GEROLZHOFEN

Stadtrat einstimmig für Acht-Millionen-Projekt Geomaris

Es ist vollbracht. Tausende von Geomaris-Freunden können aufatmen. Der Stadtrat fasste am Montag den einstimmigen Beschluss, das Bad zu sanieren und teilweise neu zu bauen. Die Kosten von 7,99 Millionen Euro lesen sich zwar wie ein Sonderpreis, sind aber noch einmal gestiegen. Gleichzeitig gab es eine Hiobsbotschaft, deren Tragweite noch nicht abzusehen ist: Es ist noch nicht sicher, ob und in welcher Höhe die Stadt in den Genuss von Fördermitteln nach den Richtlinien für öffentliche touristische Infrastruktureinrichtungen (RÖFE) kommt.

Zentraler Diskussionspunkt war die Frage, ob die bestehende Schwimmhalle noch ein Stück nach Süden erweitert werden soll, um mehr Ruheraum zu gewinnen. Das würde mit einer konventionellen Abdeckung 120  000 Euro kosten. Im Gegenzug würde die Stadt bei einem Verzicht auf einen Mauerdurchbruch im Westen der Halle, um neuen Ruheraum zu gewinnen, 50  000 Euro sparen und weitere 20  000 durch den Wegfall von Wärmebänken.

Trotz dieser Entlastung warnte insbesondere der kommende Bürgermeister Thorsten Wozniak vor dieser Erweiterung. Angesichts der hohen Förderung, die die Stadt wegen ihrer klammen finanziellen Lage in Aussicht gestellt bekam, sollten nicht weitere kostensteigernde Accessoires dazukommen. Damit gebe man bei dem Fördergeber ein schlechtes Bild ab. Zweiter Bürgermeister Erich Servatius, der die Sitzung leitete, sagte klipp und klar, für diese Vergrößerung der Hallenfläche werde es keine Förderung geben.

Knapp für die Erweiterung

Trotzdem sprach sich der Rat knapp mit 11:9 für die Zusatzinvestition aus, allerdings im Hinblick auf Wozniaks Einwand nur unter dem Vorbehalt, dass sie sich nicht negativ auf die Förderhöhe auswirkt. Wenn das so kommt, wird auf den Mauerdurchbruch im Westen verzichtet.

Für andere Stadträte war dieser „Wintergarten“ mit Blick auf das Schwimmerbecken und die Volkach-Aue verlockend. Wozniak wollte Wärmebänke anstelle der vorhandenen Stühle, die immer nur von Gepäck und Handtüchern belegt seien, nicht aber von Badegästen.

Wenn die Bänke kommen, werde es ohne Erweiterung eng, hielt Ludolf Kneuer dagegen. Das sah auch Thomas Vizl so. Zu große Enge in der Halle würde das Bad unattraktiver machen. Dietmar Röder unterstützte das: Es sei schließlich das ehrgeizige Ziel, mit dem neuen Geomaris die Besucherzahl wieder auf alte Höhen von etwa 350 000 im Jahr zu bringen. Lukas  Bräuer stimmte gar für eine Erweiterung der Halle mit Glasdach. Die würde 150 000 Euro kosten. Geomaris-Betriebsleiter Wolfgang Schulz wäre zwar nicht glücklich, wenn der Aufenthaltsbereich verkleinert werden würde, kann sich aber mit einem 1:1-Erhalt der jetzigen Fläche abfinden.

Geomaris-Betriebsleiter Wolfgang Schulz wäre zwar nicht glücklich, wenn der Aufenthaltsbereich verkleinert werden würde, kann sich aber mit einem 1:1-Erhalt der jetzigen Fläche abfinden.

Fast doppelter FAG-Fördersatz

Mit Schreiben vom 14. Dezember 2012 hat die Regierung von Unterfranken der Stadt die voraussichtlichen Fördersätze mitgeteilt. Der besondere Clou dabei: Im Einvernehmen mit der bayerischen Staatsregierung herrscht die Einschätzung vor, dass der Orientierungswert von 35 Prozent bei den Mitteln des Finanzausgleichs (FAG) angesichts der finanziellen Lage der Stadt und der großen Bedeutung des Bades über das Hoheitsgebiet der Stadt hinaus fast eine Verdoppelung dieses Satzes (68,9 Prozent) festgesetzt werden kann. Bei diesem Fördertopf werden die zuweisungsfähigen Kosten für das Schulschwimmen von 2,9 Millionen Euro angesetzt. Beim genannten Fördersatz ergeben sich 2,0 Millionen Euro noch aus dem Mittelkontingent von 2014.

Kein Eintritt für Extras

Nach RÖFE werden im Moment das Jod-Selen-Becken, die Rutsche, das Dampfbad und die Sonnenloggia anerkannt, sofern dafür keine eigenen Eintritte erhoben werden. Das kostet zusammen 2,263 Millionen Euro und kann mit 50 Prozent, also 1,13 Millionen Euro bezuschusst werden. Dieser Zuschuss kann sich noch einmal um 131  000 Euro, also um zehn Prozent erhöhen, wenn der Verschuldungsgrad der Stadt zu hoch werden würde.

Bei einer Baukostensumme von 7,88 Millionen Euro (ohne Wintergarten) bliebe ein städtischer Anteil von 4,729 Millionen Euro. Das sind rund 433  000 weniger als im Haushaltsansatz 2012 stehen.

Gerichtsurteil macht unruhig

Die eingangs angesprochene Gefahr für die RÖFE-Mittel beruht auf einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 19. Dezember 2012. Darin geht es um den Zuschuss für den Flughafen Halle/Leipzig und die Frage, ob es sich hierbei um eine Wirtschafts- oder Tourismus-Förderung handelt. Diese Frage könnte sich auch beim Geomaris ergeben. Die Entscheidung muss die „höhere Politik“ treffen, sagte Stadtbaumeister Jens  Pauluhn am Dienstag auf Anfrage.

Trotz dieser ärgerlichen Unsicherheit – darüber regte sich besonders Thomas Zink auf –  werden die Bauarbeiten im April oder Mai mit dem Abriss der Bauteile aus dem Jahr 1992 beginnen. Fertig sein soll das  Millionenprojekt im Dezember 2014.
 

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