Schweinfurt

Schweinfurter Hobbyfilmer lässt Ghostbusters wieder auferstehen

Ein Schweinfurter dreht einen Stop-Motion-Fanfilm zu "Ghostbusters". Warum das sehr aufwändig ist und wieso Jürgen Kaiser in der Szene einen guten Ruf hat.
Im Feuerwehrhaus: Szene aus Jürgen Kaisers Stop-Motion-Fanfilm zu "Ghostbusters" mit der Actionfigur, die dem Schauspieler Dan Aykroyd aus dem Originalfilm nachgebildet ist. Foto: Jürgen Kaiser

Der erste Trailer ist schon vielversprechend: Das computeranimierte Ghostbusters-Monster "Slime" marschiert durch New York, im Hintergrund läuft der bekannte Ghostbusters-Song, dann kommen die Actionfiguren ins Bild. Die Geisterjäger müssen los, ihr Einsatz ist gefragt, klassisch geht's die Stange im Feuerwehrhaus hinunter, wo Ecto-1, das berühmte Ghostbusters-Auto schon wartet. 

Der Schweinfurter Stop-Motion-Filmer Jürgen Kaiser arbeitet weiter fleißig an seinem neuen Projekt, einem Fanfilm zu „Ghostbusters“. Jetzt sind fast alle Kulissen im Maßstab 1:18 fertig, das Drehbuch auch, er und sein Team haben begonnen die ersten Szenen zu drehen.

Bei Stop-Motion ist das sehr aufwändig, denn es werden bis zu 30 aneinandergereihte Einzelbilder fotografiert und bilden eine Sekunde Film. Millimeter für Millimeter verschiebt Kaiser seine „Schauspieler“ – 30 Zentimeter große Actionfiguren, die den Schauspielern Bill Murray, Dan Aykroyd und Harold Ramis aus den Original-Filmen extrem ähnlich sehen – um eine Bewegung entstehen zu lassen. Bei Dialogen werden die Münder durch Computer-Bearbeitung bewegt. Eine Sekunde Film verschlingt rund eine Stunde Drehzeit.

Mister Cool, im Original wie in Stop-Motion: Die Actionfigur von Bill Murray alias Geisterjäger Peter Venkman. Foto: Jürgen Kaiser

Kaiser hat in der Szene deutschlandweit einen guten Ruf. Nach dem Erfolg seines Fanfilms „Star Trek Enterprise II: Der Anfang vom Ende“ in Stop-Motion-Technik, der im Sommer 2016 im Weltbio-Kino in Schweinfurt Premiere hatte, arbeitet er nun seit über zwei Jahren an seinem „Ghostbusters“-Projekt.

1984 kam der erste Teil des Kultfilms mit Dan Aykroyd und Bill Murray in die Kinos, seine Strahlkraft hat er nicht verloren. Für Kaiser ist es "ein Klassiker aus meiner Kindheit“, er freut sich schon auf den für diesen Sommer geplanten neuen Teil im Kino, bei dem die altgedienten Ghostbusters wieder auferstehen.

Detailreich und akribisch: Blick ins Innere des Feuerwehrhauses, das Jürgen Kaiser für seinen Fanfilm nachgebaut hat. Foto: Jürgen Kaiser

Rund 40 Minuten dauert Kaisers Stop-Motion-Film mit eigener Story, über deren Inhalt er nicht zu viel verraten will. Kaisers Filme bestechen vor allem durch Liebe zum Detail und Akribie. Als sein über einen Meter hoher maßstabsgetreuer Nachbau des legendären New Yorker Feuerwehrhauses, in dem die Ghostbusters im Film residieren, fertig war, sorgte er für Aufsehen, wurde unter anderem auf der ComiCon in Stuttgart gezeigt und soll auch auf einer solchen Messe in Österreich Ende des Jahres noch einmal ausgestellt werden.

Die Feuerwache ist, das wissen Ghostbusters-Fans, das wichtigste Gebäude, und Kaisers Version ist beeindruckend: Aus Holz, Papier und Pappmaschée, innen mit den typischen gekachelten Säulen und außen der bekannten New Yorker Backstein-Optik.

Ghostbusters-Fanklub freut sich auf Stop-Motion-Film

Kaiser ist in Kontakt mit dem deutschen Ghostbusters-Fanklub, der begeistert ist von seinem Stop-Motion-Film-Projekt. Allerdings müssen sich die Fans noch gedulden, wohl zwei weitere Jahre wird das Filmen in der Freizeit noch in Anspruch nehmen, bis der Film fertig ist. Denn neben den Stop-Motion-Aufnahmen gibt es zahlreiche computeranimierte Szenen, natürlich wird neueste 4K-Technik verwandt.

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Durch die 4K-Technik filmt Kaiser in extremer Detailschärfe. Seine Akribie beim Recherchieren und vor allem sein Talent als Kulissenbauer kommen ihm zu Gute: Billardtisch mit Kugeln, ein Flipperautomat, Twinkies im Kühlschrank, Marshmallows mit dem Marshmallow-Mann auf der Packung, Kalender aus dem Jahr 1987, denn da lässt Kaiser seinen Film spielen.

Er hat im Internet recherchiert, ausgedruckt, was er aus den 1980er-Jahren gefunden hat. Die "Kontinuität wahren“, nennt das der Filmemacher, der sich als „immer sehr genau und penibel“ beschreibt. Kacheln und Fliesen zum Beispiel sind auf Fotopapier ausgedruckt und aufgeklebt, bei entsprechenden Blickwinkeln fällt es so ziemlich schwer, das Ghostbusters-Modellauto nur als Modell des legendären Ecto-1 in der Garage wahrzunehmen.

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Gefunden sind mittlerweile auch die professionellen Synchronsprecher: Tobias Diakow, Stephan von Decken und Stefan Sattler sind mit an Bord, bewarben sich bei einem Casting für die Rollen und wollten unbedingt Teil des Projekts sein.

Liebe zum Detail: Für seinen Ghostbusters-Fanfilm hat sich Jürgen Kaiser beim Kulissenbau exakt an Vorlagen aus den 1980er-Jahren gehalten. Foto: Oliver Schikora

Computeranimierte Stadt schon weit gediehen

Die städtische Umgebung wird für den Film computeranimiert erstellt, auch hier mit viel Liebe zum Detail. Die ließen Kaiser und sein Team – das selbe wie beim Star-Trek-Erfolg – nicht nur beim animierten grünen Monster Slime, walten, auch der berühmte Marshmallow-Mann ist toll geworden. Freuen darf man sich auch auf die Fahrt von Ecto 1 über die Brooklyn Bridge zum Einsatz.

Schon über 900 000 Clicks auf Youtube

Während Kaiser sich nun voll seinem neuen Projekt widmet, läuft das alte Star-Trek-Projekt nach wie vor gut. Auf dem Internet-Videokanal Youtube wurde der Film bereits über 920 000 Mal angeschaut und 4800 Mal mit Gefällt mir beurteilt. Anfang 2017 wurde der Star-Trek-Film im Fernsehen auf Tele 5 gezeigt, das war Teil des Gewinns in der Hauptkategorie des Camgaroo Award, den Kaiser im Herbst 2016 in München gewann.

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