SCHWANFELD

Schwanfelder Jahrmarkt - seit über 400 Jahren mehr als nur ein Fest

Eine besondere Mischung bietet der Schwanfelder Jahrmarkt. Foto: Mathias Wiedemann

Die Anfänge des Schwanfelder Jahrmarkts liegen im Dunkel der Geschichte. Dass heuer die 431. Ausgabe stattfand, weiß man, weil Ortschronisten die Zahl immer wieder fortgeschrieben haben. Angenommen, der Jahrmarkt hat tatsächlich jedes Jahr stattgefunden, hieße das, die erste Ausgabe war im Jahr 1585 – fast 30 Jahre vor der Weihe der Pfarrkirche.

Vielleicht liegt es an dieser Tradition, dass der Schwanfelder Jahrmarkt nicht einfach nur ein Fest ist. Natürlich gibt es einen Festplatz mit Getränken, Essen und Musik, und natürlich gibt es Verkaufsstände mit Schmuck, Hüten, Körben, Taschen. Aber in Schwanfeld spielt immer auch oft die Vergangenheit eine Rolle, schließlich nennt man sich seit Entdeckung der steinzeitlichen Siedlungsreste, vor allem aber seit Eröffnung des Bandkeramik-Museums „ältestes Dorf Deutschlands“.

Zu Recht, wie die Archäologin Tessa Maletschek vom Verein Bandkeramisches Aktionsmuseum Mainz sagt. Denn in Schwanfeld wurden tatsächlich die bislang ältesten datierbaren Knochen gefunden, und die sind über 7500 Jahre alt. Die Museumsleute bauen am Jahrmarkt gern haben ihren Stand im Hof des Museums aufgebaut und zeigen selbstgemachten Schmuck und Gebrauchsgegenstände, wie sie die Urschwanfelder hergestellt und benutzt haben könnten. Ketten aus Muscheln etwa – die Löcher für die Schnur muss man mühsam mit einem Sandstein in die Muschel schleifen. Experimentelle Archäologie nennt sich das – „wir wollen die Lücke zwischen Wissenschaft und Bevölkerung schließen. Es geht schließlich um unser aller Vergangenheit“, sagt Tessa Maletschek.

Zum Jahrmarkt gehört auch die Möglichkeit, das Kloster Heiligenthal und den jüdischen Friedhof zu besichtigen. Die Besucher schauen sich die Kirche des Zisterzienserinnenklosters an,  das von 1234 bis 1579 bestand. Dann verleibte der Würzburger Fürstbischof Julius Echter Heiligenthal seinen Ländereien ein. Die Nonnen wurden nicht gefragt, immerhin hatte man sich vorher die Mühe gemacht, sie einer schlechten Wirtschaftsführung zu bezichtigen.

Nach vielen Ein- und Umbauten der Echter-Zeit ist nicht mehr viel von der schlichten Größe der Kirche zu spüren. In der Rückwand, einige Meter über dem Boden, hat sich der Lettner als Spolie erhalten. Dass aber das Element Wasser für die Zisterzienser von großer Bedeutung war, das kann man immer noch nachvollziehen. Direkt neben der Kirche liegt immer noch einer der Weiher, die für die Nonnen ihre wichtigste Eiweißquelle waren. Die Regel verbietet es Benediktinern und Zisterziensern, vierfüßige Tiere zu essen. Also wich man auf Geflügel und auf Fisch aus.
 
 

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