SCHWEINFURT

Stadtrat sagt Ja zur Landesgartenschau 2026

Er kämpfte für die Landesgartenschau 2026 und freut sich, dass der Stadtrat mehrheitlich dem Verwaltungsvorschlag folgt und die Vergabe annimmt: Baureferent Ralf Brettin deutet in der Baustelle der ehemaligen Ledward-Kasernen auf den Bereich, in dem später die Carus-Allee und der LGS-Park entstehen sollen. Foto: Oliver Schikora

Es war eine teils hitzige Diskussion, am Ende aber eine klare Entscheidung: 31:11 für die Landesgartenschau (LGS) 2026. Die Stadträte der CSU, proschweinfurt, Linken, Bündnis 90/Die Grünen, AfD und FDP stimmten dafür, das Angebot der Bayerischen Landesgartenschau GmbH, die LGS 2026 auf dem Konversionsgelände in den Ledward-Kasernen und auf dem Kessler Field auszurichten, anzunehmen. Dagegen waren die Räte der SPD sowie der Schweinfurter Liste/Freie Wähler.

Anfang August hatte der bayerische Umweltminister Marcel Huber die Bewerbung der Stadt für die Ausrichtung der Landesgartenschau positiv beschieden und mitgeteilt, dass die Bewertungskommission von dem Konzept sehr angetan gewesen sei. Wie mehrfach berichtet, soll die LGS auf einem gut zwölf Hektar großen Gelände im nordwestlichen Teil der Ledward-Kasernen zwischen der noch zu bauenden Carus-Allee und der Kleingartenanlage Alte Warte sowie auf dem ein Stück weiter westlich liegenden Kessler Field stattfinden.

Wald oder nicht Wald 

Blumen statt Panzer

In Ledward ist ein großer Park vorgesehen, eine ehemalige Panzerhalle wird zur Blumenhalle und für Gastronomie umgebaut, außerdem entstehen auf terrassierten Flächen Schaugärten. Im Kessler Field würden in einem kleinen Park die Ausstellungspavillons für Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Ministerien oder Verbände platziert, außerdem sollen Neubauprojekte für alternative, moderne Wohnformen realisiert werden. Über die Heeresstraße und die Willi-Kaidel-Straße werden die Gelände verbunden, inklusive Blütenband und gewerblichem Gartenmarkt.

Neben der Landesgartenschau gibt es weitere so genannte Trittsteine Richtung Innenstadt und Main, die aber nicht in den Kosten enthalten sind – dabei geht es darum, dass Volksfestplatz, Schuttberg, Schelmsrasen, Gutermann-Promenade und Mainlände im Zuge der Neubauten für die LGS umgestaltet und aufgewertet werden.

Streit zwischen Schneider und Verwaltung

Die Argumente in der Diskussion für und wider die LGS waren vielfach in früheren Debatten bereits genannt. Vertreter von CSU, Grünen, Linken und proschweinfurt sprachen sich klar für die Landesgartenschau aus, natürlich auch Baureferent Ralf Brettin und Oberbürgermeister Sebastian Remelé. Stefan Funk, Fraktionsvorsitzender der CSU, lobte das Konzept, sprach von „strategischer Stadtentwicklung“ und einer „zusätzlichen grünen Lunge“. Man wolle nun die Planung „zielstrebig und konsequent“ weiterentwickeln.

Zu Beginn der Stadtratssitzung – die LGS war Tagesordnungspunkt 19 – war SWL/FW-Rätin Ulrike Schneider mit einem Vertagungsantrag gescheitert. Schneider hat mit Annelie Maidhoff als Privatpersonen ein Bürgerbegehren gegen die LGS initiiert und schlägt stattdessen vor, auf gut zehn Hektar Fläche einen Wald anzupflanzen. Dies sei ökologisch viel besser und mit gut 100 000 Euro nach Abzug der Förderung deutlich günstiger als das Millionen-Projekt LGS. Für dieses Ansinnen hat sie bereits über 3000 Stimmen gesammelt und kündigte an, man werde die Listen in dieser Woche zur Prüfung bei der Stadtverwaltung einreichen.

Da Schneider aus ihrer Sicht davon ausgeht, bei einem Bürgerentscheid eine Mehrheit zu bekommen, forderte sie, dass der Stadtrat das Bürger-Votum abwarten solle. Dass dem nicht so war, erzürnte sie und sorgte für einen in der Wortwahl durchaus heftigen Disput im Gremium. Für Schneider war die Ablehnung der Vertagung „eine kleinkarierte Demonstration der Macht“ der Mehrheits-Fraktion.

Finanzierung sorgt für Kritik

Sie brachte sieben Kritikpunkte gegen das aus ihrer Sicht „nicht schlüssige“ Konzept vor, darunter die Finanzen. Die Kosten für eine Landesgartenschau werden in einem Investitionshaushalt (für den Bau der Daueranlagen, Park, Wiesen, Beete, etc.) und einem Durchführungshaushalt (Ticketing, Veranstaltungsmanagement, etc.) abgebildet. Für beide werden jeweils rund zwölf Millionen Euro angesetzt. Für den Bau der Anlagen gewährt der Freistaat Bayern eine Fixsumme von fünf Millionen Euro als Zuschuss. Der Durchführungshaushalt wird durch Einnahmen aus Tickets, Marketing und Sponsoring finanziert.

Die Stadt rechnet mit 750 000 Besuchern und geht davon aus, den Durchführungshaushalt kostendeckend gestalten zu können. Schneider hält das „für eine Milchmädchenrechnung“. Sie glaubt, die Besucherzahl sei viel zu niedrig angesetzt. Angesichts der schlechten Erfahrungen in Würzburg bei der dortigen Landesgartenschau sei das Kostenrisiko für die Stadt viel zu hoch. Diese Sorge teilt SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Hofmann, der darauf hinwies, dass bei der Landesausstellung „Main und Meer“ 2013 deutlich weniger Besucher nach Schweinfurt kamen als bei anderen Landesausstellungen. FDP-Stadtrat Georg Wiederer, ein Befürworter der Landesgartenschau, macht das Thema Finanzen auch Bauchschmerzen: „Der Durchführungshaushalt ist ein Wünsch dir was. Wir sollten uns auf einen Höchstbetrag einigen, der das Kostenrisiko begrenzt.“

Welche Auswirkungen, zum Beispiel in Sachen Schadensersatz, ein gültiger Bürgerentscheid, bei dem die Landesgartenschau abgelehnt und die Wald-Pläne befürwortet würden, hätte, konnte die Verwaltung ad hoc nicht beantworten.

Die Landesgartenschau 2026 in Schweinfurt soll auf zwei verschiedenen Geländen (auf der Grafik in grün) stattfinden: der größere Teil in den ehemaligen Ledward-Barracks südlich der Kleingartenanlage Alte Warte sowie auf dem Kessler Field/Yorktown Village. Foto: Konzeptentwurf UmbauStadt GbR/WGF Nürnberg/Stadt Schweinfurt

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