REGION STEIGERWALD

Seehofer streicht Steigerwald von der Liste

Die Gegner im Steigerwald sagen „Nationalpark? Nein – Danke“, weil sie um negative Folgen fürchten, die Befürworter sehen darin eine Chance für Region und Natur. Foto: Norbert Vollmann

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat im Rahmen der Abschlusskonferenz zur Kabinettsklausur am Tegernsee angekündigt, dass die bayerische Staatsregierung für Bayern neben dem Bayerischen Wald und Berchtesgaden einen dritten Nationalpark anstrebe. Der Steigerwald sei dabei aber ausdrücklich ausgenommen.

Diese Einschränkung stößt bei den Befürwortern eines Nationalparks auf Staatswaldgebiet im Nördlichen Steigerwald trotz des Zugeständnisses an Naturschützer naturgemäß auf scharfen Widerspruch.

Keine Fokussierung

Seehofer sagte: „Wir haben entschieden, dass Bayern einen dritten Nationalpark anstrebt, aber es gibt noch keine Fokussierung auf eine Region. Denkbar wären auch grenzüberschreitende Nationalparke, auch zwischen zwei Bundesländern (...) Ich bin fest entschlossen, dass wir einen dritten Nationalpark gründen. Dieser soll vor allem im Staatswald entstehen (...) Im Steigerwald aber soll er nicht errichtet werden.“

Seit neun Jahren schwelt bekanntlich der Streit um einen Buchen-Nationalpark. Der soll im nördlichen Steigerwald auf 11 000 der 17 000 Hektar Wald entstehen, die in die Obhut des Forstbetriebs Ebrach der Bayerischen Staatsforsten fallen.

Die Gegner haben sich dabei früh in dem von Bayerns Innen-Staatssekretär Gerhard Eck angeführten Verein „Unser Steigerwald“ formiert. Die Befürworter haben sich im Verein Nationalpark Nordsteigerwald zusammengeschlossen.

Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) begrüßt in einer Stellungnahme grundsätzlich den Willen der Staatsregierung, im Staatswald einen weiteren Nationalpark einzurichten. Damit gebe der Freistaat die strikte Blockadehaltung gegenüber den Naturwaldzielen aus der Nationalen Biodiversitätsstrategie auf.

Gleichzeitig kritisiert der BN aber massiv die Absicht, den Steigerwald von vornherein von den zur Auswahl stehenden Gebieten zu streichen.

Es geht nicht um die Sache

Wenn die Staatsregierung einen Nationalpark auf den Weg bringen, aber gleichzeitig das am besten geeignete Gebiet von diesem Prozess ausschließen wolle, werde klar, dass es ihr offenbar nicht um die Sache gehe, sondern darum, von den Debatten um einen Steigerwald-Nationalpark abzulenken, wird der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger in der Pressemitteilung zitiert.

Der konsequente Schutz von Buchenwäldern sei eine vorrangige Naturschutzaufgabe, weil Deutschland von allen Ländern den größten Anteil am Verbreitungsgebiet der Rotbuche aufzuweisen habe. Bayern als größtem Flächenland komme dabei wiederum die größte Verantwortung unten den Bundesländern zu.

In den Augen des BN-Landesbeauftragten Richard Mergner soll durch diese Vorgehensweise „nur das Thema erster fränkischer Nationalpark bis zur Landtagswahl abgeräumt werden“.

Schlag ins Gesicht

Ausgerechnet jetzt den Steigerwald seitens der Staatsregierung als Nationalparkkulisse von vorneherein auszugrenzen, wertet der Verein Nationalpark Nordsteigerwald als „Schlag ins Gesicht der vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich seit Jahren für einen hiesigen Nationalpark einsetzen“.

Der Nationalparkverein verweist darauf, dass im Rahmen des aktuell angelaufenen und vom Bayerischen Umweltministerium und seiner Ministerin Ulrike Scharf angestoßenen „Regionalen Dialogprozesses“ explizit beschlossen worden sei, dass neben anderen Varianten der Nationalpark als Szenario ergebnisoffen geprüft werden soll. Dem hätten die Landräte oder ihre Vertreter sogar persönlich zugestimmt.

Die Entscheidung, den Steigerwald außen vor zu lassen, ignoriere den Willen der Mehrheit der Menschen in der Region, heißt es in der von Martin Mößlein (Handthal) unterzeichneten Presseerklärung.

Appell an die Landräte

Der Nationalparkverein fordert die Landräte der Landkreise Schweinfurt, Haßberge und Bamberg auf, ihre Blockadehaltung aufzugeben und darauf zu drängen, dass der Steigerwald in die Nationalparksuche mit einbezogen werde.

Der umweltpolitische Sprecher der Landtags-Grünen und Vorsitzende des Umweltausschusses, Christian Magerl betont: „Wir fordern ein transparentes Verfahren, um den überfälligen dritten Nationalpark für Bayern zu finden. Das bedeutet aber auch: Keine Ausschließeritis.“

Der Steigerwald dürfe als eines der naturschutzfachlich wichtigsten und wertvollsten Waldgebiete in ganz Deutschland nicht aus reinem Trotz ausgeschlossen werden. Ein Nationalpark Steigerwald würde eine Wertschöpfung von 15 bis 20 Millionen Euro bedeuten, schreibt Magerl.

Der Umweltausschuss im Landtag sollte im Herbst deshalb eine Expertenanhörung veranstalten, um das geeignetste Gebiet für einen dritten bayerischen Nationalpark zu finden, so Magerl.

Die Schweinfurter SPD-Abgeordnete Kathi Petersen hat einer Pressemitteilung zufolge kein Verständnis dafür, dass inzwischen ausgerechnet auch Umweltministerin Ulrike Scharf den Steigerwald ausgeschlossen hat, aber zugleich einen intensiven Dialogprozess mit den Bürgern führen will. „Das ist kein offener Prozess mehr“, bedauert Petersen.

Bekanntlich lässt Ministerin Scharf prüfen, ob der Steigerwald als Weltnaturerbe oder Weltkulturerbe infrage kommt. Dazu Kathi Petersen: „Wir fordern, dass der Stand dieser Prüfung offengelegt und endlich die von uns wiederholt geforderte Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wird“. Sie würde sich freuen, wenn Franken durch einen Nationalpark oder ein Weltnaturerbe touristisch aufgewertet werden würde.

Diese alte knorrige Buche steht im Naturwaldreservat „Waldhaus“ im Handthalgrund bei Ebrach. Foto: Norbert Vollmann

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