Schweinfurt

Schweinfurt: Wilhelm-Sattler-Realschule ist nun Fairtrade-Schule

Fair gehandelte Schokolade, Bananen zu einem Preis, von dem auch die Anbauer leben können. Fair gehandelte Produkte machen die Welt etwas gerechter und helfen dem Klima.
Hurra – wir sind Fairtrade-Schule: Darüber freuten sich das Fairtrade-Team und alle, die diesen Weg begleitet und unterstützt haben. Im Bild (von links) Sandy Enders, Peter Schleich (Sparkasse), Lena Deeg, Roland Merz (Agenda 21), Josefine Kücks, Angela Merz (Agenda 21), Lisa Baum, Hanna Hofer, Ella Ferraro, Andreas Schneider (Fairtrade Deutschland), Carina Thorwarth, Julia Vollmuth und Georg Harbauer. Foto: Helmut Glauch

Mit dem Song "You can count on me, cause I can count on you" (Du kannst auf mich zählen, weil ich ich auf dich zählen kann") eröffnete die Schulband unter Leitung von Paul Goldbach die Zertifizierungsfeier der Wilhelm-Sattler-Realschule zur international anerkannten Fairtrade-Schule. Auf diese Schule kann man also künftig zählen, man kann ihr Vertrauen, wenn es darum geht, die Schülerinnen und Schüler mit den Grundlagen von Nachhaltigkeit und Verantwortlichkeit gegenüber der Umwelt und den Produktionswegen importierter Waren vertraut zu machen.     

Zur Zertifizierungsfeier "in der zu kleinen Aula", wie Schulleiter Georg Harbauer augenzwinkernd gegenüber den Vertretern der Stadt bemerkte, waren unter anderem Angela und Roland Merz (Agenda 21) und Andreas Schneider (Fairtrade Deutschland) gekommen. "Wir würden uns freuen, wenn wir eine Aula hätten, in der alle 800 Schüler und 70 Lehrkräfte zusammenkommen könnten." Aber auch in einer kleinen Aula kann es große Freude geben, zum Beispiel über die Fairtrade-Zertifizierung. Die Wilhelm-Sattler-Realschule ist nach OMG, Rathenau und Montessori die vierte Schule in der Fairtrade-Stadt Schweinfurt und die 236. in Bayern, die diese Auszeichnung verliehen bekam. Die Lehrkräfte Carina Thorwarth, die inzwischen nicht mehr an der Schule ist, aber gerne zur Zertifizierungsfeier kam, und Julia Vollmuth haben die motivierten Schüler auf ihrem Weg begleitet. 

Faire Konzepte erarbeitet und umgesetzt

Und diese "Fairleihung" hat man sich redlich verdient. Schülerinnen vom Fairtrade-Team stellten per Power-Point den Weg hin zu dieser Auszeichnung vor. Zunächst wird ein Fairtrade-Team gegründet, dann ein Kompass über die Vorgehensweise entwickelt. Im nächsten Schritt startet der Verkauf von fair gehandelten Produkten in der Schule, und auch im Unterricht sollte das Thema "fairer Handel" einen gewichtigen Platz im Lehrplan haben. Schulaktionen, um den fairen Handel möglichst vielen Mitschülern transparent zu machen, runden das Ganze ab.

Ganz schön schwer die Säcke, die Kinder in Kakaoerzeuger-Ländern mitunter kilometerweit schleppen müssen. Die Mädchen vom Fairtrade-Team hatten einen Sack mit 25 Kilo gefüllt und jüngere Schüler hatten die Gelegenheit mal selber auszuprobieren wie schwer es ist, so einen Sack zu tragen. Foto: Helmut Glauch

In der Realschule wurden all diese Ansätze mit viel Phantasie und Kreativität umgesetzt. Fairtrade-Frühstück, das Biobananen-Projekt oder die leckeren Fairtrade-Brownies waren nur einige Bausteine. Prima angenommen wurde auch das Angebot "Gute Schokolade". Eine Leckerei aus fair gehandeltem Kakao, die nicht nur schmeckt, sondern Gutes tut. "Beim Verkauf von fünf Tafeln dieser Schokolade wird im Herkunftsland dafür ein Baum gepflanzt", teilten die Schülerinnen mit. Dieser Art des Klimaschutzes hat sich auch Schulleiter Harbauer schnell angeschlossen. Der bekennende Schokoladen-Liebhaber hat seine tägliche "Tafelarbeit" ganz auf "fair" umgestellt und so wohl schon manchen Baum gepflanzt.    

Global denken, lokal handeln

Tief beeindruckt von dem, was die jungen Leute alles auf die Beine gestellt haben, zeigte sich auch Bürgermeisterin Sorya Lippert. In ihrem Grußwort erinnerte sie daran, dass "Deutschland alleine nichts wuppen kann", dass man möglichst die ganze Welt ins Boot holen müsse gemäß dem Motto "Global denken, lokal handeln". Veränderungen, die in den Köpfen und beim Einkaufsverhalten beginnen, "diese Gedanken in den Schulen zu verankern ist der richtige Weg", so Lippert.   

Der erste faire Snackautomat. Bisher mussten bei Fairtrade Zertifizierungen Schweinfurter Schulen immer Papp-Dummies verwendet werden, weil der angekündigte Automat, der zum Fairtrade-Konzept einer Schule gehört, noch nicht zur Verfügung stand. Die Wilhelm-Sattler-Realschule hat nun tatsächlich den Ersten bekommen. Foto: Helmut Glauch

Roland Merz (Agenda 21), der gemeinsam mit seiner Frau Angela nach dem Motto "Fair ist mehr" schon so manches  Projekt dieser Art begleitet hat, erinnerte daran, dass immer noch auf dieser Welt Millionen von Kindern unter ausbeuterischen Bedingungen schwere Arbeit verrichten müssen, nur damit zum Beispiel hier billige Schokolade angeboten werden kann. Kakaobohnensäcke mit bis zu 25 Kilo Inhalt müssen teilweise schon achtjährige Kinder kilometerweit schleppen.

Snack-Automat mit fair gehandelten Produkten

Doch es tut sich was im Bewusstsein der Menschen. Die Idee des fairen Handels wird heuer 50 Jahre, so Andreas Schneider von Fairtrade Deutschland. Fair gehandelte Produkte werden zunehmend akzeptiert, die Menschen denken um, vor allem die Jugend engagiert sich. In Deutschland gibt es mittlerweile 685 Fairtrade Schulen. Eine jede zählt "ist dringend notwendig in Zeiten, in denen wir im Begriff sind unseren Planeten gegen die Wand zu fahren", so Schneider. 

Äußeres Zeichen des fairen Handels in der Realschule ist der "Fair-o-mat". Kein Snack-Automat im üblichen Sinne, sondern einer mit fair gehandelten Produkten darin, zum Beispiel mit der Schokolade, die auch beim Schulleiter so gut ankommt. Möglich wurde die Anschaffung dieses mehr als 2000 Euro teuren Gerätes auch Dank der Unterstützung der Banken. Auch Peter Schleich, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge freute sich mit den Sattler-Schülern über diesen so wichtigen Schritt hin zur Fairtrade-Schule.

Chor und Schulband unter Leitung von Paul Goldbach (rechts) umrahmten die Zertifizierungsfeier musikalisch. Foto: Helmut Glauch

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