SCHWEINFURT

Stadtviertel entscheidet über Schulkarriere

Das ABC: Nicht jeder Grundschüler lernt er problemlos. Die SPD will mit städtischem Geld benachteiligten Schülern auf die Sprünge helfen.
Das ABC: Nicht jeder Grundschüler lernt er problemlos. Die SPD will mit städtischem Geld benachteiligten Schülern auf die Sprünge helfen. Foto: dpa

Das Thema treibt den stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Stadtratsfraktion schon geraume Zeit um. Werner Bonengel hat sich die Übertrittsverhalten der Schüler an den Grundschulen genau angeschaut und ist zu dem Schluss gekommen, dass die Bildungschancen in der Stadt keinesfalls gleich verteilt seien, wie „das die Propaganda meint“. Das Rathaus müsse deshalb sofort handeln, erklärte Bonengel bei der Präsentation zweier von ihm gestellter Anträge.

Die hat er in ähnlicher Weise – freilich erfolglos – zu den Haushaltsberatungen für 2013 schon einmal gestellt. Seine nun verlangte „zusätzliche Förderung benachteiligter Schüler“ in den Grundschulen und die „verstärkte Jugendsozialarbeit“ in den Mittelschulen seien aber „wegen der Armut der Stadt nicht groß diskutiert“ worden, merkte Bonengel mit einem Schuss Sarkasmus an. Er halte das für einen Skandal, zumal die Probleme schon in den Grundschulen extrem zunähmen. Der SPD-Stadtrat meint, dass „natürlich zunächst der Staat seine Schulen personell besser ausstatten muss, aber es sind doch unsere Schweinfurter Kinder, die uns später hier in Schweinfurt wieder vor die Füße fallen“.

Mit seinem erneuten Vorstoß wolle er genau das verhindern. „Wir brauchen jede Menge qualifizierter und leistungsbereiter junger Menschen, wenn wir unsere Fabriken und unseren Industriestandort halten wollen“. Die blinde Haushaltspolitik der Stadtratsmehrheit behindere aber die Zukunft der Stadt hier genauso, wie das beim Arbeitsförderungszentrum „besonders eklatant“ der Fall sei, stellte Bonengel fest.

Für jede Grundschule fordert der Genosse jeweils 5000 Euro, also insgesamt 40 000, um die zunehmenden Probleme bei der Einbindung sozial benachteiligter Schüler bei der Vermittlung von Lerninhalten und Kompetenzen zu beheben. Die SPD-Fraktion habe auf diese bedauerliche Entwicklung bereits mehrfach hingewiesen, sagt Bonengel unter Hinweis auf erwähnte Übertrittsquoten in weiterführende Schulen.

40 Prozent der Schweinfurter Grundschüler wechselten zuletzt an die Mittelschulen, 33 Prozent an Gymnasien und 27 Prozent an Realschulen. Während der Gymnasialbesuch seit Jahren nahezu stabil ist, verlieren die Mittelschulen an die Realschulen bei den Zugängen.

Etwa die Hälfte der Grundschüler der Albert-Schweitzer- (Bergl), Auen- (nördliche Innenstadt), Körner- (bei der Stadthalle) und Pfeiffer-Grundschule (Oberndorf) wählten die Mittelschule. Auffällig ist, dass an der Friedrich-Rückert-Schule zuletzt fast 60 Prozent der Kinder in die Mittelschule, aber nur zwölf Prozent ans Gymnasium und 25 Prozent an die Realschule wechselten. Bei der Kerschensteiner-Schule am Hochfeld ist das Verhältnis nahezu umgekehrt: 54 Prozent gingen an die Gymnasien, je gut 20 Prozent an die Mittel- und Realschulen.

Die Stadt könne sich nach Bonengels Auffassung aber nicht leisten, „eine zunehmende Schülerzahl zu minder qualifizierten Mitgliedern der Gesellschaft heranwachsen zu lassen“. Bei zusätzlicher Förderung könnten sie entsprechende qualifizierte Schulabschlüsse erreichen. Es müsse der Stadt deshalb „ganz besonders daran gelegen sein, einen Kreislauf unqualifizierter, bildungsferner Schichten zu verhindern“.

Seine SPD sehe insbesondere die Ganztagsschulen und -klassen als geeigneten Weg zur Förderung sozial benachteiligter Kinder. Um das formulierte Ziel zu erreichen, müsse der Schulbetrieb „dringlich“ über das gesetzliche Maß hinaus finanziell unterstützt werden. Über die geforderten jeweils 5000 Euro sollen die Schulleitungen frei entscheiden dürfen. Sie sollten dem Stadtrat nach gegebener Zeit über den Mitteleinsatz berichten. Das wiederum sieht Bonengel als Grundlage für eine Fortführung der zusätzlichen Förderung.

Außerdem will der SPD-Stadtrat einen weiteren Jugendsozialarbeiter für die Mittelschulen Albert-Schweitzer und Frieden. Bonengel hat auch dort über die gleichen Probleme bei der Einbindung sozial benachteiligter Schüler erfahren. Durch sie werde auch die Entwicklung der leistungsbereiten Schüler behindert.

Seit vielen Jahren sehe die SPD den Einsatz von Jugendsozialarbeitern als „besonders geeigneten Weg zur Förderung eines effektiven Unterrichts an Mittelschulen“. Diese Auffassung habe sich glücklicherweise auch in Schweinfurt durchgesetzt. Die Zahl der derzeit tätigen Jugendsozialarbeiter sei aber zu gering. Die neue Stelle soll über die für 2013 bereitgestellten Mittel für Personalausgaben finanziert werden.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Albert Schweitzer
  • Bildungschancen
  • Friedrich Rückert
  • Grundschulen
  • Jugendsozialarbeiter
  • Mittelschulen
  • Ortsteil
  • Realschulen
  • SPD
  • SPD-Fraktion
  • Soziale Benachteiligung
  • Werner Bonengel
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!