Schweinfurt

Schweinfurter Sportpädagogin Karin Schaffner wird 80

Die ehemalige Stadträtin feiert am Dienstag, 7. April, ihren 80. Geburtstag. Warum man sie als erste Grüne innerhalb der SPD bezeichnen kann.
In der Christuskirche hat Karin Schaffner den Bewegungskindergarten ins Leben gerufen. Das Foto stammt aus dem Jahr 2008. 
In der Christuskirche hat Karin Schaffner den Bewegungskindergarten ins Leben gerufen. Das Foto stammt aus dem Jahr 2008.  Foto: Fuchs-Mauder

Die etwas Älteren erinnern sich vielleicht. An die prächtige Kastanie am Postplatz, die Ende der 1980er-, Anfang 1990er-Jahre gefällt werden sollte, als die Ostseite des Platzes mit Wohn- und Geschäftshäusern und der Markthalle bebaut wurde. Die Markthalle ist Geschichte, die Kastanie steht noch. Gemauert wurde um sie herum, weil die damalige Stadträtin Karin Schaffner mit viel Herzblut für ihren Erhalt gekämpft hatte.

1972 war sie in den Stadtrat gekommen, ihm gehörte sie vier Perioden bis 1996 an. Ausgeschieden ist sie mit gerade einmal 56 Jahren, auch weil sie mit der Politik ihrer Partei, der SPD, nicht so ganz einverstanden war, vor allem jedoch, weil sie ein neues Betätigungsfeld gefunden hatte, das sie deutschlandweit und darüber hinaus zur gefragten Expertin und Referentin machte, wo von noch zu sprechen sein wird.

1971 war sie, die aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie stammte, in die SPD eingetreten. "Wegen Willy Brandt", sagt sie heute. Mit der Kommunalpolitik konnte sie zunächst nicht allzu viel anfangen, wurde jedoch auf Drängen des damaligen Bürgermeisters Herbert Müller erfolgversprechend für den Stadtrat nominiert. Und gewählt.

Dort war die Kultur ihr erster Schwerpunkt. Nur einige ihrer Initiativen: Im Ausstellungsbeirat setzte sie gegen einigen Widerstand durch, dass erstmals eine Frau bei den Städtischen Sammlungen ausstellen konnte.  Für die Museumspädagogik hat sie sich eingesetzt, der Kunstförderpreis geht auf ihre Initiative zurück.

Sport und Gesundheit sind ihr ein besonderes Anliegen

Sport und Gesundheit sind der ehemaligen Leistungsturnerin ein besonderes Anliegen. Dass im Krankenhaus nicht mehr geraucht werden durfte und Vollwertkost Einzug hielt, hält sie sich zu Gute. Das Rauchverbot bei den Fraktionssitzungen hat ihr nicht nur Freunde gemacht. Als sie den Verkauf von Federweißen beim Stadtfest an Jugendliche anprangerte, wurde sie verklagt. Erfolglos. Stolz ist Karin Schaffner noch heute auf den Aufsatzwettbewerb "Mein Leben in Schweinfurt", der sich an Kinder von Immigranten richtete. "Das Schulamt war nicht begeistert", erinnert sie sich. 1994 wurden 500 Aufsätze eingereicht.

Dann die Kastanie. Die Umwelt liegt ihr am Herzen. Sie sieht sich als Grüne, "bevor es die Grünen überhaupt gab". Die inzwischen abgeschaffte Baumschutzverordnung geht mit auf sie zurück. Nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl hat sie sich in der Bürgeraktion Ba-Bi engagiert, öffentlich Stellung bezogen.

Am 7. April 1940 in Wipperfürth (Nordrhein-Westfalen) geboren, ist Karin Binder als kleines Mädchen nach Schweinfurt, genauer nach Oberndorf gekommen. Als Älteste von fünf Geschwistern war das gewünschte Sportstudium nicht möglich. Mit Metallurgie hat sie sich bei SKF beschäftigt. Ganz zufrieden war sie mit der Berufswahl jedoch nicht. Darum ließ sie sich zur Erzieherin ausbilden.

Karin Schaffner. 
Karin Schaffner.  Foto: Rohr

Als Übungsleiterin bei der Turngemeinde hat sie sich um das Kinderturnen gekümmert und dies zum Erlebnisturnen erweitert. Das war nicht einfach in einer Zeit, "als das Leistungsturnen noch dominierte", erinnert sie sich.

Dieses Erlebnisturnen übertrug sie schließlich in den Kindergarten. An der Christuskirche entstand der erste Bewegungskindergarten, der die Kinder spielerisch an den Sport heranführt. Schnell wurde er beispielhaft für viele andere Kindergärten. Die Zahl der fachkundigen Besucher wuchs in den 1990er-Jahren ständig. Schon bald wurde Karin Schaffner zu Fachtagungen und Kongressen eingeladen. Eine Tätigkeit, die immer mehr Zeit in Anspruch nahm. Schaffner schrieb Bücher, für Erwachsene und Kinder. Dass ihr vielfältiges Engagement auf fruchtbaren Boden fiel, kam nicht zuletzt mit vielen Auszeichnungen zum Ausdruck. Erwähnt seien nur die Stadtmedaille in Gold und die Bundesverdienstmedaille.

Vor zwei Jahren hat Schaffner einen Schlaganfall erlitten, ihn inzwischen aber gut überwunden. Und so gibt sie heute noch, donnerstags, ihre Gymnastikstunden in der Turngemeinde; wo ihr 25 bis 30 Senioren die Treue halten.

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