Schweinfurt

Schweinfurt: Kiloweise Drogen gehandelt

Drei Angeklagte stehen wegen Drogenhandels vor dem Schweinfurter Landgericht. Den Stoff holten sie aus Holland. Der "Fahrer" will dort aber kein "Gras", sondern Sex gesucht haben.
Kiloweise sollen Dealer aus Schweinfurt mit Marihuana (im Bild) und Amphetamin gehandelt haben. Sie müssen sich dafür vor dem Landgericht Schweinfurt verantworten.
Kiloweise sollen Dealer aus Schweinfurt mit Marihuana (im Bild) und Amphetamin gehandelt haben. Sie müssen sich dafür vor dem Landgericht Schweinfurt verantworten. Foto: Nicolas Armer/dpa

Vor dem Landgericht Schweinfurt geht es seit Montagmorgen um Rauschgifthandel im Kilogrammbereich. Drei Männer sitzen auf der Anklagebank. Laut Anklage soll der 30-jährige Schweinfurter, der keinen Beruf erlernt hat, einem anderen Dealer zehn Kilogramm qualitativ schlechtes Marihuana verkauf haben, das dieser im März letzten Jahres auf dem Autohof Geiselwind an einen Abnehmer verkaufen wollte. Auf diesen Kunden hätte er lieber verzichtet. Es war ein "nicht offen ermittelnder Polizeibeamter", der das Scheingeschäft eingefädelt hatte. Durch die Festnahme des Dealers am Autohof kam die Polizei auf den Namen des nun angeklagten 30-Jährigen, der diesem den Stoff besorgt haben soll.

Nur der Fahrer des Dealers?

Einen Führerschein hat der 30-Jährige, der in Schweinfurter Rauschgifthändlerkreisen bekannt sein soll, allerdings nicht. Er braucht immer wieder mal Fahrer. Als solcher fungierte letztes Jahr im Januar ein Bekannter von ihm, von Beruf "Promotionkraft" (27), aus Schweinfurt. Er fuhr mit dem Kumpel und einem weiteren Mann nach Holland. Ein gewisser "Kadir" in Den Haag oder Rotterdam soll für sie die Bezugsquelle für Rauschgift gewesen sein. Die Polizei war dem 30-Jährigen aber schon auf der Spur, Telefone und die Geschäftsfahrt wurden weitgehend überwacht.

Am Abend des 21. Januar schlug die Polizei nach der Rückfahrt nach Schweinfurt in einem Hinterhof zu. Im Kleinwagen fand die Polizei zweieinhalb Kilogramm Marihuana. Der Fahrer hatte 5500 Euro Bargeld dabei, von dem die Anklage meint, es sei zum Ankauf von Rauschgift bestimmt gewesen.     

5500 Euro Kredit von der Freundin

Das lässt der 27-Jährige über seinen Anwalt bestreiten. Sein Mandant sei weder Konsument noch Händler von Betäubungsmitteln. Er habe den 30-Jährigen nur gefahren. Die 5500 Euro habe dem Mandanten dessen holländische Freundin geliehen, damit er damit ein Popkonzert veranstalten konnte, um damit Geld zu verdienen. Sein Motiv für Fahrt in die Niederlande: Sex mit einer Prostituierten. Wie das mit dem Kredit seiner Freundin für eine geplante Konzertveranstaltung in Einklang zu bringen sei, fragte der Staatsanwalt. Darauf bekam er keine Antwort. 

Dann ist da noch der 28-jährige Sicherheitsbeauftragte aus einem Dorf im Landkreis, der den 30-jährigen Dealer aus Schweinfurt kennt. Er hat ihm eine Garage vermietet. Diese und die Wohnung des 28-Jährigen werden gleich nach dem Zugriff der Polizei im Schweinfurter Hinterhof durchsucht. Die Beamten finden insgesamt 5,7 Kilogramm Amphetamin im Kühlschrank der Wohnung und in Eimern in der Garage, ferner 400 Gramm Marihuana und fünf LSD-Trips, dazu 7500 Euro Bargeld, das sie für Einnahmen aus dem Drogenverkauf halten. 

Das Geld gehört der Mama

Den Drogenbesitz räumt der Mann ein, auch dass der Großteil zum gewinnbringenden Verkauf gedacht war, um die eigene Sucht zu finanzieren. Selbst habe er Marihuana konsumiert, wegen einer Erkrankung auch medizinisches aus der Apotheke. Woher er die große Amphetaminmenge hat, will der Sicherheitsbeauftragte nicht sagen. Laut seinem Anwalt bekam er es auf Kommission, wollte es kiloweise mit Gewinn weiterveräußern, ohne aber Abnehmer für eine solche Größenordnung zu kennen. Und: Das Bargeld gehöre seiner Mutter.

So wollen sich die beiden Dealer im Alter von 30 und 28 Jahren kennen, aber keine gemeinsamen Geschäfte gemacht haben; der 27-Jährige will nur Chauffeur und nicht zum Gras-Kauf, sondern zum Sex-Kauf nach Holland gefahren sein. Für den Prozess sind weitere vier Verhandlungstage geplant, er wird am 11. November fortgesetzt.

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