Schweinfurt

Schweinfurts OB-Kandidaten: Kennt Remelé das SPD-Programm nicht?

Wenig Neues gab es bei der Podiumsdiskussion, zu der Integrations-, Behinderten- und Seniorenbeirat eingeladen hatten. Die Überraschung des Abends kam kurz vor Schluss.
Zeitweise durchaus angriffslustig präsentierten sich die Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters – Marietta Eder (SPD), Holger Laschka (Bündnis 90/Die Grünen) und Amtsinhaber Sebastian Remelé – bei der Podiumsdiskussion im Pfarrzentrum St. Kilian.
Zeitweise durchaus angriffslustig präsentierten sich die Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters – Marietta Eder (SPD), Holger Laschka (Bündnis 90/Die Grünen) und Amtsinhaber Sebastian Remelé – bei der Podiumsdiskussion im Pfarrzentrum St. Kilian. Foto: Martina Müller

Es sind die letzten Minuten der Podiumsdiskussion im katholischen Pfarrzentrum St. Kilian am Donnerstagabend, die einiges mehr über die Kandidaten verraten als die bekannten Positionen zu den bekannten Themen. "Was schätzen Sie am jeweils anderen, am Wahlprogramm des Kontrahenten, der Kontrahentin", fragt Norbert Steiche, der den Abend moderiert, zu dem Integrations-, Senioren- und Behindertenbeirat der Stadt eingeladen hatten. 80 Besucher sind gekommen, viele davon sind Unterstützer, Parteikollegen, Beiräte. Gespannte Blicke aufs Podium, vor dem zwei Kameras stehen. Die Diskussion wird live gestreamt, damit alle, die nicht dabei sein können, den Abend live verfolgen können, hatte Diakon Norbert Holzheid am Anfang erklärt.

Also dann, was schätzt man aneinander? OB Sebastian Remelé darf den Anfang machen, wie so oft an diesem Abend – und überrascht. Zum Wahlprogramm der SPD könne er nicht viel sagen, das sei ihm "noch nie begegnet" oder "zugänglich gemacht" worden. Das überrascht nicht nur die OB-Kandidatin der SPD, Marietta Eder, die eben an diesem Abend auf ihre Homepage verwiesen hatte, die in leichter Sprache, in Englisch und in Russisch sozusagen barrierefrei das Wahlprogramm der SPD präsentiere. Auch Grünen-Kandidat Holger Laschka, bei dem Remelé  dann doch "viele Schnittmengen findet", stutzt. Um dann trocken festzustellen, dass man "auf das Wahlprogramm der CSU am längsten gewartet" habe.

Was schätzt Laschka an der CSU, an Remelé? Die Projekte, die in Sachen Integration und Klimaschutz auf den Weg gebracht worden seien, auch wenn man da "noch mehr tun" könne. Marietta Eder und die SPD beneidet Laschka fast darum, dass die in ihrem Programm den Begriff "Schwammstadt" drin stehen hätten – und die Grünen nicht. Auch wenn die ebenfalls eine Entsiegelung der Stadt, damit Böden wieder Wasser aufnehmen können, das Klima in den immer heißer werdenden Sommern kühler wird, mehr Grün in der City und andere Projekte für das Klimakonzept der Zukunft ganz oben auf ihrer Agenda stehen hätten.  

Marieta Eder lässt sich von dem Seitenhieb des amtierenden  OB nicht wirklich aus dem Konzept bringen – und nennt prompt das, was sie an Remelé schätzt: Seine öffentliche Absage für eine Zusammenarbeit mit der AfD, kurz nach Wahldebakel in Thüringen. Bei den Grünen muss Eder nicht lange überlegen, es gibt – wie sich auch im Verlauf des Abends immer wieder zeigte – einige Punkte, in denen sich die Politik und Programme nahe sind. Neben dem Klima zum Beispiel in Sachen Nahverkehr.

30 Minuten für jeden Kandidat – die Stoppuhr läuft

Auch der ist ein Thema des Abends, der unter dem Strich wenig Neues bringen wird. Die Positionen sind bekannt. Die Argumente, an denen man sich gegenseitig reibt, auch. 30 Minuten hat jeder Kandidat. 30 Minuten, in denen er oder sie seine/ihre – von Steiche immer wieder nachgefragten – "Visionen" zu den Themenblocks Wohnen, Nahverkehr, Klimaschutz und Unterstützung von Integration und Migranten darlegen kann. Seitenhiebe gibt es, auch Spitzen an das Gegenüber, der Tonfall wirkt schärfer als noch vor einigen Wochen bei der Podiumsdiskussion dieser Redaktion.

30 Minuten Redezeit gab es für jeden, die Stoppuhren am Handy liefen mit.
30 Minuten Redezeit gab es für jeden, die Stoppuhren am Handy liefen mit. Foto: Martina Müller

Die meisten Emotionen und Streitpunkte gibt es beim Thema Wohnen, auch wenn die Positionen nach wie vor die gleichen sind: Grüne und SPD unterstützen das Bürgerbegehren, das 600 Sozialwohnungen in den nächsten Jahren fordert, Eder und Laschka argumentieren mit den Fördermöglichkeiten, die die Stadt nutzen könnte und müsste. Remelé zählt auf, was gebaut und was geplant ist – genug in seinen Augen. Den Hinweis auf den niedrigen Mietspiegel kontert Laschka: Der niedrige Durchschnittspreis entstehe durch Wohnungen, deren Zustand "unterirdisch" sei, schlecht gedämmt, mit hohen Nebenkosten oder einfach so heruntergekommen, dass in ihnen zu wohnen, "die Hölle" sei.

Keine Zeit für Fragen aus dem Publikum

Fragen aus dem Publikum gibt es an diesem Abend nicht. Nach etwa zwei Stunden ist die Zeit "weit fortgeschritten", wie Steiche sagt. Seine Bitte: Wer etwas von den Kandidaten wissen will, soll das persönliche Gespräch im Anschluss suchen.

Fazit: Keine Podiumsdiskussion der Überraschungen. Auch hier ging es ums große Ganze, nicht um das, was Senioren, Migranten oder Menschen mit Handicaps vielleicht besonders hätte bewegen können. Erlebt hat das Publikum an diesem Abend einmal mehr drei Politiker, die unterschiedlicher nicht sein könnten. 

Rund 80 Menschen waren zu der Podiumsdiskussion ins Pfarrzentrum gekommen. Moderiert hat sie Norbert Steiche.
Rund 80 Menschen waren zu der Podiumsdiskussion ins Pfarrzentrum gekommen. Moderiert hat sie Norbert Steiche. Foto: Martina Müller

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