Schweinfurt

Schweinfurt: Hohe Musizierkunst von Künstlern aus ganz Deutschland

Wenn im Programm des Schweinfurter Theaters die Konzerte der "Bundesauswahl Konzerte junger Künstler" aufgeführt sind, kann man sich auf eines verlassen.

Auf die Konzerte der "Bundesauswahl Konzerte junger Künstler" darf man sich stets nicht nur freuen. Man kann sich auch immer darauf verlassen, dass sie von sehr hoher Qualität sind, so auch beim Foyerkonzert mit dem "Ensemble Ambra" im Schweinfurter Theater.

Die Deutsche Anne Maria Wehrmeyer, Violine, der Litauer Žilvinas Brazauskas, Klarinette, und der Bulgare Asen Tanchev, Klavier, hatten ein nicht ganz alltägliches Programm ausgewählt, das einerseits forderte, andererseits auch in Atem hielt. Alle Werke, egal ob in der Tonsprache noch dem 19. Jahrhundert verbunden oder weit in die Moderne weisend, entstanden im 20. Jahrhundert.

Mit der Sonate für Klarinette und Klavier Es-Dur von Camille Saint-Saëns zum Auftakt tauchten Brazauskas und Tanchev den Saal in traumverlorene Melancholie, füllten ihn mit quicklebendigen und perlenden Tonkaskaden, widmeten sich hingebungsvoll pathetischer Klage und zauberten fast unwirklich schöne, dennoch fahle Farben. Nach dem irisierenden, schicksalsverloren wirkenden, sehr ruhig und edel gestalteten Lento geriet der Finalsatz zu einem Kabinettstück an brillanter Virtuosität, geballter musikalischer Energie und lockerer Eleganz.

Atemberaubende Endzeitstimmung

Die Sonate für Violine und Klavier FP 119 von Francis Poulenc konnte in ihrer Eröffnung nicht gegensätzlicher auftreten: Zupackend musizierten Tanchev und Wehrmeyer, die Geigerin mit raumgreifendem Ton. Atemberaubend gelang die Vermittlung von Endzeitstimmung, von Gefühlsausbrüchen, von innerer Zerrissenheit, auch von lyrischer Erzählkunst, liedhaften Passagen und schillernder Vielfalt. Sehr deutlich wurde hier wie im ersten Werk des Abends, dass da junge Künstler auftraten, die ein gewisses Maß an Individualität in der Gestaltung beanspruchen, in ihrer musikalischen Aussage jedoch perfekt harmonieren.

Zu Dritt widmeten sich Anne Maria Wehrmeyer, Žilvinas Brazauskas und Asen Tanchev dem Schaffen von Aram Khatchaturian: Sein Trio verlangt große Gestik ebenso wie kleingliedrige Ausformung, dramatische Intensität und duftige Ornamentik balkanesken Einschlags. Die Musiker steigerten sich bis zum rauschhaften Exzess, spielten mit balladesker Melodik, mit Rhythmik. Die Episoden des zweiten Satzes rissen mit; im Finalsatz beeindruckte das inspiriert ineinandergreifende Musizieren, das aus sich heraus Gehen, die gefühlsbetont engagierte Herangehensweise.

Ein Geschenk an das Publikum

Zum Abschluss Igor Stravinkys Triofassung der Suite aus "L'histoire du soldat": Wunderbar die ironische Parodie des Militärlebens, der Umgang mit ungestümer, schroffer Melodik und deren fetzenhafter Zerlegung! Die grotesken Kapriolen des Teufelstanzes, ein in seinem fortschreitenden Wahn fast betäubender Taumel, hämmernd und ritualhaft dargeboten – Wehrmeyer, Brazauskas und Tanchev beschenkten und beeindruckten das Publikum durch hohe Musizierkunst.

Milhaud als Zugabe, rhythmusbetont, kokett und kapriziös serviert: ein erfrischender und heiter-optimistischer Ausklang des Abends.    

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