SCHWEINFURT

Tänze auf dem Todesrad

Die Geschichte, wie der 34-jährige John zum Zirkus gekommen ist, könnte man für einen Scherz halten: „Ich bin hingegangen und habe gefragt, ob ich mitfahren kann“, erzählt er. 17 Jahre alt war er damals. Seitdem reist der Kolumbianer um die Welt. Zurzeit ist er zu Gast in Schweinfurt, sein erstes Engagement in Deutschland.
Das Todesrad – die „Latino Brothers“ gehen darauf spazieren wie andere im Park.
Das Todesrad – die „Latino Brothers“ gehen darauf spazieren wie andere im Park. Foto: FOTO Laszlo Ruppert

Sein halbes Leben ist er nun auf Tour. Inzwischen verbringt er den größten Teil des Jahres nicht mehr in Südamerika, sondern in Belgien und Frankreich. Als „Latino Brothers“ steht er mit Milton, Viviana und Eric, alle ebenfalls aus Kolumbien, im Circus Busch in der Manege. Milton ist wie John zum Zirkus gekommen, hat angeheuert bei einem Zirkus auf der Durchreise. Mit Zirkusromantik hatte die erste Zeit allerdings wenig zu tun. Statt Scheinwerferlicht gab es eine Menge Arbeit, sagt John. „Erst wenn die Leute merken, dass du es ernst meinst, dass du wirklich Interesse hast, bringen sie dir etwas bei.“

Viviana und Eric hatten es einfacher. Die beiden, inzwischen verheiratet, stammen aus Zirkusfamilien, sind mit und im Rampenlicht großgeworden und tanzen heute in der Show gemeinsam auf dem Hochseil. „Sie haben es von klein auf gelernt“, sagt John, „und es ist leichter, wenn man schon als Kind lernt, die Balance zu halten.“ Ihn fasziniert am Zirkus vor allem das Adrenalin, sagt er. Mit Milton turnt er über das „Wheel of Death“, das Todesrad. Die Show auf dem Hochseil, die Viviana, Eric mit Milton präsentieren, ist „typisch kolumbianisch“: eine Mischung aus Energie, Kraft, Akrobatik, Tanz und lateinamerikanischer Musik. Eine typisch deutsche Nummer dagegen ist, so John, „irgendetwas mit Tieren“.

Jedes Jahr sind die Vier von Januar bis November beim Cirque Zavatta Prein in Frankreich unter Vertrag. „Ein unbefristetes Engagement“, erzählt John. Die Saisonpause bei Zavatta Prein am Ende des Jahres nutzen die Kolumbianer für andere Engagements, oft in anderen Ländern Europas. Dabei greifen sie zurück auf mehrere Agenturen, die Engagements und Artisten vermitteln.

So ging es für die Vier von Frankreich aus direkt zum Circus Carl Busch nach Schweinfurt. Erst zwei Stunden vor Showbeginn sind sie am Premierentag am Volksfestplatz angekommen. Kein Problem, sagt John. „Man könnte uns auch nachts wecken und wir würden sicher über das Hochseil spazieren.“ Entsprechend kurz fällt – sofern sie keine neue Nummer einstudieren – in der Regel auch das Training aus.

Doch gerade an Weihnachten zeigt das Zirkusleben auch seine Schattenseiten. „Natürlich vermissen wir gerade zu dieser Zeit unsere Familien“, sagen die Artisten. „Aber es ist unser Job.“ Und der ist unberechenbar. „Du weißt nie, wo du morgen bist.“ Bis zum 6. Januar jedenfalls haben sie erst einmal Sicherheit. Bis dahin sind die Vier nämlich in Schweinfurt.

Täglich bis 6. Januar Vorstellungen am Volksfestplatz: montags bis donnerstags sowie samstags 15 und 20 Uhr, freitags und sonntags 15 und 18.30 Uhr, am Abschlusstag nur 15 Uhr. Karten: Schweinfurter Tagblatt, Tel. (0 18 01) 052 052, Circus-Hotline Tel. (01 77) 2 74 68-97 und -96 sowie täglich von 10 bis 12 Uhr und jeweils eine Stunde vor der Show an der Zirkuskasse.

Künstler aus Kolumbien: Eric, Vivana und Milton, ausnahmsweise mal nicht hoch oben in der Luft.
Künstler aus Kolumbien: Eric, Vivana und Milton, ausnahmsweise mal nicht hoch oben in der Luft. Foto: FOTO Waltraud Fuchs-Mauder

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