GEROLZHOFEN

Stecken Eugen und seine erdachten Freunde

Lustiges Steckenland: Im Februar war das Projekt „Unsere Steckenfreunde“ im Gerolzhöfer Waldkindergarten im Mahlholz gestartet worden. Aufgelesenen Ästen hatten die Buben und Mädchen hierzu Leben eingehaucht. Für einen der „Steckenfreunde“ war sogar mit Unterstützung von Pädagogin Heike Häberlein der „dicki Silvio Song“ entstanden. Foto: Waldkindergarten

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, Kinder als Entdecker ihrer Welt durch die Erfahrungen in und mit der Natur in ihrem Forscherdrang zu fördern. Zum Beispiel, indem sie im Wald Freundschaft mit unscheinbaren, am Boden liegenden Stecken schließen.

Wie dem „Eugen“, dessen Steckenfreunde sie dann Namen wie „dünne Luisa“, „dicki Silvio“, „kleiner Mario“ oder „schöne, schrumpelige Oma“ geben und denen sie obendrein durch die Zuschreibung bestimmter Charaktereigenschaften, Vorlieben und Fähigkeiten Leben einhauchen.

„Drei Raben“, und damit die Höchstpunktzahl, gab es jetzt für das von Heike Häberlein geleitete Projekt „Unsere Steckenfreunde“ des Waldkindergartens Gerolzhofen, wie Leiterin Ulli Hillebrand voller Stolz berichtet.

Die Einrichtung im Mahlholz darf sich nun, zunächst begrenzt auf ein Jahr, „ÖkoKids – KindertageseinRICHTUNG NACHHALTIGKEIT“ nennen. Diese Auszeichnung für bayerische Kindertagesstätten vergibt der Landesbund für Vogelschutz (LBV) seit 2011 in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit.

Kindergartenkinder sind neugierig und begeisterungsfähig für die Schätze unserer Natur und Umwelt. Dies betonte Bayerns Umweltstaatssekretärin Melanie Huml jetzt in Nürnberg bei der Auszeichnung von 70 Kindertageseinrichtungen aus ganz Nordbayern, darunter als einziger aus dem Landkreis Schweinfurt der Waldkindergarten Gerolzhofen.

In der kindlichen Neugierde und Lernbereitschaft stecke ein unerschöpfliches Potenzial, das in Projekten zur Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung gefördert und genutzt werden könne, sagte Huml.

„So können wir sie für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung begeistern.“
Melanie Huml, Umwelt-Staatssekretärin

Ziel sei es, die Kinder spielerisch und altersgemäß an den Wert von Natur und Lebensraum heranzuführen und ihnen die Augen zu öffnen für das, was unsere Lebensgrundlage ist. „So können wir sie für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung begeistern“, erklärte die Staatssekretärin weiter.

Die Projekte, bei denen vor allem das Entdecken und die gemeinsame Erfahrung im Vordergrund steht, veränderten und erweiterten den Horizont der Mädchen und Buben. So würden sie fit gemacht für ein Leben als verantwortungsbewusste Mitglieder unserer Gesellschaft.

Beispielsweise wurden die 20 Buben und Mädchen das Waldkindergartens durch die Bekanntschaft mit den „Steckenfreunden“ für den achtsamen Umgang mit der Natur und mit ihren Ressourcen sensibilisiert.

Durch das Sammeln von Wasser für das „Steckenschwimmbad“ lernten sie zum Beispiel, wie wichtig Wasser für alle Lebewesen ist. Ein Teil der Kinder schleppte hierzu Regenwasser aus der Pfütze in Schöpfkellen herbei, andere wiederum fingen es in der aufgespannten Plane auf oder zapften es vom Abfluss der Regenrinne der Waldkindergarten-Hütte ab.

Die Kinder lernten zudem mit wie viel Freude man auch ohne vorgefertigtes Spielmaterial spielen kann. Auch bei anderen Aktionen ging es immer wieder darum, ökologische Zusammenhänge aufzuzeigen. Die Waldkinder waren jedenfalls seit Februar mit Begeisterung dabei.

Und der Aufwand von der Erstellung des Konzepts, über die Durchführung des Steckenfreunde-Projekts bis hin zur aufwändigen Dokumentation in Wort und Bild hat sich für alle gelohnt, wie die Auszeichnung zeigt. Sowohl für die Öko-Kids, die jede Menge Erfahrungen und Kenntnisse sammelten, als auch für ihre Erzieherinnen und Pädagoginnen, die sich von höchster Warte in ihrer Umwelterziehung und Umweltbildung bestätigt sehen dürfen.

Und es gibt noch ein besonderes Sahnehäubchen. Denn die besten Projekte wie das des Waldkindergartens, wir erinnern uns an die drei Raben, erhielten neben dem Zertifikat „ÖkoKids – KindertageseinRICHTUNG NACHHALTIGKEIT“ einen Gutschein für ein Theaterstück des Kinderklimabotschafters „Chapeau Claque“. Dazu wird das Theater aus Bamberg extra nach Gerolzhofen kommen und bestimmt ganz tief seinen Zylinder vor den Kindern und ihren Betreuerinnen ziehen.

ÖkoKids – KindertageseinRICHTUNG NACHHALTIGKEIT“

Seit 2011 wird die Auszeichnung „ÖkoKids – KindertageseinRICHTUNG NACHHALTIGKEIT“ jährlich vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Sozialministerium vergeben.

Ausgezeichnet werden damit Kindertageseinrichtungen, wie jetzt der Waldkindergarten in Gerolzhofen, die Themen wie biologische Vielfalt, Klima- oder Umweltschutz und Nachhaltigkeit in den Kindergartenalltag integrieren.

Die Auszeichnung gilt für ein Jahr und kann immer wieder neu erworben werden. Die Bandbreite der bisher gewürdigten Projekte in Sachen Umweltbildung und Nachhaltigkeit ist dabei groß.

Seit April 2013 ist „ÖkoKids – KindertageseinRICHTUNG NACHHALTIGKEIT“ inzwischen von der deutschen UNESCO-Kommission als offizielle Maßnahme der UN-Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ 2012/2013 anerkannt. Text: novo

Strahlende Gesichter: Waldkindergarten-Leiterin Ulli Hillebrand (links) und „Projektmutter“ Heike Häberlein (rechts) nehmen von Umwelt-Staatssekretärin Melanie Huml die Auszeichnung als „Ökokids – KindertageseinRICHTUNG NACHHALTIGKEIT“ entgegen. Foto: Umweltministerium

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