Schweinfurt

So schön kann Literatur sein

Vea Kaiser war zu Gast bei der Veranstaltungsreihe „Literatur! Foto: Werner Bonengel

Das erlebt man selten: Ein fröhlich blickendes Publikum nach einer Lesung und ein leer geräumter Büchertisch. Das war der Autorin Vea Kaiser zu verdanken. Mit ihr konnten das Museum Georg Schäfer und die Veranstaltungsreihe „Literatur!“ ein Jubiläum feiern, heißt es in einer Pressemitteilung.

Denn zum zehnten Mal präsentierte die Initiatorin und Moderatorin Johanna Bonengel eine Autorin oder einen Autor mit einem neuen Werk, das besonders gut zum Charakter des Museums passt. Ein ein großes Publikum konnte eine Autorin erleben, die es wirklich in sich hat: Vea Kaiser und ihr neuer Roman „Rückwärtswalzer oder Die Manen der Familie Prischinger“.

Der rote Faden durch den Roman ist die klare Aussage: „Wir sind eine Familie, niemand wird zurückgelassen.“ Ludwig Richter, dessen Werke zurzeit im Museum ausgestellt sind, hätten diese Sätze sicher sehr gut gefallen. Aber Vea Kaiser malt mit Worten keine phantastisch-visionäre Welt voller Idyllen wie Ludwig Richter, sondern ein warmherziges Loblied auf die Familie.

Im „Rückwärtswalzer“ geht es um die Bewältigung von Schuld und Tod. In der Museumslesung zeigt Vea Kaiser an zwei exemplarischen Romanstellen die Verknüpfung von Tragik und den Lebensgeschichten der Romanfiguren, schrullig und arg vom Leben zerzaust. Da ist Lorenz, der erfolglose Schauspieler, vom Pech verfolgt; da sind die drei Tanten Mirl, Wetti und Hedi, jeder hat sein Päcklein zu tragen, und da ist Willi, der plötzlich stirbt und dessen wichtigster Wunsch es war, in Montenegro, wo er herkam, beerdigt zu werden.

Damit beginnen die Irrungen und Wirrungen der Fahrt mit dem toten Willi in einem Fiat Panda von Wien nach Montenegro, 1049 Kilometer. Diese Fahrt wird mit Rückblenden durchsetzt. Daher „walzt“ die Geschichte zwischen Gegenwart und Vergangenheit immer wieder hin und her.

Vea Kaiser bringt es fertig, alle ihre Figuren mit Empathie und liebevoller Ironie zu zeichnen und sie in Lesung und Erzählung zum Leben zu erwecken. Zwischendurch spürt man ihre Liebe zur Antike. Die altrömischen Manen werden zum Beispiel sehr klug als Motivation der Handelnden in die Geschichte eingebaut. Auch kleine witzige Ausflüge in österreichische Befindlichkeiten mit russischen Besatzern, Kreisky oder Haider können sehr amüsieren. Der Wiener Schmäh und die Titelhuberei gehören zu den vielen Kleinigkeiten, die die Autorin in schönstem Wiener Sound erzählt. Und ganz wichtig: der zentrale Handlungsort des Romans ist die Küche. Da Kummer zehrt, erfährt der Leser und Zuhörer viel von Erdäpfelknödeln, Käsekrainern, Soßen oder Panaden. Es wird unentwegt gekocht, gebraten, gesotten und gebacken.

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