Schweinfurt

Schweinfurter Autoren: So ist das Leben und die Literatur

Vielseitige Texte präsentierte die Schweinfurter Autorengruppe bei ihrer Gala in der Disharmonie. Alles andere hätte auch überrascht, denn unterschiedlich sind auch sie.
Moderatorin Johanna Bonengel stellte die Autorinnen und Autoren der SAG vor V..l. Peter Hub, Hanns Peter Zwißler, Musiker Mad Bob, Renate Eckert, Linde Unrein, Günter Hein, Joachim Engel, Anika Peter.
Moderatorin Johanna Bonengel stellte die Autorinnen und Autoren der SAG vor V..l. Peter Hub, Hanns Peter Zwißler, Musiker Mad Bob, Renate Eckert, Linde Unrein, Günter Hein, Joachim Engel, Anika Peter. Foto: Charlotte Wahler

Es ist immer wieder überraschend, was so alles auf die kleine Bühne der Disharmonie passt – ein Flügel, ein Lesetisch, ein Teppich, zwei Bistrotische, schmal, aber präsent die Moderatorin Johanna Bonengel, der Mann am Klavier Mad Bob, die Chansonette Elke Neugebauer und natürlich nacheinander die sieben Autorinnen und Autoren der SAG, der Schweinfurter Autorengruppe.

Die Gala im vollen Saal der Disharmonie stand unter dem Motto "So oder so ist das Leben" und damit startete die Sängerin stimmgewaltig. Günter Hein erzählte passend zur Jahreszeit eine Geschichte, in der ein Schirm als Mittel der Überwindung natürlicher Prozesse zum Begründer von Kultur wird. "Regen, der das Grau schraffiert" fällt auf den Protagonisten, der immer wieder seinen liegengelassenen Schirm findet, "Knirps, schwarz, höchstens ein bisschen Anthrazit" – ob es nun sein eigener ist oder nicht. Er hilft galant seinen Mitmenschen aus der Nässe und stellt so charmant die Frage nach Eigentumsbegriffen neu.

Linde Unrein, die laut Bonengel als Ärztin, Malerin und Schreiberin ein "grenzüberschreitendes Multitalent" ist, nahm die Zuhörenden mit ihrem Text Panorama oder Requiem für Andi mit auf einen Weg in weite Erinnerungen, "Schrittchen machen in etwas, was man Landschaft nennen könnte." Lakonisch erzählte sie von der Liebe, vom Stehen im blauen Kleid vor blauem Himmel, von Fischen und von der Kindheit. Und aus allem entsteht eine Trauer, die tröstet, so als "wenn sich etwas festsetzt wie Heilkräuter für deine späteren Wunden".

Satire, Musik und ein Blick in einen neuen Roman

Die Fähigkeit, spazieren zu gehen in den Gedankengängen anderer, die ja gute Literatur auszeichnet, vermittelte auch Hanns Peter Zwißler, der in seiner Satire "Das ewige Leben" auf die Fallstricke des Reichtums und der Verwandtschaft aufmerksam machte. Der reiche Onkel Bernhard, der nach einem Schlaganfall im Koma liegt, bekommt täglich aus einer Abfindung zirka 4000 Euro, denn er hat als Konzernlenker einen großen Reichtum geschaffen. Seine Pflegekraft aus Rumänien bekommt täglich 53 Euro, und so lässt die Familie die Patientenverfügung klammheimlich wieder im Safe verschwinden und den Onkel zwangsweise am Leben. "Abschalten – ein böses Wort, aber es trägt zur Klarheit bei."

Zwischen den Lesungen lieferte Hub passende Musikstücke, mal leise, mal temperamentvoll,  und Neugebauer stimmte nach der Pause das Publikum ein: Für mich soll´s rote Rosen regnen. Aber ganz ans andere Ende der Rosenzeit brachte Renate Eckert die Zuhörer. In ihrem neuesten Krimi Schweigegebot befasste sie sich mit dem Mißbrauchsskandal in Eschenau. Pfarrhofen heißt der fiktive Ort ihres Romans und es soll hier auch nichts über den Inhalt erzählt werden, denn Eckert stellt den Roman am Mittwoch, 27. November, um 19.30 Uhr in der Buchhandlung Collibri vor. Nur soviel: Das Publikum zeigte sich sehr betroffen von den vorgelesenen Seiten.

Ein Journalist rastet aus

Peter Hub dagegen produzierte mit seiner Groteske Fritz Kaspers Mysterium wieder Lacher. Er erzählte die Geschichte eines moralisch sehr engagierten Journalisten, der seine Texte am nächsten Tag völlig sinnentstellt in der Zeitung findet – und der dann doch schlägt und vergewaltigt. Das Thema Lügenpresse findet hier passenden Ausdruck. Anika Peter, jüngstes Mitglied der Gruppe, kommt aus der Poetry-Slam-Szene, und das drückte sich auch in der  wunderbaren Poesie und Sprachmelodie ihrer Geschichte aus – Janusköpfigkeit, eine Obdachlose und eine erfolgreiche Frau – beide wollen ans Meer, "in das tiefe Blau der Welt", und sind vielleicht doch ein und dieselbe Person?

Joachim Engel, im wirklichen Leben Polizeibeamter, las seine Kurzgeschichte Sebastian – nachdenklich. Ein Polizist macht sich tiefe Gedanken über die Belastungen seiner Arbeit und beschließt, Eremit zu werden. Zuhause angekommen, von seiner Frau begrüßt, lässt er sich doch wieder einladen auf ein Glas Rotwein mit Freunden. Der fränkische Dichter Jean Paul hat einmal gesagt: "Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde." In gewissem Sinne hat der Abend dies bestätigt.

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