Gochsheim

St. Martin: Wenn Alt und Jung gemeinsam teilen

Gemeinsam dachten die Kindergartenkinder und die Senioren des Pflegeentlastungstages über die Geschichte des heiligen Martin nach. Foto: Ursula Lux

"Das ist wunderbar, ich hätte gar nicht geglaubt, dass es noch so viele Kinder gibt." Regina Manger ist mit anderen Senioren in die Turnhalle des Kindergartens St. Matthias gekommen, um den kleinen Gottesdienst der Kindergartenkinder mitzufeiern. Und ja, es sind wirklich viele, knapp 100 Kinder haben sich da in der Turnhalle versammelt. Zwei Krippen- und drei Regelkindergruppen kommen monatlich zusammen, um miteinander den Morgenkreis zu feiern.

Dazu kommt als fester Termin im Alltag der Kita, das Beisammensein mit den Senioren, die den Pflegeentlastungstag der Sozialstation besuchen. Die Kinder sind da immer ganz begeistert, erzählt Kindergartenleiterin Christiane Dürl. Wenn man frage, wer mit zu den Senioren will, "dann schießen gleich alle Finger hoch." Meist besuchen die Kleinen die Sozialstation, dann wird gemeinsam mit den Senioren gesungen, gebastelt oder, wie Manfred Manger erzählt, Musik gemacht. Der Vorsitzende des Schwesternverein, der Träger des Kindergartens ist, erinnert sich noch gut an einen Besuch, bei dem die Kinder Musikinstrumente mitbrachten und dann alle gemeinsam spielten und sangen.

Diesmal aber sind die Senioren zu den Kindern gekommen. Und die Kleinen singen lautstark:  "Einfach spitze, dass du da bist". Sie stehen und machen die passenden Gesten, auch ein Senior steht mit auf, aber er braucht sein Hände, um den Liedzettel zu halten.

Die Erzieherinnen spüren mit den Kindern der Geschichte des heiligen Martin nach. In der Mitte der Turnhalle ist die Szene zwischen Martin und dem Bettler anschaulich nachgestellt. Die Senioren kennen die Geschichte gut,  man merkt ihnen an, dass sie sich in ihre eigene Kindheit zurückversetzt fühlen. Als die Erzieherin fragt, ob die Mama wohl begeistert wäre, wenn die Kinder ihre Jacken durchschneiden und teilen würden, lachen sie. Während die Kinder angestrengt nachdenken, was sie denn alles teilen können, schauen die Senioren sich um. Und dann wird tatsächlich geteilt, jedes zweite Kind und jeder zweite Besucher bekommt ein süßes Brötchen, das mit dem Nachbarn geteilt wird. Es schmeckt Alt und Jung.

Hahn im Korb der Senioren

Paul Nussbaum ist der Hahn im Korb der Senioren, "Allein unter Frauen, das macht nichts", meint er gönnerisch und bedauert: "Wir haben nach dem Krieg keinen Kindergarten gehabt.  Philomena Rückert wird im Januar 90 Jahre alt. Sie kommt aus Weyer und hatte keine Chance ihre vier Kinder in einen Kindergarten zu schicken. Aber das mache nichts, meint sie, "die gehören ehrlich erzogen, das ist die Hauptsache." Die Martinsgeschichte kennen die Senioren, aber die Lieder, stellt Rosa Schech fest, sind neu. "Wir haben früher andere Lieder gesungen, aber die sind auch schön", meint sie.

Manger ist beeindruckt, wie wenig Berührungsängste die Kinder haben. Einmal, erinnert er sich, sei ein Mann in einem riesen Rollstuhl in die Turnhalle gefahren worden. "Die Kinder hatten damit überhaupt kein Problem, sie sind gleich auf den Mann zugegangen", erzählt er. Überhaupt sei diese Begegnung ein "toller Erfolg" gewesen. Die Kinder gaben dem Senior, der sonst kaum mehr reagiert hat, ein kleines Geschenk. Der versteckte das sofort unter seiner Decke und man habe ihm angemerkt, wie viel Spaß ihm die Kleinen gemacht haben.

Dürl weiß, dass auch die Eltern sehr positiv auf die regelmäßigen Treffen mit den Senioren reagieren und so werden diese wohl bald eine feste Tradition sein.

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