Schwebheim

Silvester in Schweinfurt: Wenn die Haustiere in Panik geraten und was man dagegen tun kann

Die Böllerei zum Jahreswechsel versetzt viele Haustiere in Angst. Einige geraten in Panik, entlaufen, landen im Tierheim. Tierschützerin Christina Herrmann weiß, was zu tun ist.
Für Menschen ist es schön anzusehen, für die meisten Tiere der pure Horror: Das Feuerwerk an Silvester, hier eine Aufnahme aus 2018 an der Maxbrücke. Foto: Josef Lamber

Ein Knall aus dem Nichts, grelle Blitze am Himmel. Es knistert, und Funkelregen fällt herab. Während sich Menschen an dem Lichterspektakel erfreuen, bedeutet das Silvesterfeuerwerk für viele Haustiere nur eines: Stress. Sie wissen mit dem plötzlich auftretenden, ungewohnten Lärm nicht umzugehen, geraten in Panik. Einige erleiden gesundheitliche Schäden oder büxen aus. 

Christina Herrmann kennt das Problem. Jahr für Jahr werden unmittelbar vor oder in der Silvesternacht verstörte Haustiere im Tierheim Schwebheim abgegeben, weil sie entlaufen sind. Es würden zum Jahreswechsel immer  "zwischen drei und fünf Hunde hergebracht", sagt die Tierheimleiterin. Katzen würden weitaus seltener abgegeben, da sie sich verstecken und es schwieriger sei, sie einzufangen. 

Glücklicherweise gehen solche Fälle meistens glimpflich aus. "Wenn sie einen Chip haben, den wir auslesen können, können wir den Besitzer schnell ausfindig machen", sagt Herrmann. Die Tiere würden in der Regel dann wieder abgeholt. Wer draußen ein herrenloses, verstörtes Tier findet, könne sich an die Polizei wenden, so Herrmann. Diese wiederum habe eine Notfallnummer vom Tierheim Schwebheim.

Tierheimleiterin Christina Herrmann und Katze Nanni. Foto: Lisa Marie Waschbusch

Doch damit es gar nicht erst so weit kommt, sind die Tierhalter selbst gefragt. Tierheimleiterin Herrmann rät Hunde- und Katzenbesitzern daher, bereits ein bis zwei Tage vor und nach Silvester ihre Tiere nicht unbeaufsichtigt draußen zu lassen. "Hunde sollten nur noch angeleint geführt und Katzen am besten nicht mehr rausgelassen werden", sagt Herrmann. Weil dies bei Freigängerkatzen zunächst zu Protest führen wird, sollte man ihnen Beschäftigung bieten und sie mit Spielen auslasten. "Ideal wäre ein gesicherter Balkon, auf den sie trotzdem können", so Herrmann.

Schutzmaßnahmen in den eigenen vier Wänden

Auch in der Wohnung können es Tierhalter ihrem Vierbeiner einfacher machen, die Silvesternacht unbeschadet zu überstehen. "Damit die Fenster geschützt sind und die Tiere die grellen Lichter erst gar nicht sehen, macht man am besten die Rollläden herunter", sagt Herrmann. Falls Besuch zu Silvester erwartet wird, rät die Tierheimleiterin aufzupassen, dass die Haustiere nicht unbemerkt entwischen, wenn Herrchen, Frauchen und Gäste um Mitternacht das Haus verlassen.

Alleine lassen sollte man sein Tier – egal ob ängstlich oder nicht – aus Sicht von Christina Herrmann allerdings nie. "Wenn man ein Tier hat, hat man die Verantwortung", sagt sie. "Wenn man weiß, das Tier verträgt es, kann man es zu Bekannten oder Verwandten geben, bei denen es schon öfter war." Hat man jedoch ein panisches Tier, sollte man unbedingt zuhause bleiben, da man für das Tier die Bezugsperson ist und es beruhigen kann. Wenn ein alleingelassenes Tier in der Panik etwas anstelle, könne man es im Nachhinein nicht dafür bestrafen, sagt Herrmann.

Schon vor Weihnachten startete diese Redaktion einen Facebook-Aufruf an die Haustierhalter unter den Lesern. Sie wurden gebeten, ihre Erfahrungen und mögliche Tipps zu teilen. Während ein Leser darüber berichtet, dass seinen Hunden das Feuerwerk nichts ausmacht, haben es viele andere offenbar mit ängstlichen Vierbeinern zu tun.

Tipps der Leser 

"Am besten nicht ballern", schreibt eine Leserin. "Da dies aber wohl nicht klappt, lasse ich meinen Kater wieder in den Keller und bleibe bei ihm. Und meinen Freigänger lasse ich ab Vormittag nicht mehr raus." Eine weitere Leserin schreibt: "An Silvester ist das wichtigste für unser Haustier der Social Support. Angst kann man nicht verstärken, wenn man emphatisch zu einem Lebewesen ist."

Die Böllerei beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Silvesternacht. "Silvester geht, ABER die Menschen, die dann schon Tage beziehungsweise Nächte vorher knallen, die sind unser Problem", gibt eine Leserin zu Bedenken. "Anstatt nur an Silvester zu böllern. Nein, da muss das dann schon vorher ausprobiert werden. Unsere Hunde wollen dann nicht mehr Gassi gehn. Sie haben Angst! Und es dauert Tage bis sie dann wieder Gassi gehen möchten." Diese Beobachtung macht auch Tierheimleiterin Christina Herrmann. "Der Stress ist nach dem Feuerwerk ja nicht vorbei. Es dauert länger, bis der Stresspegel der Tiere wieder abgebaut ist." Oft müsse man mehrere Tage warten. 

Die zwölf Hunde, über 90 Katzen und 30 Kleintiere, die Silvester im Tierheim Schwebheim verbringen müssen, bekommen von der Böllerei laut Herrmann wenig mit. "Zum Glück ist es hier, dadurch dass es ein Gewerbegebiet ist, ziemlich ruhig." Ein Kollege wohne direkt nebenan, schaue nach den Tieren und "würde mitkriegen, wenn irgendwas wäre."

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