BERGRHEINFELD

Stromtrassen: Heftiger Widerstand formiert sich

Bergrheinfelder Landwirte und Bürger demonstrierten gegen SuedLink und den weiteren Ausbau des Netzes in der Region. Zu den gut 160 Masten bei Bergrheinfeld (unten) würden bei Verwirklichung der Wechselstromtrassen P43 und P44 zahlreiche weitere Masten hinzukommen.
Bergrheinfelder Landwirte und Bürger demonstrierten gegen SuedLink und den weiteren Ausbau des Netzes in der Region. Zu den gut 160 Masten bei Bergrheinfeld (unten) würden bei Verwirklichung der Wechselstromtrassen P43 und P44 zahlreiche weitere Masten hinzukommen. Foto: Silvia Eidel

Nicht nur die SuedLink-Gleichstromtrasse wird den Landkreis und die ganze Region fordern. Im Zusammenhang mit dem Netzausbau sollen zusätzlich auch zwei neue oberirdische 380-kv-Wechselstromleitungen, P43 und P44, zum Netzknotenpunkt Bergrheinfeld/Grafenrheinfeld geführt werden. Dagegen formierte sich mit einer gemeinsamen Resolution der Widerstand aus den Landkreisen Schweinfurt und Haßberge.

Auch der Kreis Bad Kissingen, der mit der P43 besonders belastet wäre, soll noch mit ins Boot geholt werden. „Keine weiteren Stromtrassen mit Endpunkt in Bergrheinfeld/Grafenrheinfeld“ ist das Ziel, das die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber (CSU) bei ihrem „8. Runden Tisch“ zum Netzausbau in Bergrheinfeld formulierte. Darüber hinaus müsse überhaupt erst der Bedarf für die beiden Wechselstromleitungen geprüft werden.

Über 160 Strommasten durchqueren die Gemarkung

Im Netzentwicklungsplan (NEP) ist die P43 aus dem hessischen Mecklar (Lkr. Hersfeld-Rotenburg) über Dipperz nach Bergrheinfeld vorgesehen: 131 Kilometer lang und mit einem Neubau von 85 Kilometern. Die P44 soll vom thüringischen Altenfeld (Ilm-Kreis) über Schalkau nach Grafenrheinfeld führen mit einem Neubau von 81 Kilometern.

Am vorgesehenen Endpunkt treffen bereits jetzt zahlreiche Leitungen aus allen Richtungen aufeinander, über 160 Strommasten aller Spannungsebenen durchqueren das Gebiet von Bergrheinfeld. Hinzu kommen zwei Umspannwerke und der künftige Endpunkt und Konverterstandort der Gleichstromleitung SuedLink, wofür der Übertragungsnetzbetreiber Tennet bereits viel Ackerland in der Umgebung gekauft hat.

Man sei zwar noch in einem frühen Stadium des Verfahrens zum NEP 2030, sagte Weisgerber. Bis zum 16. Oktober können Bürger und Kommunen Stellungnahmen zum zweiten Entwurf des NEP bei der Bundesnetzagentur abgeben. Aber umso mehr müsse man deutlich machen, dass eine einzelne Region die Last nicht alleine schultern könne. „Beim Netzausbau muss eine faire Lastenverteilung zwischen den Bundesländern und Regionen erreicht werden“, heißt es in der Resolution.

Unterstützt wurde diese von MdL Steffen Vogel, auch MdB Dorothee Bär werde sie unterschreiben, sagte Weisgerber. Etwa 60 Vertreter aus den Gemeinden der beiden Landkreise sowie des Bauernverbands, Weinbauverbands oder der Bürgerinitiative gegen SuedLink bekundeten ihre Unterstützung.

Alternativen entwickeln

„Die Gemeinde wird bei der europaweiten Energiewende auf dem Scheiterhaufen verbrannt“, formulierte es drastisch Bergrheinfelds Bürgermeister Ulrich Werner. Er berief sich wie Weisgerber auf die energiepolitische Vereinbarung vom 1. Juli 2015, wonach die Bundesnetzagentur (BNA) die Übertragungsnetzbetreiber aufforderte, Alternativen zu entwickeln. Statt Neubauten sollten Bestandstrassen eruiert und neue Endpunkte möglich werden. Eine Bergrheinfelder Delegation sei erst kürzlich in Köln bei der BNA gewesen, und ihr wurde zugesichert, dass es echte Alternativen gebe. „Jetzt ist die Politik dran“, so Werner.

Vier solcher Alternativen wurden gefunden, sagte Weisgerber, netztechnisch sind sie laut BNA realisierbar und gleichwertig. „Auch wenn Tennet das anders sieht.“ Deren Vertreter Andreas Schieder unterstrich, dass „wir aus netztechnischer und wirtschaftlicher Sicht sowie aus Gründen der Akzeptanz die Originale besser finden“. Unter anderem hat sich in Oberfranken eine starke Opposition gegen die Alternative „P44 mod“ gebildet. Sie soll von Altenfeld über Schalkau und Redwitz nach Ludersheim ins Nürnberger Land führen.

Belastung für die Region

In Zeiten neuer politischer Konstellationen in Berlin müsse man gemeinsam auf die Belastung in der Region hinweisen, erklärte Schweinfurts Landrat Florian Töpper. Er habe die schriftliche Zusicherung der Staatsregierung, die P43 und P44 ebenfalls ablehnt. Im Rückblick müsse man zudem festhalten, dass bei energiepolitischen Entscheidungen nicht immer ein wirtschaftlicher Fokus gelegen habe, siehe Subventionen für die Atomkraft. Über Landkreis- und Parteigrenzen hinweg unterstütze man die Resolution, ergänzte Haßbergs Landrat Wilhelm Schneider.

Einzig der Vertreter des Bund Naturschutz in Bayern, Herbert Barthel, wollte die Resolution nicht unterzeichnen, weil deren Ziele ihm nicht weit genug gehen. Der BN habe von Anfang an die Untersuchung einer dezentralen Versorgung gefordert, was nicht geschehen sei. Es gehe gar nicht um Versorgungssicherheit in Bayern, sondern um einen europäischen Energieverbund. Wenn dies der Fall sei, müsste man aber auch nach europäischen Maßstäben prüfen, was wiederum nicht geschehe.

Dem pflichtete BBV-Obmann Armin Wahler bei. Wenn P43 und P44 kämen, „zwingt uns die Politik, radikaler zu werden. Dann werden wir andere Geschütze auffahren.“

Die Resolution gegen weitere Stromtrassen mit dem Endpunkt in Bergrheinfeld/Grafenrheinfeld hat MdB Anja Weisgerber (hinten) initiiert. Für den Landkreis Schweinfurt unterzeichnete sie Landrat Florian Töpper (links), für den Landkreis Haßberge Landrat Wilhelm Schneider (vorne Mitte) sowie MdL Steffen Vogel (dahinter) sowie Bergrheinfelds Bürgermeister Ulrich Werner (rechts). Ihnen folgten zahlreiche Bürgermeister aus den beiden Landkreisen.
Die Resolution gegen weitere Stromtrassen mit dem Endpunkt in Bergrheinfeld/Grafenrheinfeld hat MdB Anja Weisgerber (hinten) initiiert. Für den Landkreis Schweinfurt unterzeichnete sie Landrat Florian Töpper (links), für den Landkreis Haßberge Landrat Wilhelm Schneider (vorne Mitte) sowie MdL Steffen Vogel (dahinter) sowie Bergrheinfelds Bürgermeister Ulrich Werner (rechts). Ihnen folgten zahlreiche Bürgermeister aus den beiden Landkreisen. Foto: Silvia Eidel
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