STADTMUSEUM

Spielzeug aus Schweinfurt

Dem Kulturforum wurden unter anderem zwei Kartendecks inklusive der Herstellungswerkzeuge geschenkt, die eine Schweinfurterin wenige Wochen vor Kriegsende für ihre Schwester zum Geburtstag selbst angefertigt hat.Fotos: Johanna Körner
Dem Kulturforum wurden unter anderem zwei Kartendecks inklusive der Herstellungswerkzeuge geschenkt, die eine Schweinfurterin wenige Wochen vor Kriegsende für ihre Schwester zum Geburtstag selbst angefertigt hat.Fotos: Johanna Körner Foto: Johanna Körner

Auch früher vertrieben sich Familien an Regentagen gerne die Zeit mit Spielen. Wenn die Auswahl in den Läden knapp war oder das Geld fehlte, wurden die Spielobjekte eben selbst gemacht.

Für den Aufbau des neuen Stadtmuseums, dessen Sammlung etwa 1920 endete, sucht das Team von Kulturforum-Leiterin Katharina Christ noch Objekte aus Schweinfurt und der Region, die dem Museum zur Verfügung gestellt werden und eine bestimmte Zeit oder ein Thema illustrieren.

Dem Kulturforum wurden unter anderem zwei Kartendecks inklusive der Herstellungswerkzeuge geschenkt, die eine Schweinfurterin wenige Wochen vor Kriegsende für ihre Schwester zum Geburtstag selbst angefertigt hat. Mit Pinsel und Tusche hat sie die Bildmotive von Bube, Dame und König aufgezeichnet und anschließend mit Aquarellfarben ausgemalt. Die vier Motive Kreuz, Pik, Herz, Karo wurden dann in entsprechender Wertigkeit aufgestempelt.

Zum Schluss bedruckte die 1839 gegründete Schweinfurter Firma Weppert, von der auch die Blanko-Karten stammten, die Rückseite mit einem Rautenmuster. Fertig war das Kartendeck von 1945. Ebenfalls selbst gefertigt ist das hübsche Spielzeugkarussell, das ein Schweinfurter Schlosser 1921 für seinen damals zweijährigen Sohn baute. Bei der Gestaltung orientierte er sich wahrscheinlich an den zeitgenössischen Schaustellerkarussells.

Ebenso wie die großen Originale lässt sich das Spielzeugkarussell in transportable Steckteile zerlegen. Drehen kann sich das Karussell natürlich auch, ein Antrieb über einen aufziehbaren Plattenspieler macht es möglich. Und sogar beleuchtet ist es: Kleine farbige Glühlämpchen an der Unterseite des Daches ließen sich elektrisch betreiben und erzeugten das passende Jahrmarktsambiente.

Für das neue Stadtmuseum ist das Kulturforum weiterhin auf der Suche nach Objekten für die Sammlung, auch im Bereich „Spielzeug“. Katharina Christ und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Andrea Mayer warten mit Spannung darauf, was die Schweinfurter Bürger noch auf ihren Dachböden finden und aus ihren Kellern zum Vorschein bringen so wie diese beiden Beispiele.

Dabei kann es sich auch gerne um Kurioses handeln. „Wir haben zum Beispiel noch kein Exemplar des Schweinfurt-Monopolys“, regt Andrea Mayer an. „Dafür haben wir umso mehr Puppenhäuser und können leider keine weiteren annehmen.“ Die Geschichten, die in Zusammenhang mit den Objekten stehen, sind für das zukünftige Stadtmuseum von besonderer Bedeutung. „Wir suchen Zeugnisse des Schweinfurter Lebensgefühls aus allen Zeiten“, ergänzt Katharina Christ, Leiterin des Kulturforums. Sie geben Einblicke in die Lebenswelt der Schweinfurter Bürgerinnen und Bürger und lassen uns die Vergangenheit anschaulich nachempfinden. Spielzeuge, die Kindheitserinnerungen aufleben lassen, sind natürlich besonders gut geeignet.

Vielleicht besitzen Sie das Murmel-Set, den Peitschenkreisel oder den Schlagreifen Ihrer Großeltern? Was war Ihr Lieblingsspiel(zeug) in der Schweinfurter Kindheit? Haben Sie es vielleicht sogar selbst hergestellt? Aufgrund der Beschränkungen aufgrund der Coronakrise gibt es im Moment keine Termine zur Ablieferung. Allerdings ist das Kulturforum-Team im Friedrich-Rückert-Bau am Martin-Luther-Platz 20 unter Tel. (0 97 21) 51 47 70 erreichbar.

Ebenfalls selbst gefertigt ist das hübsche Spielzeugkarussell, das ein Schweinfurter Schlosser 1921 für seinen damals zweijährigen Sohn baute.
Ebenfalls selbst gefertigt ist das hübsche Spielzeugkarussell, das ein Schweinfurter Schlosser 1921 für seinen damals zweijährigen Sohn baute.

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