher habe die Gemeinde da nicht geliefert, befand Petz. Weshalb das Büro noch beauftragt werden müsste.

Gesamtkosten von 1,86 Millionen Euro

Genannt hatte Müller aktuell Kosten von 990 000 Euro für die Kläranlage und von 600 000 Euro für die Mischwasserbehandlung. Einschließlich Baunebenkosten käme das Projekt somit derzeit auf 1,86 Millionen Euro. Bei der Frage, ob es günstiger geht, hielt sich der Planer bedeckt. Sein mit SBR-Anlagen vertrautes Büro war vor vier Jahren auf Betreiben der Hergolshäuser mit ins Boot geholt worden.

Widerlegen konnte Müller den von Steinlein vorgebrachten Einwand, man brauche keine hochwertige SBR-Anlage, da die von ihr geleistete Denitrifikation unter 1000 Einwohner nicht vorgeschrieben werde. Letzteres sei zwar richtig, sagte Müller. Doch die SBR-Anlage leistet diese Denitrifikation aufgrund ihrer Arbeitsweise automatisch und ohne zusätzliche Kosten bei der Nitrifikation der Abwässer mit. Diese Nitrifikation wiederum wird vom Wasserwirtschaftsamt schon lange als Nachrüstung gefordert. Nur dann darf der kleine Bachwiesengraben weiterhin als Vorfluter für die gereinigten Abwässer genutzt werden.

Kämmerer Thomas Klein stellte fest, dass nach gültiger Beschlusslage bei der Ausschreibung der SBR-Anlage Nebenangebote mit eventuellen technischen Alternativen ausdrücklich zugelassen sind. Was dagegen bei neuen Planungen herauskomme, wisse niemand. Ziemlich sicher sei, dass weitere Verzögerungen einer Verteuerung Vorschub leisten. Klein nannte die schon in den letzten Jahren enormen Preissprünge im Baugewerbe, die Gefährdung einer derzeit bestehenden Fördermöglichkeit und zusätzliche Planungskosten.

Geduld des Wasserwirtschaftsamtes nicht überstrapazieren

Auch dürfe man die Geduld des Wasserwirtschaftsamtes, das jetzt eine Genehmigungsplanung für eine SBR-Anlage auf dem Tisch hat, nicht unendlich strapazieren. Seit 1991 gab es mehrere Fristen für die angemahnte weitergehende Reinigung. Zum Jahresende läuft die wasserrechtliche Genehmigung aus. Würde die bisherige Planung wieder in Frage gestellt, könnten ganz schnell bauliche Notlösungen für den Weiterbetrieb gefordert werden, die zusätzlich Geld kosten, machte Klein deutlich.

Bei einem Bürgerentscheid hatten die Gemeindebürger vor eineinhalb Jahren mehrheitlich dafür gestimmt, dass die Hergolshäuser Abwässer vor Ort und nicht in der Waigolshäuser Kläranlage gereinigt werden. Wenig später sprachen sich dann bei einer gemeindlichen Infoveranstaltung im bestens besuchten Hergolshäuser Sportheim die Teilnehmer einstimmig für eine SBR-Anlage aus. Diesem Votum folgte der Gemeinderat und beschloss, dass Hergolshausen eine SBR-Kläranlage bekommt.Trotzdem behauptete Dieter Steinlein jetzt in der Bürgerversammlung mit Vehemenz, von Hergolshäuser Seite sei nie der Bau einer SBR-Anlage gewünscht worden.

"Irgendwann ist mal Schluss, wir müssen weiterkommen", beendete Bürgermeister Peter Pfister die Auseinandersetzung. Abgewartet werde jetzt die Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes und die Anlage dann ausgeschrieben. Alles andere wäre mit großen Unsicherheiten verbunden, so Pfister.

SBR-Kläranlage: Baugenehmigung und Förderantrag stehen an

Erwartet wird in den nächsten Monaten die Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes zur eingereichten Genehmigungsplanung, berichtete Planer Reinhard Müller bei der Bürgerversammlung zum aktuellen Stand der geplanten SBR-Kläranlage. Danach könne ein Förderantrag gestellt und die Baugenehmigung beim Landratsamt beantragt werden. Daran schließen sich die Ausführungsplanung und parallel dazu die Vorbereitung der Ausschreibungen an.

Trotz neuer Einwände aus der Bürgerschaft wird an diesem Zeitplan wohl festgehalten, wie Bürgermeister Peter Pfister erkennen ließ. Notwendig wird für die Bauphase eine Verlängerung der wasserrechtlichen Genehmigung um ein Jahr, sagte Müller. Eine Fertigstellung bis Ende 2020 sei allerdings sehr optimistisch, räumte der Planer ein.

Entstehen wird unter Verwendung der vorhandenen Teiche eine vollwertige und energieeffiziente Kläranlage, führte Müller aus. Wichtigster Teil der Anlage ist der SBR-Teich, in dem alle Reinigungs- und Prozessphasen ablaufen. Dafür werden eine Belüftungsanlage und ein Rührwerk als technische Komponenten gebraucht. Geplant ist ein Klärschlammlager in Betonbauweise mit statischer Schlammentwässerung und einer Aufnahmekapazität für ein Jahr. Eingebunden werden könne es in ein künftiges zentrales Klärschlammkonzept der Gemeinde, sagte Müller mit Blick auf die anstehende Neuregelung bei der Klärschlammentsorgung.

Aufgabe der vom Wasserwirtschaftsamt geforderten Mischwasserbehandlung ist es zum einen, bei Starkregen die Schmutzfracht aus der Kanalisation zurück zu halten. Dazu ist jetzt ein Vorspeicher in Betonbauweise mit 250 Kubikmeter geplant, der auch als Regenüberlaufbecken fungiert. Außerdem wird der vorhandene Mischwasserkanal ab der Drossel bis zum neuen Vorspeicher verlängert, da der dortige Kanal sowie saniert werden muss.

Sicherstellen muss die Mischwasserbehandlung bei Starkregen außerdem eine hydraulische Entlastung des Bachwiesengrabens durch einen Regenrückhalt. Dafür ist der alte Teich eins mit einem Volumen von 1000 Kubikmeter eingeplant. Entdeckt wurde am geplanten Standort für den Vorspeicher im Untergrund eine offenbar zugeschüttete Alt-Kläranlage, berichtete Müller. Da es keinen Alternativstandort gibt, muss diese Altlast jetzt abgeklärt und das Baufeld freigeräumt werden.

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