SCHWEINFURT

Schweinfurt hat sechs neue Helden

Bei der feierlichen Übergabe der HEROES-Zertifikate (hinten von links): Projektleiterin Claudia Federspiel, stellvertretende Landrätin Christine Bender, Sinan Neugebauer, Mahmoud Marouf, Alihan Doskoev, Tamerlan Schadykov, 2. Bürgermeisterin Sorya Lippert, (vorne von links) Berlan Sahin und Mohamad Khir Ghanem. Foto: Elke Tober-Vogt

Mit großem Aufwand, vom Sektempfang bis zum Blumenschmuck, von medialer Aufbereitung bis zum Auftritt der frech-fröhlich auftrumpfenden Breakdance-Gruppe „Beasty Boys“ war vorbereitet worden, was für sechs junge Männer aus Schweinfurt zu einem besonderen Ereignis werden sollte: Im festlichen Rahmen der Rathausdiele erhielten sie ihre Zertifikate als „HEROES“.

Zahlreiche Vertreter des öffentlichen und integrationspolitischen Lebens waren geladen; mit ihrem Erscheinen zollten lediglich die stellvertretende Landrätin Christine Bender, die 2. Bürgermeisterin der Stadt Schweinfurt, Sorya Lippert, und die Leiterin des Stadtjugendamts, Maria Albert-Wirsching, den Absolventen des Projekts Anerkennung und Respekt.

Von der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi) ausgerichtet und mit finanzieller Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Integration widmete sich die zum zweiten Mal durchgeführte mehrmonatige Maßnahme unter dem Motto „Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“ ganz der Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Der Leiter des gfi, Stephan Zeller, erläuterte den kreativ-pädagogischen Ansatz, wonach durch die HEROES eine Auseinandersetzung mit den tradierten Männerrollen im Kontext von Unterdrückung innerhalb unterschiedlicher Kulturen in der Praxis erfolgt.

„Jugendliche lernen leichter von Gleichaltrigen“, so Zeller, und deshalb werden sich die neuen HEROES, Sinan Neugebauer, Mahmud Marouf, Alihan Doskoev, Tamerlan Schadykov, Berkan Sahin und Mohamad Khir Ghanem, in Zukunft als Multiplikatoren in Schulen und Jugendarbeit für Gleichberechtigung einsetzen.

Sie stammen aus Russland, Syrien, Tschetschenien und der Türkei/Deutschland, sind zwischen 17 und 20 Jahren alt, und haben sich auf ihre Aufgabe mit großem Engagement und Enthusiasmus in wöchentlichen Treffen oder Wochenendworkshops vorbereitet. Betreut wurden sie hierbei neben der Projektleiterin Claudia Federspiel durch die Gruppenleiter Ahmad Almohamad, Oleg Brickovskij und Diyap Yesil.

Themen waren Ehre, Sexualität, Bildung und Erziehung, Menschenrechte oder Gewalt in Familien. Eine Diashow zeigte die vielfältigen Schauplätze der Ausbildung: Klettergarten-, Sportstätten- oder Freizeitlandbesuch, Diskussion mit Staatsministerin Emilia Müller, gemeinsamer Einkauf und Grillfest, Rollenspiele, Lagerfeuer und vieles mehr.

Staatsministerin Müller ließ in ihrem Grußwort mitteilen, die bayerische Integrationspolitik sei auch deshalb so erfolgreich, weil es engagierte Projekte wie HEROES gebe. Das Hinterfragen patriarchalisch geprägter Traditionen und tradierter Ehrbegriffe sowie Offenheit gegenüber den Werten einer offenen Gesellschaft seien für sie aktive Extremismusprävention.

Bürgermeisterin Lippert schlug in ihrem facettenreichen Redebeitrag weite Bögen zwischen ihrer eigenen früheren Rolle als Hausfrau und Mutter, philosophischen Gedanken von Immanuel Kant zur Unmündigkeit und dem Aufruf nach Mut, den eigenen Verstand zu gebrauchen.

„Jungs, ihr habt tolle Arbeit geleistet!“ würdigte Stephan Zeller die sechs „Helden“. Damit das ganze nicht nur schöner Schein bleibt, müssen diese Jungs nun Mut und Zivilcourage in der Praxis beweisen. Ihre Herangehensweise demonstrierten sie mit einem kleinen Rollenspiel zum Thema Zwangsheirat. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde, zu der sich vor allem das familiäre Umfeld der Geehrten eingefunden hatte, durch die internationale Gruppe „Grenzenlos“ aus Gerolzhofen. Stärken durfte man sich im Anschluss bei einem orientalisch geprägten Buffet.

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