WASSERLOSEN

Schwarzer Amarant: Landwirt experimentiert mit Inkaweizen

Seltene Frucht: Ungewöhnlich für unsere Breiten und in auffälligem Dunkelrot steht Amarant auf Walter Zieglers Feld in Wasserlosen. Doch es wird vielleicht das letzte Mal sein, dass der Landwirt den Inkaweizen anbaut.
Schwarzer Amarant – Experiment auf Feld in Wasserlosen
Walter Ziegler hat sich an dem ungewöhnlichen Inkaweizen versucht. Für das Pseudogetreide musste er einiges anders machen als für Dinkel und Co. Foto: Anand Anders

Am Anfang steht ein rätselhaftes Leserfoto. Es zeigt ein landwirtschaftliches Feld, in tiefes Rot getaucht. Nicht rot von der untergehenden Sonne, sondern von den auffälligen Blüten einer Pflanze, die im Landkreis Schweinfurt weithin auffällt.

Der aufmerksame Hobbyfotograf heißt Berthold Schlereth aus dem Wasserlosener Ortsteil Greßthal. Schon in der E-Mail an die Redaktion formuliert er eine Ahnung: „Vermutlich handelt es sich um ein Amarantfeld, den Inkaweizen“, heißt es da und bittet um Aufklärung. Die Neugier der Redaktion ist geweckt. „1 km nach dem Ortsausgangsschild von Wasserlosen in Richtung Sulzthal führt auf der linken Seite ein geteerter Wirtschaftsweg von der Staatsstraße weg.“ Von dort könne man das Feld schon erkennen.

Der erste Blick ins Internet: Amarant – laut Duden lässt man das oft gebräuchliche „h“ am Ende besser weg – ist der Online-Enzyklopädie Wikipedia zufolge eine Pflanzengattung der Familie der Fuchsschwanzgewächse.

Zwar ähnlich der Hirse, ist Amarant doch botanisch ein „Pseudogetreide“, das von Glutenunverträglichen gerne ins Müsli gemischt wird. Die Onlinefotos des ebenso genannten „Inkaweizen“ decken sich mit Schlereths Fotos.

Ziegler rüstet für Amarant um

Schwarzer Amarant – Experiment auf Feld in Wasserlosen
Die Amarant-Kügelchen sind so klein, dass sie ohne Abkleben durch den Hänger rutschen würden. Foto: Anand Anders

Anrufe bei der Gemeinde und bei Anna-Katharina Paar, seit November 2015 Ökomanagerin der Interkommunalen Allianz Oberes Werntal, führen schließlich zu Walter Ziegler. Das Handyklingeln erwischt den Landwirt auf dem Schlepper. Ja, das Feld ist seins. 1,4 Hektar Schwarzer Amarant. „Vor 14 Tagen war er noch hellroter“, sagt Ziegler. Wegen der schwarzen klitzekleinen Kügelchen, um die es bei der Ernte geht, – „noch kleiner als Raps“ – heißt seine Art „Schwarzer Amarant“, obwohl die Blüten blutrot strahlen. Es gibt auch Weißen Amarant, dessen Blüte unscheinbarer ausfällt.

Walter Ziegler hat seine liebe Not mit dem Pseudogetreide aus Südamerika. Seit Juli ist er in der zweijährigen Übergangsphase zum Bioerzeuger, will zusätzlich zu Getreiden wie Dinkel und Emmer-Weizen neues ausprobieren. Im Landwirtschaftlichen Wochenblatt liest er, dass ein Händler aus Mittelfranken einen Hof sucht, der für ihn Amarant anbaut. Ziegler macht den Deal. Der Getreidebauer muss sich einlesen im Internet, die Uni Hohenheim forschte schon zum Amarant-Anbau. Einen Landwirtskollegen, auf dessen Erfahrungen er bauen kann, findet er nicht.

Amarant reift extrem langsam

Im Juni sät Ziegler das Amarant-Saatgut aus. Schon das ist schwierig: Er muss seine Sämaschine umbauen, ein paar Säschare zumachen, denn auf einen Hektar sollen nur 750 Gramm davon kommen. Fast homöopathisch. Zusätzlich musste er das Saatgut mit Granulat, Salz oder Zucker, verdünnen.

Was Ziegler aber am meisten stört: „Amarant wird ziemlich spät reif.“ Dabei war der Spätsommer 2016 ja schon übermäßig sonnig. Anfang September hat er es mit dem Dreschen versucht. Doch offenbar zu früh: Ein paar „Getreidewickler“ haben ihn drei Stunden Reparatur gekostet. 40 Prozent Wasseranteil waren zu viel. In ein paar Tagen will er es noch einmal probieren.

Ein bis drei Tonnen getrockneter und gereinigter Amarant sollen pro Hektar am Ende rausspringen. Die Bandbreite des Ertrags ist groß. Ziegler will mal sehen, ob sich der Aufwand rechnet. Zumal er fürs Einfahren die Nahten im Hänger abkleben muss, weil die Kügelchen sonst durchrutschen würden.

Außergewöhnliche Feldfrüchte in der Region

Anna-Katharina Paar, seit November 2015 Öko-Managerin für die „Allianz Oberes Werntal“, hat mit einer Umfrage unter rund 20 Ökolandwirten herausgefunden, dass es diverse mehr oder minder außergewöhnliche Produkte auf den Feldern der Region gibt. Eine Auswahl:

• Linsen (Hülsenfrüchte), z.B. Schloss Gut Obbach

• Oberkulmer Rotkorn-Dinkel, z.B. Biohof Schleerieth

• Durumweizen (Hartweizen, vor allem für Nudelproduktion)

• Öllein (Leinsamen)

• Hirse

• Topinambur (kartoffelähnliche Sprossknolle aus Nordamerika), z.B. Hof Karg in Kronungen, Hof Kuhn in Oerlenbach (Lkr. Bad Kissingen)

• Aronia (Apfelbeeren) und Holunderbeeren, z.B. Hof Jakob in Geldersheim

• Ginkgo (sommergrüner Baum), z.B. Hof König in Schnackenwerth Text: jha

 

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