Schweinfurt

Schweinfurt: Bamberger Symphoniker und ein großer Pianist

Sergei Babayan Foto: Marco Borggreve

Dass die Konzertreihen im Schweinfurter Theater neben der üblich hochklassigen musikalischen Bereicherung immer weitere positive Überraschungen bereit halten, bewies das letzte Konzert mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Nikolaj Szeps-Znaider: Die Entdeckung des Abends war die Begegnung mit dem armenisch-amerikanischen Pianisten Sergei Babayan. Dieser drängt sich nicht unbedingt als vordergründig präsent auf dem internationalen Bühnenkarussell auf, wird aber dennoch nicht nur in Fachkreisen neben Grigori Sokolov zu den größten Pianisten unserer Zeit gezählt.

Seine Klasse stellte der 58-Jährige mit Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nr. 25 C-Dur, KV 503 heraus. Im Tempo nicht zu forciert, konnten sich von Anbeginn nuancenreiche Dialoge und ein fein abgestimmtes Zusammenspiel zwischen Orchester und Solist entwickeln. Auffällig hier wie auch im gesamten Werk der absolut spielerische Umgang Babayans mit der Musik: Wie auf einer Entdeckungsreise enthüllte er Töne, Motive und Themen, vorsichtig und nach innen gekehrt hier, auftrumpfend und gewaltig dort. Vollmundig die Solokadenz des ersten Satzes, in der man mit ihm tief ins Universum der Musik eintauchen durfte.

Große Ruhe prägte das Andante, Kontraste das Allegretto. Babayans Spiel war, neben aller Strukturiertheit und deutlicher Unterscheidung zwischen verzierenden Figuren und Themenbestandteilen, intensiv und beglückend, mitunter eigenwillig mit winzigen freien Ansätzen. Hier saß ein freundlicher, äußerlich zurückhaltender, doch mit großer Leidenschaft und Hingabe musizierender ganz großer Künstler, der dem hingerissenen Publikum eine funkenreiche, prickelnde Zugabe schenkte.

Eine Reise durch den Wagnerschen Kosmos

Begonnen hatte der Abend mit Richard Wagner: Aus "Die Meistersinger von Nürnberg" erklangen die Vorspiele zum 1. und 3. Aufzug sowie der "Tanz der Lehrbuben". Nikolaj Szeps-Znaider spannte den Bogen von seelenvoller Verschmelzung der Gefühle über heiter-vergnügte Bodenständigkeit und strahlendem Überschwang bis zu majestätischer Würde.

Als Dirigent zeigte sich Szeps-Znaider, der auch als Violinvirtuose einen großen Namen hat, bis in die Spitze seines Taktstocks hinein aussagestark, zwingend und tief in der Musik verortet. Ganz selbstverständlich ging das Orchester mit, folgte seinem sanften, aber fordernden Dirigat durch den Wagnerschen Kosmos. Bravorufe bereits jetzt, ebenso nach der zweiten Konzerthälfte mit Edward Elgars "Enigma-Variationen" über ein Originalthema.

Perfekt ausgearbeitet, exzellent musiziert, stark im Ausdruck erklangen diese – ein fabelhaftes Spiel mit einer Vielfalt an Charakteren und Farben, an Klangfülle und Abwechslungsreichtum für den so sensibel und ruhig dirigierenden Szeps-Znaider und die großartigen Bamberger Symphoniker! War Elgar lebenslustig, leidenschaftlich und draufgängerisch, mit offenen Armen und großem Herz, wie es die letzte Variation, ein musikalisches Selbstportrait, zu vermitteln scheint? Ein kultivierter, eleganter und opulenter Konzertabend.

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