Schweinfurt

„Schweinfurt hilft Schweinfurt“

Ein Obdachloser bei der Beratung der Diakonie. Foto: Diakonie Bayern

Die finanzielle Lage ist beim alleinerziehenden Vater eines Sohnes und der 34-Jährigen, die mit ihren beiden Kindern ebenfalls alleine in Schweinfurt lebt, ausgesprochen angespannt. Beiden Familien konnte die 1993 von der Redaktion des Schweinfurter Tagblatts und der Diakonie gegründete Stiftung „Schweinfurt hilft Schweinfurt“ kürzlich aus ihren Notlagen helfen.

„Urheber“ war laut einer Pressemitteilung der Stiftung der Marsch nach Bonn. Die Metaller hatten bei ihrem spektakulären Protest 1993 unterwegs einige Tausend noch Deutsche Mark an Spenden erhalten. Das Geld sollte der Grundstock für die Aktion „Schweinfurt hilft Schweinfurt“ werden. Seit 2002 ist sie Stiftung. Seitdem sind durch eigene Veranstaltungen, Aktionen von Firmen und Nachlässe fast eine Million Euro zusammengekommen. Weit über 2000 Menschen, oft Familien, konnte geholfen werden, die großteils unverschuldet in eine Notlage geraten sind. Die einzelne Zuwendung liegt bei durchschnittlich rund 300 Euro.

Bei der turnusmäßigen Herbstversammlung haben Diakoniechef Jochen Keßler-Rosa als Mitglied des Vorstands und Kuratoriumsvorsitzende Christiane Michal-Zaiser diese 25 Jahre Revue passieren lassen. Die Schweinfurter Stadträtin und Rechtsanwältin hob die Nachhaltigkeit hervor, Keßler-Rosa freute sich - an die Bonnmarschierer erinnernd - vielsagend, dass diese damals zu den bis heute möglichen „guten Taten angestiftet haben“.

Waschmaschine finanziert

Wie in den beiden exemplarisch genannten Fällen. Der Verdienst des alleinerziehenden Vaters reicht zum Lebensunterhalt nicht aus, weshalb er aufstockend Arbeitslosengeld II durch das Jobcenter der Stadt Schweinfurt erhält. Bei ungeplanten Ausgaben steht kein Spielraum zur Verfügung. Als jetzt die Waschmaschine unerwartet ihren Geist aufgab, griff die von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit der Diakonie (KASA) angefragte Stiftung dem Vater durch die Finanzierung einer neuen Waschmaschine unter die Arme.

Geholfen wurde auch der zweifachen Mutter. Sie verlor aufgrund einer Stellenstreichung in ihrem Betrieb den Job, musste deshalb beim Jobcenter Arbeitslosengeld II beantragen, was die ohnehin schon enge Lage verschärfte. Die Strom- und Gasnachzahlung konnte sie noch begleichen, das dringend benötigte Kinderbett für Sohn und Tochter rückte aber in weite Ferne. Die Stiftung half der Frau nun doppelt. Sie kaufte ein Stockbett fürs Kinderzimmer und schickte einen Energieberater ins Zuhause der Kleinfamilie.

Eine solche Beratung namens „FIT beim Energiesparen - Energieberatung für einkommensschwache Haushalte“ bietet die Diakonie seit Jahren an. Dieses Projekt wurde durch die evangelische Landeskirche angestoßen und wird nun durch die Diakonie weitergeführt, die Stiftung unterstützt das Projekt aus ihrem Fonds mit jährlich 10.000 Euro. Auch 2019 wieder, lautet der aktuelle Beschluss des Stiftungsvorstands. Fürs Jahr 2017 liegen die Zahlen vor: In 79 von Stromsperren bedrohten Haushalten suchten und fanden die Energieberater die Stromfresser, die auch mit Unterstützung der Stiftung gegen neue Geräte ausgetauscht wurden, so die Mitteilung.

Hilfe von Energieberatern

Zum FIT-Projekt gehören auch Gespräche mit den Energieversorgern mit dem Ziel, drohende Energiesperren abzuwenden. Gleichzeitig prüft die KASA in diesen Haushalten die Bescheide der Leistungsempfänger der Job- und Sozialämter. „Die Energieberater entdeckten, dass viele Nebenkostenabrechnungen falsch sind“, berichtete der für die Verteilung der Gelder zuständige Stiftungsbeirat und Leiter der Sozialen Diakonie-Dienste, Uwe Kraus. Der in etlichen Fällen eingeschaltete Mieterverein habe schon vielfach Klientel bis zu den Gerichten begleitet.

Im Jahr 2017 half die Stiftung in 85 Fällen mit rund 13.000 Euro. 2018 wird das aufgrund der eingegangenen Spenden in Höhe von genau 13.990 Euro in der gleichen Größenordnung möglich sein. Keßler-Rosa hob die Spende der Paul- und Susi Hofmann-Stiftung von 4000 Euro hervor.

Die Anträge an „Schweinfurt hilft Schweinfurt“ kommen wie gehabt überwiegend von den Sozialdiensten der Wohlfahrtsverbände Diakonie, Caritas und Sozialdienst katholischer Frauen, von gesetzlichen Betreuern, pro Familia und den Migrationsberatungsstellen vom Paritätischen und dem Roten Kreuz. Auffällig sind die vermehrten Fälle vor allem junger Obdachloser, gemeldet von den Streetworkern des Hauses Marienthal. Als Grund nannte Kraus die „zunehmende Not, finanzierbaren Wohnraum zu finden“.

Wer helfen will: Konto "Schweinfurt hilft Schweinfurt" bei der Sparkasse Schweinfurt: IBAN DE15 7935 0101 0000 0323 26. Eine Spendenquittung wird auf Wunsch von der Diakonie ausgestellt.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Schweinfurt
  • Alleinerziehende Mütter
  • Arbeitslosengeld
  • Caritas
  • Diakonie
  • Evangelische Kirche
  • Jobcenter
  • Jochen Keßler-Rosa
  • Rotes Kreuz
  • Sparkasse Schweinfurt
  • Stadt Schweinfurt
  • Stiftungen
  • Waschmaschinen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!