Gerolzhofen

Scotty Riggins: ein Wohnzimmerkonzert zum Wohlfühlen

Vollblut-Auftritt: Scotty Riggins, der im Theaterhaus mit einer Zusammenstellung von Country, Blues und Folk auftrat.
Vollblut-Auftritt: Scotty Riggins, der im Theaterhaus mit einer Zusammenstellung von Country, Blues und Folk auftrat. Foto: Anne Bauerfeld

Scotty Riggins im kleinen Theaterhaus, wenn das nicht nach „Wohnzimmerkonzert!“ schreit, dann wohl gar nichts.

Wohnzimmerklein und wohnzimmergemütlich ist es im altrosafarbenen Haus in der Marktstraße, in dem der amerikanische Barde locker, leicht und lässig auf der Bühne stand. Scotty Riggins ist ein Name in der Region. Countrys, Folk und Blues liegen ihm im Blut, in der Seele und in den Fingern. Und wer Scotty kennt, weiß, dass ein Abend mit ihm natürlich nicht nur ein Konzert, sondern auch Heimatkunde, Instrumentenkunde und persönliche Entwicklungsgeschichte ist. Sei es nun durch Lieder, wie dem über seine erste Gitarre, seine Six String Silvertone von Sears & Roebuck, oder eingestreute Geschichten über seine eigene Provenienz oder die von Liedern, die er spielt, stets traf er – so viel Allegorie sei erlaubt - den richtigen Ton.

Das Publikum war vom ersten Moment an das seine, das enge Band zwischen Musiker und Zuhörer greifbar. Wohlig konnte man sich zurücklehnen und „Puff The Magic Dragon“ genießen – und natürlich gleich den Refrain mitsingen. Denn auch das macht ein Scotty Riggins-Konzert aus, es ist nichts steriles, nichts zum Luftanhalten, sondern „cosy“, gemütlich, zum Mitsingen - wie im eigenen Wohnzimmer halt auch. Wunderbare Balladen wie John Denvers „Rocky Mountain High“ und „Annies Song“ oder Neil Youngs „Heart of Gold“ interpretierte er wunderbar.

Und so lustig und verrückt wie Scotty in den Sequenzen zwischen den Liedern war, so still, ruhig und innig war er beim Spielen und beim Singen derselben.

Die Ukulele („Kein cooles Instrument“), die Gitarre, das Banjo („Das einzige in Amerika erfundene Instrument. Laut, schrill und oft verstimmt, es passt gut zu den Amerikanern“), die Tricone Resonator Guitar (die „Dobro“) hatte er dabei sowie eine kleine Armada an Mundharmonikas (für jede Tonart eine), und er wusste all diese Instrumente bestens zu spielen.

Es machte einfach Spaß mit Scotty. Ob er nun vom „sun-kissed southern valley“, dem Sehnsuchtsplatz seiner Eltern, spielte und sang, oder davon, dass er „nur ein Feierabend-Country-Sänger“ sei, nackt nicht mehr gut aussieht oder ein Liebeslied auf Oreo-Kekse. Das Publikum zollte ihm schon während des Konzerts reichlich Beifall und durfte auch immer wieder mitmachen. Und was könnte dafür bei einem Country- und Blues-Konzert passender sein als Cab Calloways „Minnie the Moocher“? „Hi-dee hi-dee hi-dee hi“, gab Scotty vor, und die Zuhörer sangen heiter und voller Lust nach. Dass es beim gescateten Teil aus dem Publikum statt Wiederholung nur Gelächter gab, gehörte fest dazu.

Klassiker von Pete Seeger, Harry Chapin, Gordon Lightfoot, Johnny Cash, Arlo Guthrie, Peter, Paul & Mary brachte der Mann mit Bart und Schiebermütze zu Gehör, er ließ seine feinen Finger über die Seiten gleiten und seine wohltönende warme Stimme erklingen. Und spätestens das Bekenntnis des seit 1984 in Deutschland und seit 2002 in Würzburg lebenden Musikers „Ich bin nicht nur eingedeutscht, ich bin auch frankiert!“ ließ auch die letzten Herzen schmelzen.

Riesiger Beifall brandete am Ende eines glücklich machenden Abends auf, der rundum zufriedene Menschen hinterließ.

Aufgrund der großen Nachfrage gab es zwei Konzerte von und mit Scotty. Und wer dennoch keine Karten bekommen hat, hat am 15. Dezember noch einmal die Gelegenheit Scotty Riggins, diesmal mit Band, im Theaterhaus zu erleben.

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