GEROLZHOFEN

Sommerfrische und Luftkurort

Die Waldesruh in den 40er Jahren: Damals verkaufte Familie Bachmann den Komplex an Kugelfischer. Nach dem Krieg war er Erholungsheim für Werksangehörige. Foto: Klinik am Steigerwald

Ein Ort fast magischer Ruhe und Beschaulichkeit war die Waldesruh schon immer. Sie liegt weitab von Siedlungen auf halber Höhe des Murrleinsnestes, umgeben von Wald und Weinbergen. Von dort oben bietet sich ein einmaliger Blick über das Gerolzhöfer und Schweinfurter Land bis zur Rhön. Fast über die gesamten 90 Jahre ihres Bestehens hat die Waldesruh der Erholung und Genesung ruhebedürftiger und kranker Menschen gedient.

„Volljährig“ geworden ist im Jubiläumsjahr auch die Klinik am Steigerwald, in der nun auch schon seit 18 Jahren Patienten nach den Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) behandelt werden. Das Verdienst der Klinik ist es auch, dass immer zu runden Geburtstagen des Hauses die ganze Geschichte der Waldesruh in Erinnerung gehalten wird.

Sie beginnt mit einer Idee. Freunde des Jägers und Architekten Johann Bachmann, der übrigens auch die Erlöserkirche in Gerolzhofen geplant hat, vermissten eine Einkehrmöglichkeit in der Nähe des Murrleinsnestes. 1923 reichte Bachmann die Pläne für eine Klausenstation zur Genehmigung ein. Die Bauarbeiten gingen zügig voran und schon im Mai 1924 war das Haus mit Schenke fertig.

Die Waldesruh bestand in den Folgejahren aus einer Jugendherberge und dem Gasthaus mit landwirtschaftlichem Betrieb, Obstwiesen, Weinberg, Weide- und Ackerland. Der Betrieb lief unter den Namen „Touristenheim und Sommerfrische Waldesruh, Luftkurort“.

1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, verkaufte die Familie Bachmann die Waldesruh an die Schweinfurter Firma Kugelfischer. „Touristenheim und Sommerfrische Waldesruh besteht aus Wohn- und Gasthaus, Saal, Jugendherberge, Schlafräumen, Holzlege, Futterkammer, Brunnen- und Hofraum, Wirtschafts- und Nutzgarten mit Sportplatz“, heißt es in einem amtlichen Dokument über den Baubestand. Zur Waldesruh gehörten auch Weinberge, Äcker und Wald.

In den letzten Kriegsjahren nutzte Kugelfischer die Waldesruh vor allem als Lager für leichte Maschinen und Büromaschinen. Zu Kriegsende wurde das Haus unter Treuhänderschaft gestellt.

1949 erhielt Kugelfischer die Waldesruh zurück. Ab 1952 stellte der Betrieb dann die idyllische Anlage Betriebsangehörigen für die Naherholung und zu Bildungszwecken zur Verfügung. August Sabisch verwaltete das Haus. Von 1952 bis 1992 verbuchte es sage und schreibe 171 000 Übernachtungen.

Die Wasserversorgung war in den Anfangsjahren ein großes Problem. Der 55 Meter tiefe Brunnen am Haus war nicht mehr zu benutzen, so dass das Wasser in Milchkannen und Eimern auf Handkarren von der 1,5 Kilometer entfernten Hubertusquelle herangeschafft werden musste. Auch die werkeigene Feuerwehr lieferte Wasser. 1000 Liter reichten für zehn bis 14 Tage. Ende der 50er Jahre hielt aber die Moderne in Form von Strom und Fernwasser Einzug.

1964 übernahm Alfons Sabisch die Verwaltung von seinem Vater. Nun wurde die Küche ausgebaut, es entstand eine biologische Kläranlage. Das Gästehaus war Anfang der 70er Jahre fertig. Es ist heute der Bettentrakt der Klinik. Damals war das ein beliebtes Ausflugsziel für die Umgebung. Von Gerolzhofen pilgerten sonntags scharenweise Familien zur Waldesruh und verbrachten dort vergnügliche Stunden.

Mit dem Ruhestand von Alfons Sabisch ging eine Ära auf der Waldesruh zu Ende. Kurz darauf schloss Kugelfischer seine Erholungsstätte. Für rund zwei Jahre fiel die Waldesruh in einen Dornröschenschlaf, bevor sie die „Chinesen“ wachküssten.

Das Programm zum Jubiläum

90 Jahre Waldesruh Das Jubiläum wird mit einem Festakt für geladene Gäste gefeiert, der am Sonntag, 20. Juli, um 12 Uhr in der Klinik am Steigerwald beginnt.

Nach einführenden Worten von Klinikleiter Dr. Christian Schmincke und einem Grußwort des Gerolzhöfer Bürgermeisters Thorsten Wozniak wird Stadtarchivar Matthias Endriß einen historischen Rückblick auf 90 Jahre Waldesruh geben.

Auf die Vergangenheit und Zukunft der heutigen Klinik am Steigerwald geht dann noch einmal Klinikchef Christian Schmincke ein.

Die musikalische Begleitung übernimmt das Chanson-Duo „Café Sehnsucht“ mit Silvia Kirchhof und Achim Hofmann aus Gerolzhofen.

Um 14 Uhr öffnet die Klinik ihre Türen für alle und gibt den Besuchern dabei Einblick in ihre Behandlungsmöglichkeiten.

Für viele das Tor zur Gesundung: Heute beherbergt die Waldesruh eine Klinik für Traditionelle Chinesische Medizin. Im Bild Michael Brehm, der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, im Hintergrund hinter den Bäumen der Bettentrakt. Foto: Norbert Finster

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