SCHWEINFURT

Schweinfurt soll das deutsche Robotingzentrum werden

Die ehemalige Panzerhalle in Schweinfurt wurde von der Fachhochschule angemietet. Im Herbst soll dort ein 3D-Metalldrucker aufgebaut werden. Foto: Gerd Landgraf

Menschen kommunizieren mit Maschinen und Maschinen mit Maschinen – in der I-Factory, für die die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) zwar noch kein Gebäude, aber bereits ein Grundstück in der ehemaligen Panzerkaserne in Schweinfurt hat, soll das geschehen. Ein Konzept steht. Keine andere deutsche Hochschule hat Vergleichbares, weshalb man am Main hofft, Robotingzentrum zu werden.

Roboter mähen jetzt schon den Rasen und Saugen das Wohnzimmer. In 20 Jahren werden allenthalben Serviceroboter eingesetzt, sagt FHWS-Präsident Robert Grebner beim Gespräch mit dieser Redaktion und kündigt – als Beispiel – Roboter an, die im Team den Innenanstrich eines Rohbaus ausführen.

Forschungs- und Lernfabrik

Industrie 4.0 bietet revolutionäre Perspektiven. Die Produktivität soll erhöht werden. Auch viele neue Angebote und Dienste wird es geben, wenn Informations- und Datenverarbeitungsprozesse mit Maschinen verknüpft werden. Die FHWS will diese Zukunftstechnologie mit einer digitalen Forschungs- und Lernfabrik sowie mit dem bundesweit ersten Studiengang Roboting in der Region Schweinfurt etablieren (für Industrie, aber auch für das Handwerk mit seinen 18 000 Betrieben in Unterfranken).

Dafür soll auf dem Kasernengelände an der Niederwerrner Straße in Nachbarschaft zum I-Campus eine Fabrik mit Produktionsstätten (1000 Quadratmeter), Büros, Labors und Seminarräumen entstehen. Das Projekt soll vor allem durch Kooperationen mit der Wirtschaft funktionieren, wovon insbesondere Kleinunternehmen und der Mittelstand von Industrie und Handwerk profitieren werden, die das Knowhow der Professoren und Studenten nutzen wollen und sich Anschaffungen wie etwa die eines rund eine Million Euro teuren Metall-3D-Druckers nicht leisten können.

Computer mit Armen und Beinen

Zu testen wäre beispielsweise, wie sich Maschinen selbst organisieren, oder wie die Bandproduktion von Computern, Drohnen und Robotern als mobile Computer mit Sensoren, Armen und Beinen bewältigt wird. Chancen werden in der digitalen Produktion mit der für die Informationstechnik aufbereiteten Daten bei der flexiblen Fertigung und kleinen Stückzahlen gesehen. Zum Einsatz werden additive Verfahren kommen, bei denen auf der Basis von digitalen 3D-Konstruktionsdaten durch das Ablagern von Material schichtweise ein Bauteil entsteht (3D-Druck).

In der Praxis und gerade in den Anfangsjahren wird die intelligente Fabrik sich vielfach mit der Anpassung vorhandener Maschinenparks an das digitale Zeitalter befassen. Maschinen müssen internetfähig und informationstechnisch ansprechbar werden.

Die Konkurrenz schläft nicht

FHWS-Präsident Grebner betont, dass Asien und Amerika bei diesem Thema nicht schlafen, weshalb man schnell handeln müsse – und zwar in der Industriestadt Schweinfurt als künftiges Zentrum für die digitale Industrie. Und weil man weltweit wahrgenommen werden will, spricht er von der I-Factory, nicht von einem intelligenten Fertigungsbetrieb.

Eingerichtet wird die Fabrik nicht vor dem Jahr 2024 sein, weshalb bereits jetzt die alte Panzerhalle in der Kaserne (Bau 237) angemietet ist, die eine Hauptnutzfläche von 2600 Quadratmetern bietet, auf denen noch im Herbst ein Metall-3D-Drucker stehen soll.

Studiengang Roboting

Der zweite Aufschlag der FHWS in Richtung digitales Zentrum für Industrie und Handwerk ist die Bewerbung um Einführung eines in Deutschland völlig neuen Studiengangs, dem Roboting, dem Informatiker entwachsen, die in der Wirtschaft die digitale Technik einrichten und betreuen. Für diesen Studiengang braucht die FHWS einen weiteren Neubau, der auf dem Kasernengelände errichtet werden kann.

Präsident Grebner stuft die I-Factory als Sofortmaßnahme ein. Ruhiger will die FHWS das Thema Künstliche Intelligenz angehen, worunter das selbstständige Denken und Handeln von Maschinen verstanden wird. Die bislang als „intelligent“ gepriesenen Geräte simulieren zumeist nur und setzten auf einfache Algorithmen und damit auf eingegebene Einzelschritte, wie etwa bei Computerspielen.

Mehr Personal notwendig

Für die I-Factory wie auch für den Bereich Künstliche Intelligenz braucht die FHWS jetzt allerdings erst einmal – und zwar dringend – Personal. Damit liegt die Entscheidung über das Wachsen des Zentrums für digitale Industrie bei den Ministerien in München.

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