SCHWEINFURT

Sichtbares im Unsichtbaren

Ausstellung „Lich T raum“ in Kunsthalle und Kirchen: Die Lichtinstallationen des Künstlers Ludger Hinse sind aufgebaut. Eine Kunstaktion, die Objekt, Betrachter und Raum zusammen bringt
Wegen der Coronakrise gibt es im Moment keine Vernissage zur Ausstellung „Licht T raum“ von Ludger Hinse in der Kunsthalle.
Wegen der Coronakrise gibt es im Moment keine Vernissage zur Ausstellung „Licht T raum“ von Ludger Hinse in der Kunsthalle. Foto: Peter Leutsch

Im Unsichtbaren das Sichtbare finden, so könnte man die neue Ausstellung „Lich T raum“ in der Schweinfurter Kunsthalle sowie den Kirchen St. Johannis, Heilig Geist, kross Junge Kirche Schweinfurt, im +plus.punkt der katholischen Kirche in der Schultesstraße und im Krankenhaus St. Josef beschreiben. Auch wenn gerade in der Kunsthalle die Vernissage der Ausstellung wegen der Corona-Krise abgesagt und alle Veranstaltungen bis Ende April ausgesetzt sind, wurde sie dennoch aufgebaut.

Jan Soldin, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kunsthalle, schreibt in der Pressemitteilung, trotz der Schließung im Moment „bietet die Kunsthalle im Internet unter www.kunsthalle-schweinfurt.de innerhalb der Unterseite „Lich T raum“, Impressionen der Arbeiten sowie der verschiedenen Ausstellungsräume an.“ Die Schau laufe planmäßig bis 5. Juli. Das Kreuz als Kunstgegenstand von höchster Symbolkraft, Sinnbild der Erlösung und der Auferstehung ist zentrales Ausdrucksmittel des in Recklinghausen lebenden Lichtinstallationskünstlers Ludger Hinse (geb. 1948), so Soldin.

Neben der Schweinfurter Präsentation sind Hinses Werke in über 60 Orten im öffentlichen Raum sowie in Kirchen in Europa präsent: Von der schottischen Insel Iona bis zum Brüningpass in der Schweiz, vom Museum Rheine bis zur St. Hedwigs-Kathedrale Berlin, vom Museum ter Apel in den Niederlanden bis nach Oviedo in Spanien.

Bei seinem künstlerischen Engagement vor Ort handelt es sich nicht um ein reguläres Ausstellungsprojekt, sondern „es sind vielmehr sensible Kunstaktionen, die im Dialog von Objekt, Betrachter und Raum unterschiedlichste Wahrnehmungsebenen ansprechen können.“

Hinse zeigt auch seine neuen kinetischen Lichtobjekte. Seine Kunst ist ein sich ständig veränderndes Spiel von Licht und Farben, von Schatten- und Lichtlinien, wobei ihm gerade Wechsel und Veränderung wichtig sind. Dies ist etwa beim langsamen Entfalten seiner Lichtscheiben zu beobachten: Die 24 Sekunden einer Drehung entsprechen den 24 Stunden des Tages. „Hinses Anliegen ist, die Farbeffekte und den Übergang von einer Farberscheinung zur anderen erlebbar zu machen“, so Soldin.

„Im Unsichtbaren das Sichtbare finden“, lautet das Credo des gläubigen Kreativen. Seine Lichtkreuze versinnbildlichen nachhaltig die große Offenheit zwischen Wahrnehmung, Wissen und Wunder. Sie stehen zugleich für Erlösung und Auferstehung. Als Werkstoff dient Hinse einfaches Plexiglas, das mit einer stark reflektierenden Folie überzogen wird und so das ganze Spektrum der Farben wiedergibt. Allansichtig konzipiert und durch ihre Transparenz immer wieder ungeahnte Blickwinkel eröffnend, laden seine Objekte zum um sie herum Wandeln, in sich kehren und genauen Beobachten der nuancierten Effekte ein.

Geraten seine so gestalteten Kreuze in Bewegung, überträgt sich das mystische Lichtspiel automatisch auf den Raum, der Teil eines Gesamtkunstwerks wird. Es weitet sich aber genauso auf den Betrachter aus, der von der besonderen Aura der Licht-Kunst-Aktionen in den Bann gezogen wird. In gewisser Weise sind die somit erlebbaren Phänomene mit dem ursprünglichen Raumeindruck von mittelalterlichen Kirchen zu vergleichen, wenn die Morgensonne durch die buntfarbigen Fenster der Apsis dringt, diesen heiligen Bereich in Licht taucht und den Betrachter Teil dieses christlichen Mysteriums werden lässt.

Seit Jahrtausenden gehören Kult und Kunst oder Kunst und Kirche eng zusammen, beziehen sich aufeinander, sind Teil der Gesellschaft und pflegen dadurch einen immerwährenden räumlichen wie liturgischen Dialog. Religiöse Institutionen traten immer auch als potentielle Auftraggeber in Erscheinung und prägten Stilepochen. Es liegt auf der Hand, die Tradition der Zusammenarbeit von Kirche und Kunst ebenso in das zeitgenössische Kunstschaffen zu tragen: „Kunst und Kultur entstehen da, wo es Menschen gibt, wo Menschen an Orten zusammenleben und ihren Lebensraum gestalten“, so Oberkirchenrat Hans Peter Hübner.

Bis zum 5. Juli ist die Ausstellung „Lich T raum“ in der Großen Halle der Kunsthalle geplant, so lange ist sie in jedem Fall zu sehen.
Bis zum 5. Juli ist die Ausstellung „Lich T raum“ in der Großen Halle der Kunsthalle geplant, so lange ist sie in jedem Fall zu sehen. Foto: Peter Leutsch
Ein beeindruckendes Kunstwerk von Ludger Hinse bereichert den Altarraum in der St. Johannis-Kirche.
Ein beeindruckendes Kunstwerk von Ludger Hinse bereichert den Altarraum in der St. Johannis-Kirche. Foto: Heiko Kuschel VG Bild Kunst Bonn
Diese Installation von Ludger Hinse ist im Moment ebenfalls in der St. Johannis-Kirche am Martin-Luther-Platz zu sehen.
Diese Installation von Ludger Hinse ist im Moment ebenfalls in der St. Johannis-Kirche am Martin-Luther-Platz zu sehen. Foto: Anand Anders
Der Künstler Ludger Hinse vor seiner kinetischen Lichtinstallation in der St. Johannis-Kirche.
Der Künstler Ludger Hinse vor seiner kinetischen Lichtinstallation in der St. Johannis-Kirche. Foto: Anand Anders
Das Splitterkreuz von Ludger Hinse ist in der Heilig-Geist-Kirche in der Schultesstraße zu sehen.
Das Splitterkreuz von Ludger Hinse ist in der Heilig-Geist-Kirche in der Schultesstraße zu sehen. Foto: Andrea Brandl VG Bild Kunst Bonn
Ein Eindruck der Installation im Altarraum in der St. Johannis-Kirche mit einem überdimensionalen Kreuz von Ludger Hinse.
Ein Eindruck der Installation im Altarraum in der St. Johannis-Kirche mit einem überdimensionalen Kreuz von Ludger Hinse. Foto: Anand Anders

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