Gerolzhofen

Sonderausstellung: Die Stille hat jetzt das Wort

Mit einer öffentlichen Vernissage wurde am Sonntag die Sonderausstellung "Ruhe bitte! Die Stille hat das Wort" im Museum Johanniskapelle eröffnet. Sie läuft bis Ostern.
Bei der Eröffnung der Sonderausstellung im Museum Johanniskapelle in Gerolzhofen: (von links) Bürgermeister Thorsten Wozniak, Patrick Melber vom Kunstreferat der Diözese, Museumsleiter Klaus Vogt und Pfarrer Stefan Mai.
Bei der Eröffnung der Sonderausstellung im Museum Johanniskapelle in Gerolzhofen: (von links) Bürgermeister Thorsten Wozniak, Patrick Melber vom Kunstreferat der Diözese, Museumsleiter Klaus Vogt und Pfarrer Stefan Mai. Foto: Johannes Vogt

Mit einer außerordentlich gut besuchten Vernissage wurde am Sonntag die aktuelle Sonderausstellung "Ruhe bitte! Die Stille hat das Wort" im Museum Johanniskapelle eröffnet. Annähernd 80 Besucher zwängten sich zwischen die Vitrinen, um der Eröffnungsrede von Dr. Patrick Melber vom Kunstreferat der Diözese Würzburg zu lauschen. Melber ist verantwortlich für das Konzept und die Umsetzung der Ausstellung, die auf eine Idee von Pfarrer Stefan Mai zurückgeht.

"Wir haben in diesem Jahr etwas versucht, was auf den ersten Blick beinahe unmöglich zu sein scheint – der Stille das Wort zu geben", sagte Melber. Getreu dem leicht abgewandelten Sprichwort "Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte", versuche jedes einzelne der ausgestellten Kunstwerke eine innere Verbindung herzustellen zu einem Begriff aus unserem alltäglichen Sprachgebrauch, mit dem wir – bewusst oder unbewusst – immer wieder von Ruhe und Stille sprechen, ohne uns Gedanken zu machen, woher diese Begriffe kommen und welche vielschichtigen Bedeutungsebenen sie haben können.

Ungeahnte Gefühle

Bürgermeister Thorsten Wozniak sagte, die anspruchsvolle Ausstellung zeige einen vielfältigen Zugang zur Stille – einen Zustand, der in der heutigen modernen Welt immer seltener werde. Doch  gerade in der Stille, wenn man den eigenen Herzschlag spüre und die Atmung höre, kämen ungeahnte Gefühle, teilweise sogar Schmerzen hoch. Viele Menschen würden dies bekämpfen, indem sie der Stille ganz bewusst entgehen wollen und die Stille lieber mit Geräuschen und Aktivität zuschütten. Die Ausstellung biete aber eine Chance, sich wieder einmal mit der Stille und dem eigenen Ich in aller Ruhe zu beschäftigen.

Zu sehen sind Gemälde und Skulpturen, Zeichnungen und Fotografien aus den verschiedensten Epochen der Kunstgeschichte, von Künstlern jeden Alters, die aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands stammen, aber auch aus der Schweiz, aus Lettland, Italien und China. Die Objekte stammen aus der Kunstsammlung der Diözese und aus den Beständen der Pfarrei Gerolzhofen und des Stadtmuseums Gerolzhofen.

Stille Zeit und Stillzeit

In der Kunst spricht man von einem "Stillleben", wenn tote oder reglose Gegenstände dargestellt sind. Das im Licht liegende Buch von Edite Grinberga scheint über diese Definition hinaus einen stillen Moment im täglichen Leben abzubilden. Auf die unterschiedlichen Aussagemöglichkeiten der Begriffe "Stille Zeit" und "Stillzeit" können zwei Mariendarstellungen hinführen, in denen die Gottesmutter in zwei völlig unterschiedlichen Situationen präsentiert wird: einmal als tiefsinnige, fast schon philosophisch wirkende Denkerin, und andererseits als junge Mutter, die gerade dabei ist, ihr Kinder zu stillen.

Beeindruckend sind die Tusche-Werke von Heinrich Gerhard Bücker, der die Ruhe vor und die Ruhe nach dem Sturm thematisiert. Stille Trauer und stilles Leid, die Ruhe im Leid oder gar die Totenstille: zu jeder Bedeutung gibt es passende Kunstwerke. Die ausführlichen Objektbeschreibungen und meditativen Texte laden den Museumsbesucher ein, sich in aller Ruhe, in aller Stille auf den Weg durch die Sonderausstellung zu machen.

Die Vernissage wurde sehr gelungen musikalisch umrahmt vom Gitarrenduo Franziska Rößner und Peter Preinesberger.

Die Ausstellung ist bis Ostern, jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr, im Museum Johanniskapelle zu sehen. Daneben gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm.

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