Gerolzhofen

Sie begegnen uns in Bauernregeln, Bildnissen und Namenstagen

Spaziert man durch Gerolzhofen, geht man achtlos an so vielen Heiligenfiguren und Martern von Schutzpatronen vorbei, ohne sie bewusst wahrzunehmen. Stadtführerin Evamaria Bräuer erzählte und erklärte in einem Vortrag im Wohnstift die Bedeutung der Heiligen, wie zum Beispiel die Geschichte der heiligen Anna. Foto: Karin Sauer

"Unsere Vorfahren haben viele ,Helfer' gebraucht, denn sie hatten ja noch keine Medizin", erklärte Museum- und Stadtführerin Evamaria Bräuer augenzwinkernd. Im Wohnstift Steigerwald referierte sie über "Patrone-Helfer-Fürsprecher".

Fast jeder habe schon einmal in seiner Not einen Heiligen angerufen, der ihm helfen oder vor schlimmen Ereignissen schützen solle, so Bräuer. Heilige und Nothelfer bestimmen auch heute noch das tägliche Leben, was sich in Namenstagen oder Wetterregeln wiederspiegelt. Tagtäglich läufe man an "ihnen" vorbei und wisse oft nicht, worauf ihre Bedeutung zurückzuführen ist.  

Evamaria Bräuer nahm die Zuhörer auf einen bebilderten Stadtrundgang durch Gerolzhofen und  Umland mit, um ihnen zu zeigen, wo  überall Heiligenfiguren, Martern und Bildwerke zu sehen sind. Und das sind nicht wenige.

Bekannt sind die drei Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan, deren Reliquien – aus Angst vor Zerstörung im Zweiten Weltkrieg – in Gerolzhofen im Nordturm versteckt worden waren. Und wer kenne nicht das Frankenlied, in dem der Winzerschutzherr Kilian besungen wird, fragte Bräuer.

Auch habe man fast jedem Heiligen eine Bauernregel zugeordnet, nach der man sich in früheren Jahren richtete. Am 8. Juli heißt es deswegen: "Kilian, der heilige Mann, stellt die ersten Schnitter an."

"Um Jacobi heiß und trocken, kann der Bauersmann frohlocken."
Bauernregel

Jakobus der Ältere  begrüßt die Besucher am Eingang  der Johanniskapelle Gerolzhofens. Sein Erkennungszeichen ist die Jakobsmuschel, aus diesem Grund ist er der Patron der Pilger. Früher pilgerte man aus Buße für ein Vergehen; heute sei es bei vielen die Abenteuerlust, den Jakobsweg zu erwandern. Der Jakobstag, 25. Juli, war oft ein Markttag: Die Bauern in Mitteleuropa brachten die ersten reifen Äpfel zur Segnung. Die Bauernregel dazu: "Um Jacobi heiß und trocken, kann der Bauersmann frohlocken."

Am 26. Juli ist Annatag, und es gilt die gleiche Regel wie beim Jakob. In Gerolzhofen steht die Heilige Anna in der Johanniskapelle. Sie soll vor Gewitter und Regen schützen: Man bittet um eine glückliche Heirat und Kindersegen.

Noch eine berühmte Heilige wird hierzulande verehrt: die Gertrudis. Ihr Gedenktag ist der 17. März. Ein Zeugnis ihrer Wertschätzung ist die Kapelle außerhalb der Stadt, ein Ort der Ruhe und Besinnlichkeit. Kämpft jemand  mit einer Mäuse- und Rattenplage,  dann wird sie angerufen.

Die Referentin erzählte noch viele weitere Geschichten und Legenden von Heiligen, deren Abbildungen in Gerolzhofen und Umland zu finden sind.  Lustig war zum Beispiel auch die Geschichte vom "Schlampertoni", dem Heiligen Antonius, der angerufen wird, wenn man etwas verloren hat. "Heiliger Antonius, du kreuzbraver Mann, führ mich dahin wo (mein Schlüssel) sein kann." In der Spitalkirche findet man ein Relief der 14 Nothelfer, der Sankt Georg steht in der Allee, und der original Heilige Florian steht am Feuerwehrhaus.

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