GEROLZHOFEN

St. Regiswind ist bald bezugsfertig

Noch sind die Handwerker zugange, doch es lässt sich schon erahnen, dass das neue Kinderhaus St. Regiswind angenehm hell und lichtdurchflutet sein wird. Das Bild entstand im ersten Stock. Die Wände im Hintergrund werden von den Schreinern noch mit Lärche-Brettern verkleidet.
Noch sind die Handwerker zugange, doch es lässt sich schon erahnen, dass das neue Kinderhaus St. Regiswind angenehm hell und lichtdurchflutet sein wird. Das Bild entstand im ersten Stock. Die Wände im Hintergrund werden von den Schreinern noch mit Lärche-Brettern verkleidet. Foto: Klaus Vogt

Noch vor Weihnachten können die Buben und Mädchen der Stadt in das neue Kinderhaus St. Regiswind einziehen. Zwar wuseln derzeit noch an allen Ecken und Enden die Handwerker herum, um abschließende Arbeiten zu erledigen. Doch bei einem Gang durch die Baustelle kann man schon jetzt eines deutlich erkennen: Den Planern und Verantwortlichen ist ein großer Wurf gelungen. Das Haus besticht durch seine durchdachte Raumaufteilung und seine elegante Schlichtheit.

Die Planer der Brückner & Brückner Architekten GmbH aus Würzburg ließen ein Gebäude entstehen, das durch seinen Raumzuschnitt und die Verwendung von verschiedenen Holzarten eine beruhigende Natürlichkeit, eine Schnörkellosigkeit und gestalterische Klarheit ausstrahlt.

Fünf Krippen mit maximal je zwölf Kindern unter drei Jahren und drei Kindergarten-Regelgruppen mit je bis zu 25 Buben und Mädchen können in dem neuen Haus betreut werden. Hinzu kommt ab den frühen Mittagsstunden noch ein Hort für bis zu 30 Schulkinder ab der dritten Klasse, die als gemeinsamen Treffpunkt einen eigenen Freizeitraum haben und dann am Nachmittag freiwerdende Kindergartenräume nutzen.

Neben St. Regiswind wird auch weiterhin das Kinderhaus St. Martin an der Grabenstraße das umfassende Angebot an Kinderbetreuung in Gerolzhofen ergänzen: An der Grabenstraße wird es einen Hort für Schulkinder aus den ersten und zweiten Schulklassen geben. Außerdem werden dort die Vorschulkinder des Kindergartens konzentriert auf ihre bevorstehende Schullaufbahn vorbereitet.

Jede der acht Gruppen im neuen St. Regiswind hat künftig eigene, in sich abgeschlossene Räume, die sich auch in der Außenansicht des lang gestreckten Gebäudes als einzelne Kinderhäuser abbilden. Entstanden ist gleichsam ein kleines Kinderdorf. Die vier Gruppen im Erdgeschoss haben jeweils direkten Zugang zum Garten. Die oberen vier Gruppen teilen sich zwei große Terrassen, von dort geht es über Treppen hinunter in den Garten. Das hochgedämmte Gebäude wird über eine Pellets-Heizung mit Wärme versorgt.

Bis ins kleinste Detail durchdacht

Jede der acht Einheiten ist architektonisch bis ins kleinste Detail durchdacht: Neben dem großzügigen zentralen Gruppenraum gibt es dort jeweils noch einen Ruheraum, wo sich die Kleinen aus dem Trubel in der Gruppe auch mal zurückziehen können. In den Gruppeneinheiten, die im ersten Stock untergebracht sind, erreichen die Kinder über Holztreppen ihre Ruheräume, die sich auf einer in den Raum integrierten Ebene oben unter der Dachschräge befinden.

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Baustelle St. Regiswind

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Jede der von Tageslicht durchfluteten Einheit hat eigene sanitäre Einrichtungen mit kindgerechten Toiletten und Waschbecken. In den fünf Gruppenhäusern, in denen künftig Krippenkinder unter drei Jahren betreut werden, gibt es auch noch kleine Badewannen und Wickeltische. In allen acht Gruppen wird es kleine Küchenzeilen geben, mit Spüle, Kühlschrank und Herd/Backofen. Diese Kleinst-Küchen sind so in die Raumausstattung integriert, dass sie nicht wie Fremdkörper wirken.

Zwischen den einzelnen Kinderhäusern gibt es noch Gemeinschaftsräume, zum Beispiel den Speisesaal, einen großen Bewegungsraum, Therapie- und Bewegungsräume sowie einen Raum der Stille. Daneben wurde auch an Sozialräume für das Personal gedacht, an Besucher-Toiletten, an einen Abstellraum für Kinderwägen und an Büros für die Verwaltung.

Die Grundüberlegung sei gewesen, ein kleines Kinderdorf zu schaffen, in dem sich Kinder wohlfühlen, sagt Pfarrer Stefan Mai als Vertreter der katholischen Kirchenstiftung, die als Bauherrin auftritt. Manche der Kleinen würden ja nahezu den ganzen Tag in St. Regiswind verbringen. Ein alter Spruch laute: „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ Dies habe man bei der Planung nachempfunden.

Im Erdgeschoss ziehe sich der lange Hauptgang, ausgelegt mit Muschelkalk-Platten, wie eine Straße durch ein Dorf, erklärt Pfarrer Mai. Die Wände sind – ähnlich wie die komplette Außenfassade – mit Paneelen aus Lärchenholz auf dunklem Hintergrund verkleidet. An den Seiten der „Straße“ befinden sind die Eingänge in die einzelnen Kinderhäuser und Gemeinschaftsräume. Dort wechselt der Fußbodenbelag dann von Muschelkalk auf Eichendielen. Die Inneneinrichtungen der Gruppenhäuser und Gemeinschaftsräume sind durchgehend aus heller Fichte. Auffallend ist, dass alle Räume über zahlreiche Fenster viel Tageslicht erhalten und deshalb so gut wie kein Kunstlicht eingesetzt werden muss.

Keine aufdringliche Dekoration

Pfarrer Stefan Mai umschreibt das bei dieser Innengestaltung umgesetzte Konzept mit den Holzarten in verschiedenen Farben als „edle Schlichtheit“. Es soll den Kindern Hilfe sein, wenn sich deren eigenes ästhetisches Empfinden entwickle. Eine andernorts oft zu sehende, sicher gut gemeinte Ausstaffierung und „Verzierung“ der Kindergärten, beispielsweise mit grell bemalten Comic-Figuren, lehnt Mai deshalb ab. So eine von Erwachsenen erdachte aufdringliche Dekoration sei nicht kindlich, sondern vielmehr kindisch.

Das Projekt mit Vorzeige-Charakter hat natürlich auch seinen Preis. Die Baukosten summieren sich laut Kirchenpfleger Hubert Zinkl auf 4,1 Millionen Euro. Mehrere Geldgeber schultern gemeinsam diese Herausforderung: 1,2 Millionen Euro steuert die Stadt Gerolzhofen bei, der Freistaat Bayern zahlt 1,8 Millionen, die Diözese Würzburg 670 000 Euro und die Katholische Kirchenstiftung Gerolzhofen ist mit einer halben Million Euro dabei. Zinkl lobt in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Gerolzhofen, insbesondere mit dem Bauausschuss des Stadtrates und Stadtbaumeister Jens Pauluhn.

Der Leiterin der Kinderhäuser, Elisabeth Ankenbrand, ist die Vorfreude auf das tolle neue Haus schon anzusehen. Sie hofft, dass sich noch einige großzügige Spender finden, um zum Beispiel die Kleinst-Küchen mitzufinanzieren, die ursprünglich nicht in der Kostenplanung vorgesehen waren. Einen namhaften Spender gibt es schon: Die VR-Bank Gerolzhofen stellt 5000 Euro zur Verfügung. Bankdirektor Klaus Henneberger sagte, die Bank schütte pro Jahr bis zu 25 000 Euro für kulturelle und soziale Projekte aus. Man sehe das neue Kinderhaus als ein „äußerst wichtiges Projekt“ für die Stadt an. Vielleicht sei die Spende der VR-Bank auch Ansporn für andere Unternehmen, ebenfalls eine Spende lockerzumachen.

Großzügige Spende: Die Direktoren der VR-Bank Gerolzhofen, Klaus Henneberger (links) und Hubert Zinkl (rechts), überreichten eine Spende über 5000 Euro an das Kinderhaus St. Regiswind. Es freuen sich Pfarrer Stefan Mai und die Leiterin Elisabeth Ankenbrand.
Großzügige Spende: Die Direktoren der VR-Bank Gerolzhofen, Klaus Henneberger (links) und Hubert Zinkl (rechts), überreichten eine Spende über 5000 Euro an das Kinderhaus St. Regiswind. Es freuen sich Pfarrer Stefan Mai und die Leiterin Elisabeth Ankenbrand. Foto: Klaus Vogt

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