Schwebheim

Schwebheim: Vom Schuldenberg zur 7,8 Millionen Euro Rücklage

Gerald Riedl (Zweiter von links) beim Spatenstich für die Ökosiedlung Strüdlein Ost. Nach 40 Jahren geht Schwebheims Kämmerer nun in den Ruhestand. Foto: Ursula Lux

Es war eine winzig kleine Anzeige im Schweinfurter Tagblatt: "Die Gemeinde Schwebheim sucht zum baldmöglichsten Eintritt eine/n Kämmerer". Gerald Riedl selbst hatte diese Anzeige gar nicht gesehen, wohl aber sein damaliger Vorgesetzter, Kreiskassenleiter Karl Probst. "Sie gehen nach Schwebheim und werden dort Kämmerer", sagte er zu Riedl, "ich ruf den Bürgermeister an und wenn sie sich vorstellen, ziehen sie eine Krawatte an."

Das war vor 40 Jahren, Riedl folgte und kann jetzt mit seiner Ruhestandsversetzung eine stolze Bilanz vorweisen. Er übernahm eine Gemeinde mit 2,7 Millionen DM Schulden und Rücklagen von 50 000 DM und verlässt dieselbe Gemeinde quasi schuldenfrei, mit Rücklagen von 7,8 Millionen Euro und einem Anlagevermögen von 33 Millionen Euro. Es war ein steiniger Weg, aber rückblickend auch "ein schöner", meint Riedl. Denn der damalige Bürgermeister Fritz Roßteuscher sei ihm ein väterlicher Freund geworden, von dem er viel gelernt habe. Gemeinsam haben sie so manchen Coup ausgeheckt. So beispielsweise das Baugebiet Obere Heide – "ohne einen Pfennig Geld". Eine Münchner Firma wickelte das Ganze für die Gemeinde ab und die zahlte ihre "Schulden" erst zurück, als die Baugrundstücke auch verkauft waren.

Was dem Kämmerer manche schlaflose Nacht bereitet hat

Die Schulden drückten die Gemeinde dennoch und bereiteten Roßteuscher so manche schlaflose Nacht. Er hatte Angst, dass "selbst die Enkel noch an diesen Schulden zurückzahlen" müssen. Trotzdem gab es alljährlich feste Pflichttermine für ihn und seine Leute. Das Spanferkelessen auf dem Schweinfurter Volksfest oder ein Federweißerabend beispielsweise. "Wir waren wenige Mitarbeiter in Verwaltung, Bauhof, Schule und Bibliothek, aber gegenseitiger Respekt unter den Kollegen war immer da und eine große Kollegialität", erinnert sich Riedl.

Roßteuschers Credo, das auch sein Kämmerer übernahm: "Was gesetzlich möglich ist, müssen wir unseren Bürgern abverlangen. Es gibt keine Wahlgeschenke." Und so war Schwebheim die erste Gemeinde im Landkreis, die bei den Kanalbenutzungsgebühren auch die überbaute Fläche mit einbezog und bei den Erschließungsbeiträgen einen sogenannten Straßenentwässerungsanteil berechnete. Neben diesen verwaltungstechnischen Dingen aber pflegten beide vor allem Kontakte. "Wir sind nach Würzburg zur Regierung gefahren und nach München und haben uns dort vorgestellt und das, was wir vorhaben", erzählt Riedl. Auch dabei hat er von Roßteuscher eine Lebensweisheit mitbekommen: "Wir knauben nicht, wir sind auch wer", habe dieser immer gesagt. Nun, sie mussten nicht "knauben" bei diesen Besuchen. Bei Fortbildungen, auf den Gemeindetagen entstanden so viele persönliche Kontakte, von denen die Gemeinde profitierte. Vieles ließ sich auf dem kleinen Dienstweg regeln.

Als Vorsitzender des Musikvereins bleibt Gerald Riedl der Gemeinde auch weiterhin verbunden. Foto: Ursula Lux

Nicht selten wurde der Kämmerer angerufen und auf Fördertöpfe aufmerksam gemacht. Riedl erinnert sich an ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art. Ein Oberregierungsrat rief ihn an und meinte, er habe für dieses Jahr noch 50 000 DM in einem Fördertopf für Gewerbegebiete, er solle doch schnell noch einen Antrag stellen. Schwebheim bekam das Geld. "Eine große Katastrophe sei die Schwimmbadrenovierung gewesen, erinnert sich Riedl. Damals seien aus heiterem Himmel noch einmal 400 000 DM mehr dazugekommen für die Sanierung der technischen Anlagen. Roßteuscher habe gemeint: "Wir können nicht auf die Kirchweih gehen, wir sind pleite."

Die Gewerbesteuereinnahmen sind hoch, aber nicht nur sie

Nach und nach baute die Gemeinde ihre Gewerbegebiete aus, 1980 das erste "mit 80 Prozent Förderung", erzählt Riedl. Die Gewerbesteuereinnahmen seien bis heute hoch. Aber auch die Einkommensteuer, sie mache ein Drittel der Einnahmen des Verwaltungshaushalts aus. Das liege nicht zuletzt daran, dass Roßteuscher immer Wert darauf gelegt habe, "dass wir gut verdienende Bürger haben".

Unter Roßteuschers Nachfolger Hans Fischer wurde der Kämmerer 2003 verpflichtet, eine Stromgesellschaft mit zu gründen und zu verwalten und gemeinsam mit der ÜZ wurde eine beispielhafte Ökosiedlung im Strüdlein Ost gebaut, "ohne Fördergelder". Mit Bürgermeister Volker Karb schließlich letztes Jahr "aus dem Stehgreif eine neue Bücherei mit einer Million hingestellt, ohne Schulden".

Riedl aber war nicht nur Kämmerer, er ist der Gemeinde auch sonst verbunden, tat zeitweise aktiv Dienst bei der Feuerwehr, ist Vorsitzender des Musikvereins, Mitglied beim Ortsgeschichtlichen Arbeitskreis und im Gesangverein.

Das war 2004, als Gerald Riedl auf 25 Jahre als Kämmerer von Schwebheim zurückblickte. Von links Bürgermeister Hans Fischer, Gerald Riedl, Roland Graf und Altbürgermeister Fritz Roßteuscher. Foto: Ursula Lux

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