Rügshofen

Skalpierte Hecke zieht Konsequenzen nach sich

Diese Windschutzhecke, die parallel zur gegenüberliegenden Solaranlage und Stromfreileitung entlang des Feldwegs von Rügshofen nach Mönchstockheim verläuft, wurde beim Zurückschneiden auf der östlichen Seite regelrecht  irokesenschnittartig skalpiert. Das hat jetzt Konsequenzen. Foto: Norbert Vollmann

Der in ihrem Auftrag von einer Fremdfirma vorgenommene Rückschnitt der Windschutzhecke am Schönbühl zwischen Rügshofen und Mönchstockheim zieht einer Pressemitteilung des Landratsamtes zufolge Konsequenzen für die ÜZ Mainfranken nach sich. Offen ist aber weiter, wer obendrein den unteren Teil des Gehölzsteifens „massakriert“ hat. Um den Verursacher ausfindig zu machen, stellt die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Schweinfurt nun Strafanzeige bei der Polizei. Die Angelegenheit könnte also auch strafrechtliche Folgen haben.

Die Windschutzhecke am Feldweg neben der Solaranlage zwischen Rügshofen und Mönchstockheim war beim Zurückschneiden, wie berichtet, irokesenschnittartig „skalpiert“ worden. Die ÜZ Mainfranken hatte zwischenzeitlich eingeräumt, dass hier eine von ihr beauftragte Firma die Äste der Gehölzreihe im oberen Bereich „gekappt“ habe, weil sie eine Gefahr für die hier vorbeilaufende Freileitung darstellten.

Mit dem massiven Rückschnitt im unteren Bereich haben die ÜZ beziehungsweise die von ihr eingesetzte Firma hingegen nichts zu tun, wurde weiter seitens des regionalem Energieversorger betont. Vom Besitzer des angrenzenden Grundstücks, das an den Betreiber der darauf stehenden Solaranlage verpachtet ist, war diese Version allerdings angezweifelt worden. Der wie regelrecht „filetiert“ und „skalpiert“ aussehende rund 300 Meter lange Gehölzstreifen am Schönbühl verläuft noch auf Rügshöfer Gemarkung entlang des dortigen Feldwegs parallel zu der Solaranlage und der Freileitung der ÜZ auf der einen und der Fernwasserleitungstrasse auf der anderen Seite.

 

Inzwischen fand ein Ortstermin statt 

 

Wie das Landratsamt Schweinfurt mitteilt, habe inzwischen am 26. Februar der angekündigte Ortstermin mit Vertretern der ÜZ Mainfranken, der beauftragten Firma und der Unteren Naturschutzbehörde stattgefunden. Die Vertreter der ÜZ hätten dabei erklärt, dass aufgrund der Verkehrssicherungspflicht bezüglich der Stromleitung Rückschneidemaßnahmen an der Windschutzhecke bei einem Dienstleister in Auftrag gegeben worden seien. Der Dienstleister habe die vereinbarten Maßnahmen am 23. Januar durchgeführt.

Sowohl der Dienstleister und die Vertreter der ÜZ hätten bei dem Ortstermin nochmals betont, dass die Kronen gekappt worden seien und der Lichtraum insbesondere im oberen Bereich zurückgeschnitten worden sei. Anschließend sei auf dem Streifen östlich des Heckenbestandes gemulcht worden, um das kleinästige angefallene Schnittgut zu beseitigen, schreibt Uta Baumann, die Pressesprecherin des Landratsamtes, weiter in der Stellungnahme.

 

Wer hat hier den Boden schon vorher gemulcht?

 

Die Vertreter der ÜZ und der Dienstleister hätten ferner ausgesagt, dass der untere östliche Bereich der Hecke entlang des Weges bereits vor Beginn der Rückschnittmaßnahme gemulcht gewesen sei. Anders ausgedrückt: Es sei bereits vor der Heckenrückschnittmaßnahme durch den beauftragten Dienstleister auf dem östlich des jetzigen Heckenbestands liegenden Streifen mit schwerem Gerät agiert worden, was zu einer Beeinträchtigung der Hecke geführt habe.

Diese Maßnahme sei von der ÜZ nicht beauftragt worden und auch vom Dienstleister nicht durchgeführt worden, da dies nicht zur Verkehrssicherung notwendig gewesen sei, heißt es weiter in der Pressemitteilung des Landratsamtes. Bei dem Ortstermin sei in diesem Zusammenhang festgestellt worden, dass auf dem betroffenen östlichen Streifen längs des Weges mehrere abgeschnittene und gekürzte Gehölzstubben vorhanden seien.

 

Landratsamt kritisiert Rückschnitt in dieser Form

 

Den Vertretern der ÜZ und dem Dienstleister wurde seitens der Naturschutzbehörde dargelegt, dass die Rückschnittmaßnahmen im oberen Bereich der Hecke grundsätzlich aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht bezüglich der Stromleitung zulässig sind. Allerdings hätten die Rückschnittmaßnahmen im Sinne des Naturschutzes fachgerechter durchgeführt werden können. Das Landratsamt empfiehlt regelmäßig bei derartigen Fällen eine mosaikartige Pflege über mehrere Jahre. Überhaupt sollte eine komplette Hecke grundsätzlich nicht in einem Zug geschnitten werden, sondern zum Beispiel auf drei Jahre verteilt jeweils nur ein Abschnitt jährlich. Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt bedauert zudem, dass vor Durchführung der Heckenrückschnittmaßnahme kein Ortstermin mit der Behörde vereinbart worden sei. Dabei hätten die zu treffenden Maßnahmen einvernehmlich abgestimmt werden können.

 

ÜZ wird Kompensationsmaßnahme durchführen

 

Mit den Vertretern der ÜZ sind schließlich laut der Pressemitteilung des Landratsamtes folgende Punkte vereinbart worden:

1. Die Hecke wird wieder wachsen gelassen.

2. Bevor in rund drei bis vier Jahren ein erneuter Rückschnitt aufgrund der Verkehrssicherungspflicht erforderlich wird, setzt sich die ÜZ mit der Naturschutzbehörde in Verbindung, damit die zu treffenden Maßnahmen abgestimmt werden.

3. Aufgrund des nicht naturschutzkonformen Heckenrückschnitts erklärten sich die Vertreter der ÜZ bereit, eine sogenannte Kompensationsmaßnahme für den erfolgten Eingriff durchzuführen. Hierzu muss noch ein geeignetes Grundstück ausgesucht und eine angemessene Maßnahme ausgewählt werden.

 

Naturschutzbehörde stellt obendrein Anzeige bei der Polizei

 

Die Untere Naturschutzbehörde wird wegen der erfolgten Beeinträchtigung der Hecke eine Anzeige an die Polizeiinspektion Gerolzhofen richten, mit dem Ziel, den Verursacher, der den unteren Teil des Gehölzstreifens entlang des Feldweges beeinträchtigt hat, ausfindig zu machen. Dies macht Pressesprecherin Uta Baumann abschließend in der Stellungnahme deutlich.

Zu dem Zeitpunkt als dieses Bild der massiv zurückgenommenen Windschutzhecke zwischen Rügshofen und Mönchstockheim entst... Foto: Norbert Vollmann

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