Schweinfurt

Schweinfurter Schachjugend: Spaß am Spiel der Könige

Serie "Wir sind der Stadtjugendring": Schach ist mehr ist als einfach nur ein Brettspiel. Warum mitunter sogar die Mathe-Note  vom Spiel der Könige profitiert.
Sieht richtig schick aus, so ein Schachfiguren-Set in Pink. Kiara, Maria und Isabella, die hier von Laura Schalkhäuser (hinten links) unterrichtet werden, hätten aber auch Spaß am Schach, wenn es nur traditionell gefärbte Figuren gäbe. Foto: Helmut Glauch

"Ich mag Schach, weil es da um Strategie geht und man immer wieder neu kombinieren muss." Linus weiß wovon er spricht, ist der 11-Jährige doch eines von gut 30 Kindern und jungen Erwachsenen im Alter von sechs bis 20 Jahren, die beim Schachklub 2000 in Schweinfurt, dem mitgliederstärksten Schachverein in Unterfranken, die Nachwuchsabteilung mit Leben erfüllen. Mit seinem ein Jahr älteren Schachpartner Igor hat er sich am Brett niedergelassen und grübelt schon mal über die heute passende Eröffnung nach. Auch Igor mag das Taktieren und die endlose Vielfalt dieses uralten, aber topmodernen Spieles.   

Den kriegst du nicht: Igor (links) und Linus sind bereit für ihre Trainingspartie und präsentieren ihre Könige. Foto: Helmut Glauch

Aber nicht nur deshalb – schließlich könnte man Schach ja auch am Computer oder auf dem Handy spielen – kommt er immer am Freitag um 17 Uhr in das Schachzentrum im ersten Stock der alten Spinnmühle gleich an der Maxbrücke. Gemeinsam am Brett sitzen, richtige Figuren in der Hand haben und mit Freunden  spielen, dass ist der wahre Spaß am Spiel der Könige. Das gilt wohl auch für die Brüder Hannes (8) und Kilian (7) am Nebentisch, denen ihr Vater Stefan Dütsch bei der Eröffnung ihrer Partie über die Schulter schaut. Beide haben trotz ihrer noch jungen Schachspielerlaufbahn schon einige Preise und vordere Plätze bei Meisterschaften in ihrer Altersklasse geholt. Der Spielabend am Freitag ist gleichzeitig ein letztes Training, denn schon am nächsten Tag geht es zu einer bayerischen Meisterschaft.

Ein gutes Training für das Gehirn 

Zug um Zug zum Erfolg. Hannes (links) und Kilian Dütsch, sind zwar erst 8 und 7 Jahre alt, haben aber schon manchen Preis und Pokal geholt. Foto: Helmut Glauch

Das geistige Jonglieren mit Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten scheint sich auch für die Schule auszuzahlen. "In Mathe eine 1", berichten Igor und Linus. Manchmal werden die jungen Gymnasiasten von Mitschülern eingeladen, damit sie denen am Nachmittag Schach beibringen und sie erzählen noch, gegen wie viele Familienmitglieder sie schon alles gewonnen haben.       

Es geht fröhlich zu und lebhaft in den altehrwürdigen Räumen in der Spinnmühle. Das Trainer- und Betreuer-Trio, bestehend aus Wolfgang Kassubek, Fred Reinl und Erich Feichtner, wacht darüber, dass die nötige Ruhe zur Konzentration auf das Spiel einkehrt.  Ruhe gibt es reichlich in einem weiteren Raum, in dem sich Betreuerin Laura Schalkhäuser mit den Mädchen zum Training niedergelassen hat. Anfänger trainieren nach Geschlechtern getrennt, denn es scheint so, dass Mädchen anders an das Spiel herangehen. Und tatsächlich, im Trainingsraum der Mädchen würde man eine Stecknadel zu Boden fallen hören. Kiara, Maria und Isabella (11) sitzen voll konzentriert an ihren Brettern, um ja nichts falsch zu machen, wenn sie ihre Pink-Damen übers Feld ziehen.

Dame in Pink

Pink? Ja, es gibt tatsächlich "Mädchen-Schachfiguren", die von der Farbgebung her ein wenig an die rosarote Welt der Einhörner und Prinzessinnen erinnern. Doch das ist nur der äußere Schein, auch in der Pink-Lack-Version geht es darum, den König zu schützen und die Läufer auf die Reise zu schicken. "Nichts ist Glückssache, man muss selbständig schauen, wie man zum Erfolg kommt", meint Kiara und macht damit klar, was für sie den Unterschied des Schachspiels im Vergleich mit einem Kartenspiel ausmacht.         

Ein ganzer Karton voller Schachuhren. Beim Blitzschach ist Schnelligkeit Trumpf. Dann kommen die Uhren zum Einsatz. Foto: Helmut Glauch

Dieses strategische Denken weiß auch Jugendbetreuer Wolfgang Kassubek zu schätzen. Seit gut 40 Jahren bringt er Kindern die Grundlagen des Schachspiels bei, hat selbst mit 16 angefangen und  es 1978 zum Schulschachmeister des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums gebracht. Sein erster Erfolg.

Manche Schulen entdecken Schach für den Unterricht

Heute ist es wieder zunehmend im Trend, dass an Schulen Schach gespielt wird. So arbeitet der Schachklub 2000 Schweinfurt e.V mit der Montessori-Grundschule zusammen. Im Juli fand dort ein Turnier mit 41 Kindern statt. Verbesserte Konzentration, bessere räumliche Vorstellung, strategisches Denken und im Idealfall bessere Mathematik-Noten können die Folgen sein, sagen Kenner.   

Am Schachbrett für vier Mitspieler: Wolfgang Kassubeck, Laura Schalkhäuser, Erich Feichtner, Fred Reinl und Stefan Dütsch (von links) führen den Schachnachwuchs in die Grundlagen des Sports ein. Foto: Helmut Glauch

Doch Schachspieler lernen lebenslang, schiebt Kassubek nach. Kein Spiel ist wie das andere. Geübten Schachspielern, die ihre Konzentration geschult haben, gelingt es sogar eine Partie zu gewinnen, ohne dass sie an einem Schachbrett sitzen – einfach indem sie sich die Partie vorstellen, die der Gegner  am Brett spielt, während sie Zug um Zug in ihrem Kopf wie auf einer Festplatte abspeichern.  

Jetzt aber ranhalten: Start des Blitzschach-Turniers nach der Trainingsstunde. Foto: Helmut Glauch

Davon ist die Schachjugend noch ein paar Trainingsabende entfernt. Bevor an diesem Abend ein Blitzturnier beginnt, an dem sich auch die Fortgeschrittenen beteiligen, ist erst mal eine Siegerehrung angesagt.  Unter Leitung von Kassubek spielten im Juli 31 Kinder nicht nur Schach, sondern auch Boule und Minigolf. Deshalb hieß der Wettbewerb Schach-Triathlon, wofür es an diesem Abend Urkunden und kleine Preise gibt. Auch sonst ist recht viel los beim SK 2000, der gut 130 Mitglieder hat (70 davon unter 25 Jahren).  So gelang es zum Beispiel erst im Juli den hoffnungsvollen Dütsch-Brüdern Hannes und Kilian, den Nachwuchs der Schachabteilung vom großen FC Bayern München vom Brett zu fegen. Die Schach-Bayern hatten auf ihr neues Gelände im Münchener Norden, den FC Bayern Campus geladen, um im Rahmen des Kids & Teens Cup die besten Schachspieler Bayerns zu ermitteln.  In der Kategorie U8 und verstärkt durch zwei weitere junge bayerische Talente, ließen sie sich als "Schachfreunde Bayern" nicht die Butter vom Brot nehmen.    

Einfach vorbeischauen und reinschnuppern

Schach bringt Freude und schafft Freundschaften. Wer mitmachen will, schaut einfach und unverbindlich am Freitag um 17 Uhr im Trainingsraum in der alten Spinnmühle vorbei. 

Mit Schach in Bewegung bleiben. Beim Schach-Triathlon wurden nicht nur die Figuren über das Brett geschoben, es wurde auch Boule und Minigolf gespielt. Dafür gab es kleine Preise und Urkunden. Foto: Helmut Glauch
Serie: Wir sind der Stadtjugendring
Rund 40 Vereine, Verbände und Jugendorganisationen gehören dem Schweinfurter Stadtjugendring an. Im Rahmen dieser Serie wollen wir die SJR-Mitglieder vorstellen. Gerne kommen wir zu Fest, Gruppenstunde oder Übungsnachmittag oder anderen passenden Gelegenheiten, um über die dort geleistete Jugendarbeit zu berichten. Anfragen und Terminvorschläge unter redaktion.schweinfurt@mainpost.de

Rückblick

Schlagworte

  • Schweinfurt
  • Helmut Glauch
  • Brettspiele
  • FC Bayern München
  • Freude
  • Jugendorganisationen und Jugendeinrichtungen
  • Kartenspiele
  • Kinder und Jugendliche
  • Mädchen
  • Prinzessinnen
  • Schachclubs und Schachvereine
  • Schachspieler
  • Schachsport
  • Stadtjugendring Schweinfurt
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!