Schweinfurt

"Sternschnuppern" in der Sternwarte der  Rathenau-Schulen

Lichtverschmutzung: Auch Schweinfurt leuchtet bei Nacht ziemlich hell. Foto: Uwe Eichler

Es läuft alles ein bisschen langsamer, im Universum, wo selbst das Licht jahrelang zur Erde unterwegs ist: "Astronomie ist ein Hobby für geduldige Menschen", sagt Michael Sessler, der den Ferienspaß-Ausflug in die Sternwarte der Walther Rathenau-Schulen betreut.

Das 1984 gebaute Observatorium ragt sechs Stockwerke in den Nachthimmel über Schweinfurt, mit Aufzugturm. Dank drehbarer Kupferkuppel kann das Spiegel-Teleskop auf jeden interessanten (Licht-)Punkt am Firmament geschwenkt werden. Nur steckt das "Warten" bei einer Sternwarte schon im Namen: Die sechs Kinder aus Stadt und Landkreis, die ab 20.30 Uhr vorbeischauen, sind eigentlich zu früh dran. Es dauert noch bis zur Dunkelheit. Der Mondaufgang hat sich erst zwei Stunden später angekündigt: zu spät für die jungen Sternschnupperer. Hobby-Astronom und Ex-Rathenau-Abiturient Sessler zeigt erst einmal Impressionen von den unendlichen Weiten da draußen, am Beamer: Sternhaufen, Gasnebel, Galaxien.

"Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten" lautete mal die Eselsbrücke durchs Sonnensystem: mit dem Merksatz lernten Generationen von Schülern anhand des jeweils ersten Buchstabens die Reihenfolge, in der die Planeten ums Zentralgestirn schwirren: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto. Nur wurde Pluto, der äußerste Begleiter der Sonne, mittlerweile zum Zwergplaneten degradiert, berichtet Sessler. Da waren's nur noch acht: "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel" heißt es nun. Immerhin erinnert Pluto daran, dass da draußen auch noch jede Menge Kleinstplaneten, Asteroiden und "Sternschnuppen" unterwegs sind.  

Wie war das noch mal mit Sonnen- und Mondfinsternis? Michael Sessler erklärte das kosmische Schattenspiel am Modell. Foto: Uwe Eichler

Eine enge Treppe führt hinauf zum Allerheiligsten der "Astro AG", dem Spezialkurs der Rathenau-Schüler im Fach Physik. Unter der Kuppel liegt "Astro-Basics" aus, Sonderausgabe von Zenit, der Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft, mit Basiswissen zur Welt der Gestirne, Supernova-Explosionen und Schwarzen Löcher. Im roten Licht einer Leselampe erinnert das Fenster der Kuppel ein wenig an die Sonnenwindschutzscheibe eines Raumschiffs. Die Kindern sind aufgeregt, so nah am Weltall ist man in Schweinfurt selten. Den Hubert Kah-Klassiker "Steeerneeennhimmel" bekommen Michael Sessler und Mitbetreuerin Julia Schlereth an diesem Abend öfters zu hören.  

Lichtverschmutzung ist ein Problem

Der Himmel ist leider etwas bewölkt. Die Stadt leuchtet dafür um so heller: "Lichtverschmutzung ist ein großes Problem", sagt Sessler und denkt da etwa an die großen Leuchtreklame-Schilder der Industrie. Immerhin, das markante "Sommerdreieck" ist im Süden gut zu erkennen. Gebildet wird es vom hellen Deneb, im Sternbild Schwan, Wega im Sternbild Leier, sowie von Altair im Adler. "Was macht das Sommerdreieck im Winter?", will ein Nachwuchs-Astronom wissen. Da ist es teilweise auch noch sichtbar, am Himmelsrand.

Ein Blick auf Saturnringe und Jupitermonde: In der Schweinfurter Sternwarte gab's am Nachthimmel einiges zu entdecken. Foto: Uwe Eichler

Saturn leuchtet ebenfalls in der Linse, als "Herr der Ringe": der zweitgrößte Planet des Sonnensystems hat Gürtel aus Eis und Gestein. Der dickste Brocken unter den Planeten ist ebenfalls kaum zu übersehen: Gasriese Jupiter nebst drei seiner vier (großen) Monde, die schon von Altmeister Galileo Galilei aufgespürt wurden – Io, Europa, Ganymed und Callisto. Der sichtbare Beweis, dass es Himmelskörper gibt, die nicht um die Erde als vermeintlichen Mittelpunkt des Universums kreisen, sorgte im Barock noch für helle Aufregung. 400 Jahre später steht fest, dass selbst unsere große Heizzentrale, die Sonne, nur ein kosmisches Staubkörnchen ist, am Rand der mittleren Milchstraße, mit ihren bis zu 300 Milliarden Sternen.

Die Kinder sind begeistert – und haben mitbekommen, dass es schon wieder Leute gibt, die glauben, dass die Erde eine Scheibe ist. "Was ist dann mit den Menschen auf der anderen Seite?", wundert sich eine Schülerin, "die würden ja auf dem Kopf stehen". Am Ende wird noch (vergeblich) nach dem leuchtenden "Goldenen M" gesucht, als Logo einer irdischen Fast Food-Kette. Leichter zu finden ist der angestrahlte Wasserturm am Bergl. Nach knapp zwei Stunden hat dann die Erde die Ferienspaß-Kinder wieder.

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