GRAFENRHEINFELD

Tagesmutter aus Leidenschaft

Bildunterzeile zu Bild Tagesmutter (18) Schuhe aufräumen. Das hat die eineinhalb-jährige Carlotta schon gelernt, die Schuhe gehören in die Abstellkammer. Foto: Ursula Lux

Carlotta (eineinhalb Jahre) verzieht das Gesicht. Bevor sie das Weinen anfängt, erklärt ihr Claudia Kraus: „Das war jetzt nicht schlimm, Carlotta, der Samuel wollte nur vorbeigehen.“ Na dann, Carlotta ist beruhigt und spielt weiter.

Claudia Kraus ist mit „ihren“ fünf Kleinen auf dem Spielplatz. Sie ist Tagesmutter aus Leidenschaft. „Mir geht's so gut damit, meinen Tag mit den Kindern zu gestalten“, lacht sie. Die gelernte Erzieherin hat 13 Jahre lang als Kindergartenleiterin gearbeitet, dann 18 Jahre lang einen kleinen Spielzeugladen betrieben. Als sie den schloss, begann sie zu überlegen: „Was kann ich gut?“ Die Antwort darauf war schnell gefunden: Sie kann gut mit Kindern, und so fiel vor vier Jahren der Entschluss, als Tagesmutter zu arbeiten. Aufgrund ihrer Qualifikation arbeitet sie auch noch als Referentin in der Fortbildung anderer Tagesmütter beim Beruflichen Förderzentrum der Bayerischen Wirtschaft (bfz) in Schweinfurt.

Im Moment betreut sie sechs Kinder zwischen eineinhalb und dreieinhalb Jahren, davon jeweils fünf gleichzeitig. Wenn das eine Kind abgeholt wird, dann kommt ein anderes aus dem Kindergarten. Zwei ihrer Schützlinge wechseln zum September in den Kindergarten, erzählt sie und bedauert: „Ich bin schon ganz, ganz traurig.“

Kraus und ihre Kinder sind eine richtige kleine Familie. „Wir räumen jetzt ganz schnell auf“, ruft sie den Kindern zu und die sammeln ihre Spielsachen, deponieren sie auf dem Leiterwagen und besteigen ihre Fahrzeuge. Nach dem Spielplatzaufenthalt geht es „nach Hause“. Die Kinder stürmen die Wohnung und gehen zielsicher ins Spielzimmer, dort setzten sie sich gleich an den Tisch, jetzt wird getrommelt und gerufen, denn sie wissen, dass ihr Essen gleich kommt. Claudia Kraus hat alle Hände voll zu tun: das Essen warm machen, Lätzchen umbinden und die kleine Rasselbande zum Abwarten motivieren.

„Man braucht schon eine gewisse Lässigkeit“, lacht die Tagesmutter und erklärt: „Bei mir bringen die Kinder ihr Essen selbst mit“, und das bedeutet, sie hat vom biologisch-dynamischen Essen bis hin zu Fast Food eigentlich alles. „Jedes Kind bekommt halt seins“, erklärt sie.

Bis auf eines sind alle ihre Kinder Einzelkinder, berichtet Kraus. Bei der Tagesmutter lernen sie den Umgang mit „Leihgeschwistern“; die Kinder lernen viel voneinander, zum Beispiel streiten und sich wieder versöhnen. Sie ist sich sicher: „Das Miterleben eines echten Familienhaushaltes ist für die Tageskinder gerade das Interessante, Anregende und Fördernde - im Unterschied zu der künstlichen Umgebung der Krippe.“

Tagesmutter kann eigentlich jede werden, weiß Kraus. Die Anerkennung vom Jugendamt, ein polizeiliches Führungs- und ein Gesundheitszeugnis und ein Qualifikationskurs genügen offiziell. Aber Kraus weiß auch, was man alles investiert. In ihrem Haus wurde der Wintergarten zum Spielzimmer, das eine Zimmer der Tochter zum Schlafraum. Erst jüngst wurden neue Bettstättchen angeschafft, „das Teure daran sind die Matratzen“. Spielsachen und Fahrzeuge für die Kleinsten mussten gekauft werden. Jetzt sucht sie dringend einen stabilen Zwillingswagen für die Spaziergänge mit den Kindern, aber die kosten schon gebraucht fast 500 Euro, klagt Kraus. Was die Tagesmutter ein bisschen ärgert: „Die Kindergärten bekommen 1.450 Euro Investitionszuschuss pro Kind, wir Tagesmütter bekommen nichts.“

Warum Eltern ihre Kinder zu einer Tagesmutter bringen und nicht in die Kita, weiß Kraus: „Die Eltern wollen die emotionale Bindung an eine Bezugsperson“, erklärt sie. Carlotta beispielsweise habe am Anfang viel geweint. „Die habe ich stundenlang rumgetragen“, erzählt Kraus, das wäre in einer Kindertagesstätte gar nicht zu schaffen. Viele Eltern hätten Angst, sie könnten sich eine Tagesmutter nicht leisten, weiß Kraus, aber durch den Zuschuss des Jugendamtes sei eine Tagesmutter auch nicht teurer als die Kita.

Auf dem Heimweg: Claudia Kraus macht sich mit ihrer Rasselbande auf den Weg vom Spielplatz nach Hause. Foto: Ursula Lux

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