SCHWEINFURT

Schweinfurt und seine Amerikaner

Boxkampf: Walter Schunk vom FC Schweinfurt 05 und ein amerikanischer Sportler des 16. US-Infanterie-Regimentes. Foto: Sammlung Walter Schunk

Wenn Ende September der letzte Angehörige der US-Militärgemeinde in Schweinfurt das Licht ausmacht, geht eine Koexistenz zu Ende, die die Stadt über Jahrzehnte mitgeprägt hat. Wie bedeutend das Miteinander für sehr viele Menschen war, zeigte sich, als das Schweinfurter Tagblatt einen Aufruf veröffentlichte: Leser sollten von ihren Erinnerungen an die Amerikaner berichten. Es bedurfte nur dieses einen Aufrufs, um die Kunsthistorikerin Daniela Kühnel über Wochen und Monate zu beschäftigten. Kühnel erarbeitet derzeit die nächste Ausgabe der Ausstellungsreihe „Made in Schweinfurt“, die diesmal den Titel „Schweinfurt und seine Amerikaner“ trägt und vom 24. Juli bis 20. September in der Glashalle am Konferenzzentrum zu sehen sein wird (mehr dazu in der nächsten Ausgabe).

„Es hört einfach nicht auf“, erzählt Kühnel. In stetem Strom geben Menschen in der Kunsthalle Fotos und Briefe für sie ab, bitten sie zu sich nach Hause oder ins Café, um ihre Geschichten zu erzählen. Bis nach Hawaii sind Kontakte entstanden. Der Katalog wird 150 Seiten umfassen, schließlich müssen die Zeugnisse von rund 60 Personen gewürdigt werden, nicht zu reden von einer Fülle nie zuvor veröffentlichter Bilder.

Dabei wird ein bedeutender Abschnitt Zeitgeschichte deutlich – von der Besatzungszeit mit Entnazifizierung und Demokratisierung über den Alltag einer Garnisonsstadt, die Entdeckung des „American Way of Life“, die Amerikaner als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor bis hin zum Abzug und den Konversionsplänen der Stadt.

Kurz nach dem Krieg lag es nahe, den Kontakt über den Sport zu suchen. Man begegnete sich, etwa beim Boxen, im fairen Wettkampf auf Augenhöhe. Mit Großgerät halfen die Amerikaner Gelände für Schulneubauten oder Sportplätze einzuebnen, nicht selten quartierte sich eine Abordnung wochenlang bei Familien in einem Ort ein. So entstanden schnell Kontakte und Freundschaften.

Mode, Musik und Gastronomie bildeten weitere Anknüpfungspunkte. Dass Johnny Cash da war, ist erwiesen und dokumentiert. Es halten sich Gerüchte, auch Elvis habe mal in Schweinfurt vorbeigeschaut, allerdings nur als Gast. Vielleicht fällt der entscheidende Hinweis Daniela Kühnel ja bis zur Eröffnung der Ausstellung in die Hände.

Begegnungen: amerikanische GIs und deutsche Kinder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Sammlung Dieter Schorn

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